IWF warnt vor Übertreibungen am deutschen Immobilienmarkt

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Die Lage am deutschen Immobilienmarkt beschäftigt nun auch den Internationalen Währungsfonds (IWF). (Foto: kurhan / Shutterstock.com)

Seit Jahren läuft der deutsche Immobilienmarkt ja regelrecht heiß. Und just jetzt, im Jahr 2018, wirft sogar der IWF ein wachsames Auge auf die Entwicklung in deutschen Landen. Mehr noch, die Ökonomen heben bewusst den Zeigefinger und sprechen eine deutliche Warnung aus.

IWF spricht von Überbewertung

Es kommt wahrlich nur extrem selten vor, dass eine Institution wie der IWF derart Klartext schreibt. Das sollte also auf keinen Fall unterschätzt werden. Die Experten betonen nämlich, dass die Wohnimmobilienpreise in Deutschlands größten Städten stärker gestiegen seien als das durch Nachfrage und Fundamentaldaten erklärt werden könne. Und konkret ist es dem IWF zufolge wiederum München, das einmal mehr den Spitzenplatz bei der Übertreibung innehat. Hier hätten die Preise für Wohnimmobilien im Jahr 2017 um sage und schreibe 46 Prozent über dem durch Fundamentaldaten gerechtfertigten Niveau gelegen.

In der Tat, das ist schon eine gravierende Übertreibung, selbst in Relation zu den anderen boomenden Ballungsräumen. Der IWF bringt dabei konkret die Großstädte Hamburg, Hannover und Frankfurt ins Spiel. In diesen drei Ballungsräumen beziffern die Experten die Überbewertung auf 25% bis 30%. Und last but not least seien noch die beiden Hauptstädte der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg erwähnt. Mit Blick auf Stuttgart und Düsseldorf lag die Überbewertung im vergangenen Jahr ja laut IWF bei nur zehn bis 15 Prozent.

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Marktbeobachtung eminent wichtig

Beachtlich ist auch, dass der IWF keine detaillierte Prognose, ja Einschätzung der weiteren Entwicklung gab. Er stellte aber klar, dass die steigenden Immobilienpreise vor allem in Ballungszentren weiter im Blick behalten werden müssten. Der IWF kritisiert darüber hinaus, dass es zu wenige detaillierte Daten auf Städteebene gebe und daher eine umfassende Bewertung der Entwicklung auf dem Immobilienmarkt nicht möglich sei. Er empfiehlt deshalb, sogenannte makroprudenzielle Instrumente zu stärken und vorhandene Datenlücken schnellstmöglich zu schließen.

Von den geplanten Maßnahmen der neuen Bundesregierung, die Wohnraum bezahlbarer machen sollen, erwartet der IWF nicht viel. Wohnraum durch Maßnahmen wie eine Sonderabschreibung für Mietwohnungsneubau, eine Verschärfung der Mietpreisbremse und ein KfW-Bürgschaftsprogramm beim Immobilienkauf bezahlbarer zu machen, bringe dem Fonds zufolge nicht wirklich viel. Im Gegenteil, derartige Vorhaben hätten auf Bautätigkeit und Nachfrage einen gegenteiligen Effekt als den erhofften.

Ja, liebe Leser, unter dem Strich sollten wir alle die Ausführungen des IWF sehr ernst nehmen. Jetzt ist absolut nicht die Zeit, in den überteuerten Ballungsräumen der Republik Immobilien-Investments zu tätigen. Im Gegenteil, vielleicht ist es klug, eher an einen möglichen Verkauf als einen Kauf zu denken…


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.