Japan-Katastrophe: Wie stark ist die Industrie wirklich betroffen?

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Die Industrieproduktion in Japan bricht massiv ein. Notenbank-Gouverneur Shirakawa bezeichnet die Lage als “sehr ernst”. (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Die Industrieproduktion in der drittgrößten Volkswirtschaft auf dem Globus brach im März laut Japans Handelsministerium um schockierende 15% ein.

Das bedeutet, dass der Industrieausstoß im März in den Tagen nach dem Erdbeben sogar um 25% sank. Vor der Naturkatastrophe hatte Japans Wirtschaft zwei Drittel der Verluste aus der Großen Rezession schon wieder aufgeholt.

Doch jetzt kommt es: Der Einbruch von 15% in nur einem Monat im März geht weit über das hinaus, was Japan während dem Platzen der Dotcom-Blase und während der Asienkrise Mitte der 90er Jahre hinnehmen musste.

Der Crash nach dem Platzen der Internet-Blase zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts führte in Japan zu einem Einbruch der Industrieproduktion um 14%. Zum Vergleich: Während der Asienkrise ging die Fertigung (und das in zwei Jahren, nicht in einem Monat !) um 10% zurück.

Lage der Konjunktur “sehr ernst”

Kein Wunder, dass der Gouverneur der Bank of Japan, Masaaki Shirakawa, am Samstag warnte, die Lage der Konjunktur sei “sehr ernst” und die Zentralbank erwäge angemessene Schritte, um sie zu stützen.

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Wie angespannt die Situation nach dem Erdbeben vom 11. März ist, zeigt der zeitliche Verlauf wichtiger Nachrichten aus Japan heraus.

Denn nur zwei Tage vor der Warnung Shirakawas am Samstag hatte die Notenbank ihre BIP-Prognose für das kommende Finanzjahr, das im April 2012 beginnt, auf 2,9% angehoben. Zusätzliche Anleihe-Käufe zur Stimulierung der Konjunktur – wie sie die Fed noch bis Juni durchführt – lehnt die Führung der Bank of Japan derzeit jedoch ab.

Index-Kollaps verunsichert

Man will in Tokyo wohl den Eindruck vermeiden, dass Panik herrscht. Doch wie sollen Notenbanker Ruhe bewahren, wenn binnen weniger Wochen der Index der Industrieproduktion von über 97 auf knapp über 82 regelrecht abschmiert?

Für die globale Wirtschaft verheißt das gedrosseltes Wachstum, weil ja in China gebremst wird und sich die BIP-Dynamik in den USA seit dem Schlussquartal 2010 fast halbiert hat, auf ein BIP-Plus von 1,8% von Januar bis März.

Doch das langsamere Wachstum wird begleitet von steigender Inflation, die nur noch von den Notenbanken in den USA und England angezweifelt wird, beziehungsweise als “temporär” abgetan wird. Den Aktienmärkten stehen raue Zeiten bevor.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.