Japan: Boom oder Staatsbankrott

Japan: Das sind die Gründe für die Deflationskrise

Die Staatsverschuldung in Japan erreicht ein Rekordniveau. Die Lösung: Die Notenbank muss die Staatsanleihen kaufen und vernichten. (Foto: Vincent Tang - Fotolia)

Der Aufwärtstrend am Aktienmarkt setzt sich fort. Heute gewann der deutsche Leitindex DAX knapp 1% und kletterte auf 7.832 Punkte. Die 8.000-Punkte-Marke ist damit wieder in Sichtweite.

Für gute Stimmung sorgen die Notenbanken. So wurde in dieser Woche das Gerücht aufgewärmt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins noch einmal auf dann 0,50% senkt. Die Investoren lieben billiges Geld.

Wie wichtig die Rolle der Notenbanken in der aktuellen Marktphase ist, habe ich bereits vor 2 Tagen hier im Schlussgong beschrieben. Als Musterbeispiel habe ich die Situation in Japan geschildert.

Dort setzen Regierung und Notenbank alles auf eine Karte: Entweder lösen die Konjunkturpakete und die Geldspritzen einen Boom und Inflationsschub aus, oder das Land ist finanziell am Ende. Das Wort Staatsbankrott kann offen ausgesprochen werden.

Japan beflügelt die Märkte

Kurz zur Erinnerung: Der japanische Leitindex Nikkei ist in den vergangenen Monaten von 9.000 auf knapp 14.000 Punkte gestiegen.

Auslöser ist die extrem lockere Geldpolitik. Die japanische Notenbank will die Geldmenge in Japan in relativ kurzer Zeit verdoppeln.

Pro Monat kauft die Notenbank für umgerechnet 60 Milliarden Euro japanische Staatsanleihen. Diese Summe soll im nächsten Jahr sogar noch verdoppelt werden.

Wird dieser Plan Realität, kauft die japanische Notenbank praktisch sämtliche Staatsanleihen, die das Land 2014 neu am Markt platziert. Mittelfristig ist das ein extrem riskantes Experiment.

Rettungsmaßnahmen verpuffen

Die grundsätzliche Strategie ist nicht neu: Die Regierung verabschiedet kreditfinanzierte Konjunkturpakete und die Notenbank pumpt billiges Geld in das Wirtschaftssystem. Neu ist jetzt die Größenordnung.

Regierung und Notenbank erhöhen radikal die Dosis. Entweder hilft das dem Patienten, oder der Patient überlebt die Überdosis nicht. Wie oben beschrieben: Das ist ein riskantes Experiment.

Die kleinen Hilfsmaßnahmen haben in den vergangenen 20 Jahren keine positive Wirkung gezeigt. Ganz im Gegenteil!

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Die Staatsverschuldung lag in Japan vor gut 20 Jahren bei rund 60% der Wirtschaftsleistung. Das ist ein Schuldenniveau, das noch tragbar ist.

Doch dann begann die japanische Wirtschaftskrise. Die vielen kreditfinanzierten Konjunkturpakete brachten nur kurze Strohfeuer. Zurück blieb stets nur ein noch größerer Schuldenberg.

Im Jahr 2000 war die Verschuldung bereits deutlich größer als die volkswirtschaftliche Leistung (137%). 10 Jahre später lag die Schuldenquote bereits bei knapp 200% und im Jahr 2015 könnte ein Wert von 250% erreicht werden.

Dieser Wert ist deutlich höher als in Griechenland. Es gibt nur einen einzigen Grund, warum Japan mit diesem Schuldenberg überleben kann:

Das Land ist nicht auf den internationalen Kapitalmarkt angewiesen. Weit über 90% der Staatsanleihen bleiben in Japan.

Da Japan bisher nicht auf internationales Kapital angewiesen ist, kann das System (noch) mit einer Schuldenquote von über 200% leben. Das ändert sich schlagartig, sobald Japan auf fremde Hilfe angewiesen ist.

Es hilft nur noch ein Zaubertrick

Sollte Japan mit der neuen Konjunkturpolitik erfolgreich sein, muss die Regierung sofort reagieren und den Rückenwind nutzen, um den Haushalt zu sanieren. Der Schuldentrend muss gestoppt werden.

Selbst im Optimalfall dürfte es jedoch fast unmöglich sein, die Schuldenquote von über 200 auf deutlich unter 100% zu senken. Wahrscheinlich folgt daher in wenigen Jahren das nächste große Experiment:

Wie reagieren die Menschen und die Märkte darauf, wenn eine nationale Notenbank erst alle Staatsanleihen kauft und diese Staatsschulden dann einfach streicht oder 50 Jahre in die Zukunft verschiebt? Kein Sparer oder Anleger hätte einen direkten Schaden.

Wenn der Markt diesen „Zaubertrick“ akzeptiert, könnte Japan zum Vorbild für die restlichen Schuldenstaaten werden.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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