Japanischer Investor SoftBank will US-Bürovermieter WeWork übernehmen

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US-Bürovermieter WeWork ist nach einem geplatzten Börsengang in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Der japanische Investor SoftBank ist bereit, das Unternehmen zu übernehmen oder finanzielle Hilfestellungen zu leisten. Es gibt allerdings auch noch andere Wege, die WeWork aus der Krise führen. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Wie gestern aus gut informierten Kreisen bekannt wurde, will der japanische SoftBank-Chef Masayoshi Son bis zu 10 Mrd. USD in den schwer angeschlagenen Bürovermieter WeWork stecken, um den Konzern zu retten. Das schnell wachsende, aber hochdefizitäre New Yorker Start-up ist nach dem vor einem Monat gescheiterten Börsengang in eine finanzielle Schieflage geraten und benötigt schnell eine massive Finanzspritze.

Da die japanische SoftBank Group aufgrund von früheren Investitionen bereits ein gutes Drittel an WeWork besitzt, könnte SoftBank durch eine weitere Finanzspritze zum Mehrheitsaktionär von WeWork aufsteigen. Es gibt aber auch noch andere Wege, über die WeWork seine Finanzprobleme lösen kann.

Übernahmeangebot über 3 Mrd. USD

Laut Reuters soll die SoftBank-Gruppe WeWork ein Übernahmeangebot unterbreitet haben. Für 3 Mrd. USD würden die Japaner nach Abschluss der Transaktion 60 – 80% der WeWork-Anteile halten und somit zum Mehrheitsaktionär aufsteigen.

SoftBank wird laut gut informierten Kreisen aber versuchen, die Konsolidierung des Unternehmens in seinen Büchern zu vermeiden. Ob der ehemalige WeWork-CEO und aktueller Vorstandsvorsitzender Adam Neumann nach dem Übernahmedeal noch seinen Posten behalten wird, ist mehr als fraglich.

Erst vor einem Monat musste Neumann seinen CEO-Posten bei WeWork räumen und ist nun noch als Vorstandsvorsitzender tätig. Die schlechte Geschäftsentwicklung und der damit verbundene Wertverlust von WeWork hat das Verhältnis zwischen Neumann und SoftBank-Chef Son arg strapaziert.

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Neue Finanzspritze durch SoftBank

Alternativ zum Übernahmeangebot soll SoftBank dem klammen US-Bürovermieter auch neue Mittel in Höhe von 5 Mrd. USD angeboten haben. Dieses frische Kapital soll teilweise durch neue Schulden sowie durch die Ausgabe von neuen Anteilen finanziert werden.

Alternatives Finanzierungspaket von JPMorgan

Presseberichten zur Folge soll auch JP Morgan Chase an einem Rettungs- bzw. Finanzpaket für WeWork arbeiten. Amerikas größte Bank führt ein Konsortium an, das ein Finanzierungspaket von ebenfalls 5 Mrd. USD schnüren will. Das Rettungspaket soll zur Hälfte aus unbesicherten, hochriskanten Anleihen bestehen, die mit einem Zinscoupon von 15% versehen sind.

Letzte Möglichkeit Insolvenz

Findet WeWork keine Lösung für seine finanziellen Probleme, bleibt nur noch der Gang in die Insolvenz. Angeblich sollen die finanziellen Mittel nur noch für einen Monat ausreichen. Scott Galloway, Professor an der New York University, prognostiziert daher eine baldige Insolvenz: „Es ist wahrscheinlich, dass SoftBank vor Thanksgiving nüchtern wird, die Gesetze der Physik anerkennt und eine Art von Umstrukturierung/Konkurs vor der Pleite bestätigt.“

Wie es weitergeht

Die WeWork Eigentümer werden sich bereits heute zusammensetzen, um das Angebot der SoftBank gegen einen alternativen Finanzierungsvorschlag von JPMorgan Chase & Co zu bewerten. Sollte sich das Gremium bereits in der heutigen Sitzung auf eine der angebotenen Lösungsvorschläge einigen, könnte das Ergebnis bereits heute Abend verkündet werden.

Ob aber dadurch die finanziellen Probleme von WeWork auf Dauer gelöst werden können, bleibt fraglich. Das Unternehmen hat alleine in der ersten Jahreshälfte 2019 Verluste von über 904 Mio. USD geschrieben. Eine Restrukturierung des Firmenkonzeptes ist daher dringend notwendig.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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