Japan Autoindustrie: Globale Lieferkette in Gefahr

Die Auto-Absatzzahlen am Freitag in den USA werden enttäuschen, droht nun ein Teile-Infarkt? (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Am Freitag werden die Autohersteller ihre Verkaufszahlen im März in den USA bekanntgeben. Es wird erwartet, dass sie gegenüber dem Februar gesunken sind, aber im Vorjahresvergleich etwa 12% höher ausfallen.

Experten sehen steigende Benzinpreise aber vor allem die ersten Auswirkungen des Bebens und der Katastrophe rund um das Atomkraftwerk Fukushima in Japan auf die globalen Lieferketten als die beiden wichtigsten Gründe.

Die Erholung wird abrupt unterbrochen

Noch vor wenigen Wochen hatte es für die globale Autoindustrie deutlich besser ausgesehen: Die Absatzzahlen waren zum zweiten Mal hintereinander im Jahresvergleich mit einer zweistelligen Prozentrate gestiegen.

Russland mit einem Zuwachs von 77% lag an der Spitze. Selbst in Europa gingen nach zehn Monaten mit sinkenden Werten die Verkäufe erstmals wieder nach oben, wenn auch lediglich um 1%.

Doch die nächsten Monate werden schwierig werden. Japanische Lieferanten nehmen Schlüsselpositionen in den globalen Lieferanten-Netzwerken ein und liefern von hochwertigen Spezialteilen bis zu 60 und 70% der Weltproduktion.

In Europa haben die Hersteller Krisenstäbe eingerichtet und wissen, dass ab der zweiten Aprilwoche wegen der langen Seewege die Lieferstränge für einige kritische Produkte austrocknen werden.

Was ein fehlendes Einzelteil anrichten kann

Autos bestehen heutzutage aus bis zu 3.000 Einzelteilen, die aus aller Welt angeliefert werden.

Diese Globalisierung kann sich aber als Problem erweisen: Nämlich dann, wenn nur eine einzige Komponente nicht rechtzeitig geliefert und auf die Schnelle kein Ersatz beschafft werden kann.

Bis zu 30% weniger Absatz

Das Research-Unternehmen IHS Global Insight schätzt den Schaden für die weltweite Autoindustrie im schlimmsten Fall auf bis zu 30% der Produktion, solange die Probleme anhalten.

Japans Lieferanten müssen nicht nur die Fließbänder wieder aufstellen, sie kämpfen auch gegen Stromausfälle, zerstörte Infrastruktur und die Strahlengefahr.

Internationale Reedereien wollen in vielen Fällen die Häfen von Tokio und Yokohama, über die 40% von Japans Containerverkehr läuft, nicht mehr bedienen.

„Dies ist der größte Störfall aller Zeiten für die internationale Automobilindustrie“, sagt der geschäftsführende Direktor Koji Endo bei Advanced Research Japan in Tokio.

Auch in Europa hat es schon die ersten Produktionsstopps gegeben. Bei der Bundesagentur in Nürnberg liegen Anfragen aus der Branche für Kurzarbeit vor.

Autolacke gehen jetzt schon aus

Erste Lieferengpässe gibt es jetzt schon bei bestimmten Autofarben. Denn das Farbpigment Xirallic wird vom deutschen Unternehmen Merck in einer Fabrik im japanischen Onahama produziert, nur 40 Kilometer vom havarierten Kernkraftwerk Fukushima entfernt.

Derzeit sind wegen der Strahlenbelastung alle Mitarbeiter abgezogen.

Kleine Ursache, große Wirkung: Betroffen sind unter anderem Volkswagen, BMW, Chrysler, Ford und General Motors, die Neuwagen in bestimmten Farben nicht mehr liefern können.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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