Japanische Dauerkrise hält unvermindert an

Japan: Das sind die Gründe für die Deflationskrise

Seit dem Platzen der gigantischen Immobilienblase Anfang der 1990er-Jahre befindet sich Japan in einer deflationären Dauerkrise. (Foto: Vincent Tang - Fotolia)

Massenmedial stehen bei den meisten Investoren die globalen Handelskonflikte ja immer noch ganz oben auf dem Radarschirm. Die Entwicklung in Japan wird nur von ganz wenigen am Rande verfolgt. Nichtsdestotrotz sollte man das Geschehen dort keinesfalls vernachlässigen, geschweige denn unterschätzen. Denn es bestehen gerade auch im Vergleich zu Deutschland verblüffende Ähnlichkeiten.

Exportlastige Volkswirtschaft

Ebenso wie Deutschland ist Japan ja eine stark exportabhängige Volkswirtschaft, die aktuell unter der globalen Nachfrageschwäche angesichts von Handelskonflikten und Unsicherheiten wie dem Brexit leidet. Ähnlich wie in deutschen Landen steht die japanische Industrie derzeit unter massivem Druck. Reuters meldete jüngst, dass Japans Industrieproduktion im Oktober so rasant wie zuletzt Anfang 2018 zurückgegangen sei. Diese fiel im Vergleich zum September um 4,2 Prozent. Und wie so oft in diesem Jahr wurde die Malaise von den Analysten im Vorfeld unterschätzt. Diese hatten im Schnitt nur einen Rückgang um 2,1 Prozent erwartet.

Mehrwertsteueranhebung lastet auf Einzelhandel

Eine interessante Parallele zwischen Deutschland und Japan ist auch die demographische Konstitution. In beiden Ländern kann insofern von einem Prozess der Schrumpfvergreisung gesprochen werden. Die Regierung in Tokio zollte dieser Entwicklung mit einer massiven Anhebung der Mehrwertsteuer von acht auf zehn Prozent zum 1.10.2019 Tribut. Die Anhebung dient dazu, die sozialen Kosten des demographischen Wandels zu stemmen und wurde von der Abe-Administration ja bereits zwei Mal verschoben.

In der vergangenen Woche wurden jedenfalls die ersten Daten zur Entwicklung des Einzelhandels nach der Anhebung der Mehrwertsteuer veröffentlicht. Und diese fielen verheerend schlecht aus. Reuters schreibt, dass die Anhebung der Mehrwertsteuer die Kauflaune der Japaner erheblich gedämpft habe. Die Umsätze der japanischen Einzelhändler brachen im Oktober diesen Jahres mit 7,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat so stark wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr ein. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Minus von 4,4 Prozent gerechnet.

Reuters berichtete in dem Kontext auch, dass die Einkommen der Japaner vor der Erhöhung der Mehrwertsteuer nicht wirklich zulegen konnten. Folglich habe sich der Konsum auch schon vor der Mehrwertsteueranhebung schwach entwickelt. Deshalb sei der Umsatzrückgang im Einzelhandel diesmal auch stärker ausgefallen als bei den vorigen Erhöhungen 2014 und 1997.

Ja, liebe Leser, die japanische Dauerkrise hält unvermindert an. Und ein Ende ist nicht absehbar. Wir wären jedenfalls alles andere als überrascht, wenn auch wir in deutschen Landen in eine ähnliche Dauerkrise wie in Japan schlittern würden. Deshalb gilt: Stellen wir uns zumindest jetzt schon darauf ein!

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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

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