Italiens Haushaltskrise – Ihr Gewinn?

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Ratingagenturen könnten bald wieder die Nachrichten bestimmen. Wie steht es eigentlich um die Aktie von Moody’s? (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Erinnern Sie sich noch an die Staatsschuldenkrise 2011? Damals waren die großen Ratingagenturen im Fokus. Wer senkt zuerst den Daumen? Wer passt den Ausblick an? Inzwischen ist es ruhiger um Moody’s und Co. geworden. Doch die Italienkrise ruft die Bedeutung von Ratingagenturen wieder ins Bewusstsein.

Grund genug, sich Moody’s genauer anzusehen. Lohnt sich womöglich sogar ein Investment? Moody’s ist neben S&P die weltweit führende Kredit-Rating-Agentur. Der Finanzdienstleister analysiert und bewertet die Kreditwürdigkeit von festverzinslichen Wertpapieren (Anleihen) und deren Emittenten (Staat, Unternehmen). Moody’s beschäftigt weltweit über 1.200 Analysten und bewertet für seine Kunden rund 106.000 Wertpapiere. Zum Kundenkreis gehören Privatanleger, Geschäfts- und Investmentbanken sowie Unternehmen und Regierungen.

Wird Moody’s der lachende Dritte?

Moody’s hat für das 1. Halbjahr sehr starke Zahlen vorgelegt. Der Umsatz stieg um 16,5% auf rund 2,3 Mrd $. Unterm Strich hat sich der Gewinn um 13,6% auf 3,85 $ pro Aktie verbessert. Das Ratinggeschäft lief gut. Dadurch konnten weitere renditestarke Mandate beim Investmentbanking gewonnen werden. Die aktuell schwierige Börsenphase spielt dem Beratungsgeschäft in die Karten. Die individuellen Beratungen werden deutlich häufiger nachgefragt.

Dieser Geschäftsbereich ist besonders margenstark. Gleichzeitig befeuern die Krisen in Schwellenländern wie Argentinien, der Türkei oder jetzt auch Südafrika das Ratinggeschäft. Zahlreiche Bonitätsprüfungen müssen aktualisiert werden. Moody’s ist eine der wenigen von der USBörsenaufsicht SEC zugelassenen Ratingagenturen und kann deshalb hohe Verkaufspreise am Markt durchsetzen.

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Gleichzeitig haben die Bewertungen von Unternehmen, Banken oder ganzen Volkswirtschaften auch einen großen Marketing-Effekt, was mittelbar auch dem Beratungsgeschäft zugutekommt. Ein weiterer Pluspunkt ist der Handelsstreit mit China. Während die USA und das Land der Mitte eine hitzige Debatte um Zölle und Handelshemmnisse führen, könnte Moody’s der lachende Dritte im Bunde sein und von der Debatte sogar noch profitieren.

Diese Dividende ist zum vergessen…

Schon heute hat das politische Desaster zu einem Auftragsplus geführt. Bei einem Finanzwert wie Moody’s ist eine Aktienbewertung immer zurückhaltend vorzunehmen. Jetzt haben sich die Aussichten für die nächsten Monate aber deutlich verbessert. Positiv wirken der Wachstumssprung und auch die hohe Medienpräsenz.

Italiens Haushalt dürfte hierfür noch stärker als bisher sorgen. Auf der Negativ-Seite sorgen wir uns vor dem negativen Eigenkapital und den politischen Restriktionen. Auch waren immer wieder einmal Konkurrenz-Agenturen zu den etablierten Gesellschaften wie Moody’s angedacht. Die Dividendenrendite liegt bei 0,9% und ist für uns kein Argument. Warten Sie bei der Aktie besser noch ab!


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.