IWF optimistisch: Talsohle bereits durchschritten?

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Hat die Weltwirtschaft das Schlimmste schon hinter sich? Experten des IWF blicken zuversichtlich in die Zukunft. (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Der Handelskrieg zwischen den USA und China belastet die Weltwirtschaft bereits seit mehreren Jahren. Doch zum Auftakt des Wahljahres zur US-Präsidentschaft gibt sich der amtierende Herr im Weißen Haus vergleichsweise zahm und verhandlungsbereit.
Erst vor wenigen Tagen unterzeichneten Vertreter Chinas und der Vereinigten Staaten ein Phase-I-Abkommen, um ihren Zollstreit allmählich beizulegen. Neue Strafzölle sollen dadurch vorerst ausgeschlossen werden – die bereits verhängten Zölle bleiben jedoch bis auf Weiteres bestehen.

Handelsstreit belastet Wirtschaftswachstum – auch in Deutschland

Diese Situation wirkt sich direkt auf die globalen Handelsketten aus und schlägt sich im schwächelnden Wirtschaftswachstum des vergangenen Jahres nieder. Auch die deutsche Industrie ist davor nicht gefeit: Die Flaute ließ die exportorientierten Branchen einbrechen, das Mini-Wachstum von 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts basiert zu einem guten Teil auf privatem Konsum.
Kurz vor dem Auftakt zum Weltwirtschaftsforum, das derzeit im schweizerischen Davos stattfindet, deuteten sich jedoch weitere Signale der handelspolitischen Entspannung an: Im Streit um die Digitalsteuer wollen Frankreich und die USA zunächst weiter verhandeln.

IWF: Optimistische Prognose

Mut macht zudem die optimistische Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF). Laut dessen Schätzung hat die Weltwirtschaft das Schlimmste schon hinter sich. Nach einer Talsohle 2019 soll es in diesem sowie im kommenden Jahr wachstumstechnisch wieder stärker aufwärts gehen. Hatte das globale Wachstum für das Jahr 2018 noch bei 3,6 Prozent gelegen, waren es im vergangenen Jahr nur noch 2,9 Prozent. Für 2020 rechnet der IWF nun mit einem Anstieg der weltweiten Wirtschaftsleistung um 3,3 Prozent, für das kommende Jahr um weitere 3,4 Prozent.
Auch mit Blick auf Deutschland verbreitet der IWF Optimismus: Das hiesige Bruttoinlandsprodukt soll demnach im laufenden Jahr um 1,1 Prozentpunkte und 2021 dann um 1,4 Prozent zulegen.

Restrisiko bleibt

Damit ist die aktuelle Prognose des IWF zuversichtlicher als die anderer Experten. Zur Begründung wurde unter anderem auf die Entspannung im Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie auf die weiterhin expansive Geldpolitik vieler Notenbanken und den dadurch gestärkten privaten Konsum verwiesen. Auch dass in Sachen Brexit viele Fragezeichen inzwischen ausgeräumt werden konnten, stimmt den IWF positiv.
Dennoch bleiben unwägbare Risiken bestehen: Inwieweit die Annäherung im Handelsstreit von Dauer sein wird, lässt sich angesichts der impulsiven Amtsführung von US-Präsident Donald Trump kaum seriös vorhersagen.
Zudem hat sich bereits zum Jahresauftakt gezeigt, dass das Pulverfass in der Golfregion jederzeit hochgehen kann – militärische Auseinandersetzungen, neue Flüchtlingsbewegungen, steigende Ölpreise könnten direkte Folgen sein und das fragile Wirtschaftswachstum erneut belasten.
Eine Eskalation der Konflikte zwischen Iran, Irak, Saudi Arabien und Israel, womöglich unter Beteiligung von einflussreichen Drittmächten wie der Türkei, Russland oder den USA hat das Potenzial, nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die gesellschaftspolitische Entwicklung erheblich zu beeinträchtigen.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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