Japanische Dauermalaise hält unverändert an

Japan: Das sind die Gründe für die Deflationskrise

Japan konnte sich seit dem Platzen der großen Vermögenspreisblase Anfang der 1990er nie wieder richtig erholen. Die Dauermalaise hält unverändert an. (Foto: Vincent Tang - Fotolia)

Seit dem Platzen der Mega-Preisblase am Aktien- und Immobilienmarkt Anfang der 1990er-Jahre konnte sich Japan nie mehr wirklich erholen. Im Gegenteil, selbst eine ultra-laxe Geld- und Fiskalpolitik vermochten es nicht, die latente deflationäre Krise zu beseitigen. Kein Wunder also, dass schon seit vielen Jahren dieser Zustand als „japanische Verhältnisse“ bezeichnet wird.

Exportabhängige Volkswirtschaft

Gleichzeitig ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt nach wie vor extrem exportlastig. Erst jüngst kamen von den Exporteuren Nippons einmal mehr sehr ernüchternde Daten. Laut einem Bericht der Agentur Reuters sind die japanischen Exporte im Dezember des vergangenen Jahres 2019 den 13. Monat in Folge gefallen.

Sie schrumpften um sage und schreibe 6,3 Prozent im Vergleich zum Dezember 2018. Von Reuters im Vorfeld befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang um 4,2 Prozent gerechnet. Besonders auffällig war, dass allen voran die Ausfuhren nach Amerika verheerend einbrachen. Diese waren um fast 15 Prozent rückläufig. Hintergrund dieser extremen Entwicklung sei die rückläufige Nachfrage vor allem bei Autos und Flugzeugmotoren gewesen.

Fiskalpolitik im Fokus

Angesichts dieser anhaltenden Schwäche reagierte nun auch die Fiskalpolitik. Die Regierung in Tokio kündigte ja noch im Dezember 2019 ein großes Konjunkturprogramm an. Und hier geht es wahrlich nicht um kleine Summen. Mit ca. 13,2 Billionen Yen (ungefähr 110 Milliarden Euro) soll ein erneutes konjunkturelles Strohfeuer entfacht werden. Einige erinnern sich ja noch daran, dass die japanische Regierung noch mit Wirkung zum 1. Oktober 2019 die Umsatzsteuer massiv anhob. Widersprüchlicher und wirrer kann es fiskalpolitisch kaum mehr zugehen.

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Geldpolitik bleibt ultra-expansiv

Gleichzeitig geben die Geldpolitiker der Bank of Japan weiter Vollgas. Die Notenbanker teilten zwar laut Reuters jüngst mit, dass die Risiken mit Blick auf die Aussichten der Weltwirtschaft “etwas nachgelassen” hätten. An der Geldpolitik wurde aber nichts verändert. Das kurzfristige Zinsziel von minus 0,1 Prozent wurde beibehalten. Gleichzeitig bestätigen die Notenbanker die Zusage, die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen weiter bei rund null Prozent halten zu wollen.

Ja, liebe Leser, in Japan stehen sowohl Fiskal- wie auch Geldpolitik weiter voll auf dem Gaspedal. Das große „Stichwort“ lautet ja hier „Abenomics“. Dennoch bleiben wir mit Blick auf Japan bis auf weiteres skeptisch. Geld- und Fiskalpolitik kämpfen ja schon seit fast 30 Jahren gegen die latente deflationäre Dauerkrise an.

Die demographische Entwicklung – Stichwort Schrumpfvergreisung – und die Überschuldung des Staates bleiben ja nach wie vor bestehen. Nicht umsonst wurde ja zum 1.10.2019 massiv die Mehrwertsteuer erhöht. Anders formuliert, die japanischen Verhältnisse werden uns erhalten bleiben. Und wir in deutschen Landen können an dem Beispiel sehr schön sehen, in welche grobe Richtung der Zug auch bei uns fahren wird – das ist nun wahrlich keine schöne Aussicht.


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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