Jahresprognose von Osram in Gefahr

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Wenn der Vorstand den Rückwärtsgang einlegt und seine eigenen Entscheidungen korrigiert. Osram mit einer verkappten Gewinnwarnung (Foto: lovelyday12/AdobeStock)

So schnell kann es gehen: Nachdem Osram vor gerade einmal einem Jahr das neue Werk in Malaysia eingeweiht hat und Umsatzwachstumsraten von mehr 24% verkünden konnte, macht sich nun Ernüchterung breit. Nach einem schwachen Start in das laufende Geschäftsjahr 2018/19 (das Unternehmen berichtet zum 30.09.) stellt Osram seine Gesamtjahresprognose unter den „Vorbehalt einer Belebung des Auftragseingangs in den nächsten Monaten“.

Schmerzhafter Einbruch

Hintergrund der verkappten Gewinnwarnung ist, dass der Münchner Beleuchtungskonzern im ersten Quartal (Oktober bis Dezember) einen Umsatzeinbruch von 15% auf 828 Mio. Euro hinnehmen musste. Bei der bereinigten EBITDA-Marge kam es zu einem Einbruch auf 11,3%, nachdem diese im vergleichbaren Vorjahresquartal noch bei 18,5% gelegen hatte.

Ursächlich für den Umsatz- und Ergebniseinbruch ist die geschäftspolitische Entscheidung des Vorstands, aus dem Massengeschäft auszusteigen. Was fast ein Jahrhundert das Brot-und-Butter-Geschäft des Unternehmens darstellte – die Produktion und den Verkauf Glühbirnen und Neonröhren für Privathaushalte – wurde bekanntlich 2016 an ein chinesisches Konsortium verkauft.

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Die Folgen des Ausstiegs

Doch besonders hell scheint diese Entscheidung nicht gewesen zu sein. Die alleinige Ausrichtung auf Industriekunden, insbesondere auf die volatile Automobilindustrie, führt in Zeiten eines konjunkturellen Abschwungs notwendigerweise zu einem Ergebnisswing nach unten.

Dabei hatte Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser eindringlich vor dieser Gefahr gewarnt. Nun bekommt er Recht. Wenn die Umsätze einbrechen nützt es wenig, mit der angeblich modernsten Fabrik die niedrigsten Kosten in der Optohalbleiterbranche vorweisen zu können. Die Folgen bekommen – mal wieder – die Mitarbeiter zu spüren. Nun werden im kürzlich kräftig ausgebauten Regensburger Werk 300 der 2.800 Stellen gestrichen.

Vorstand im Visier der BaFin

Gegenwind bekommt aber auch der Vorstand. Dieser hatte vor kurzem in einem Interview angedeutet, dass das abgelaufene Quartal schwächer als erwartet ausgefallen war. Auf mögliche Folgen für die Gesamtjahresprognose wurden in dem Gespräch jedoch nicht hingewiesen. Was aber möglicherweise angemessen gewesen wäre, wenn diese nur wenige Wochen später in Frage gestellt wird. Medienberichten zufolge hat sich daher die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eingeschaltet, um zu prüfen, ob Vorstandschef Berlien mit seinen Aussagen zum Geschäft gegen die Ad-hoc-Pflicht verstoßen hat. Nachhaltige Unternehmenskommunikation geht anders.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.