Japan: Staatsbudget runter, Yen rauf

Der japanische Staat ist extrem hoch verschuldet.

Nach den Kriterien des Internationalen Währungsfonds (IWF) liegt die Verschuldungsquote bei rund 233% des japanischen Bruttoinlandsprudukts (BIP).

Zum Vergleich: Deutschland liegt bei etwa 80%, die USA bei rund 100%.

Vor allem der – bislang vergebliche – Versuch, die seit Jahren schwelende Deflation durch eine lockere Geldpolitik und durch extrem hohe Staatsausgaben einzudämmen, hat zu diesem immensen Schuldenberg geführt.

Finanzierung des Wiederaufbaus reißt neue Löcher in den Staatshaushalt

Die Erdbeben-, Tsunami- und Atomkatastrophe von Fukushima belastet den Staatshaushalt noch zusätzlich.

Der Wiederaufbau sowie die Reparatur- und Sicherungsmaßnahmen am Kernkraftwerk Fukushima schlagen nach Expertenschätzung mit rund 5,6 Bio. Yen (und damit etwa 1,1% des BIP) zu Buche.

Auch wenn der Staat nur teilweise für diese Maßnahmen aufkommen wird (ein großer Teil der Kosten wird von der Wirtschaft und von privater Hand getragen): Die Verschuldung wird dennoch wachsen anstatt zu schrumpfen.

Daran ändert auch die geplante drastische Erhöhung der Mehrwertsteuer von derzeit 5 auf 10% nichts, die schrittweise bis 2015 umgesetzt werden soll.

Internationale Investoren bleiben von der japanischen Schuldenkrise unbeeindruckt

So darf es niemanden verwundern, wenn die Rating-Agentur Standard & Poor’s die Kreditwürdigkeit Japans nur mit AA- bewertet.

Das Rating von Moody’s liegt seit Spätsommer 2011 bei Aa3.

Allerdings ist eine Währungskrise wie im Euro-Raum in Japan vergleichsweise unwahrscheinlich. Das liegt vor allem an der Struktur der Gläubiger.

Während es im Euro-Raum und in den USA vorwiegend ausländische Investoren sowie Notenbanken sind, die in großem Stil in die entsprechenden Staatsanleihen investiert haben, ist das in Japan anders.

Hauptsächlich die Japaner selbst sind Inhaber japanischer Staatsanleihen, nämlich zu rund 95%.

In dieser Zahl inbegriffen sind selbstverständlich auch die institutionellen Investoren in Japan – also beispielsweise japanische Pensionsfonds und Banken. Nur rund 5% der japanischen Staatsanleihen werden von ausländischen Investoren gehalten.

Daher ist es auch unwahrscheinlich, dass Japans Schuldenkrise kurzfristig auf die internationalen Finanzmärkte übergreift.

Warum notiert der Yen gegenüber Euro und US-Dollar so hoch?

Hohe Staatsschulden und eine extrem lockere Geldpolitik – eigentlich sollte das doch heißen, dass die japanische Währung Yen einen massiven Wertverlust erleiden müsste.

Warum aber ist der Kurs des Yen seit 2009 stattdessen gegenüber dem Euro und US-Dollar enorm angestiegen?

Der Grund dafür sind sogenannte Carry Trades, die bis Ende 2008 in großem Stil betrieben wurden.

Zwischen 2000 und 2008 war es für institutionelle Finanzmarktteilnehmer ausgesprochen interessant, sich in Japan Geld zu leihen.

Der japanische Leitzins lag damals zwischen 0,0 und 0,5%.

Dieses Geld wurde dann im Euro-Raum oder den USA angelegt. Dort waren die Zinsen deutlich höher.

Im Euro-Raum lag der Leitzins in ebendiesem Zeitraum zwischen 2,0 und 4,75%, in den USA zwischen 2,0 und 6,0%.

Zinssenkung durch Fed und EZB 2008: Auslöser für den Anstieg des Yen

Mit Ausbruch der Finanzkrise senkten die US-Notenbank (Fed) und die EZB die Leitzinsen drastisch – mit der Folge, dass Großinvestoren nun schnellstens das von Japan geliehene Geld aus den USA und dem Euro-Raum abzogen.

Das erklärt den aktuellen Höchststand des Yen gegenüber dem Euro und dem Dollar.

Die vieldiskutierte Schuldenkrise in beiden Währungsräumen tut ihr Übriges dazu. Japans auf Export ausgerichtete Industrie hat es allerdings nicht leicht mit dem Anstieg des Yen-Kurses.

Bis etwa Ende 2008 war Japans Export von einem im Vergleich zum Euro und zum US-Dollar sehr schwachen Yen befeuert worden.

Damit ist jetzt Schluss: Der starke Yen behindert den Export – denn er verteuert japanische Produkte im europäischen oder US-amerikanischen Ausland.

10. Oktober 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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