Japanischer Konzern LIXIL vor Übernahme der Grohe Gruppe

Das deutsche Unternehmen Grohe wird japanisch. Der Badearmaturen-Hersteller wird für rund 3,06 Mrd. € an den japanischen Konkurrenten LIXIL verkauft.

LIXIL wird den Deal aber nicht alleine stemmen. Zusammen mit der Development Bank of Japan (DBJ) wird ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, um das benötigte „Kleingeld“ zusammenzukriegen.

Das Übernahme-Angebot beläuft sich auf 1,5 Mrd. € – zusammen mit den Schulden steigt das  Übernahme-Volumen auf 3,06 Mrd. €. Dafür bekommen LIXIL und DBJ 87,5 % der Anteile an der Grohe Group. Der Deal soll im ersten Quartal 2014 vollzogen werden.

Aktionäre konnten an der Übernahme mit deutscher Beteiligung diesmal nicht mitverdienen. Die bisherigen Eigentümer sind der Finanz-Investor TPG Capital und Credit Suisse.

Geht der Deal planmäßig über die Bühne,  ist es die größte japanische Investition in Deutschland.

„Heuschrecken“ kauften sich 2004 bei Grohe ein

Der Finanz-Investor TPG Capital und Credit Suisse haben im Jahr 2004 für rund 1,5 Mrd. € den Badearmaturen-Hersteller übernommen.

Der damalige Einstieg des Finanz-Investors löste in Deutschland eine Heuschrecken-Debatte aus.

Finanz-Investoren wurde vorgeworfen, wie Heuschrecken in der Natur, gesunde Unternehmen aufzukaufen, auszusaugen und dann einfach zum nächsten Unternehmen weiterzuziehen.

Heuschrecken-Image nicht immer gerechtfertigt

Die Behauptung, dass alle Finanzinvestoren die Unternehmen aussaugen und per se schlecht sind, ist natürlich viel zu pauschal.

Meistens steigen die Investoren ein, wenn ein Unternehmen schwer angeschlagen ist und von den Banken keine Kredite mehr bekommen würde.

Das bedeutet nicht, dass Finanzinvestoren die barmherzigen Samariter sind. Sie verfolgen Rendite-Ziele und müssen häufig große Teile der Belegschaft entlassen.

Dies stößt auf Unverständnis – ist jedoch nicht selten der einzige Weg, um den gesunden Kern zu retten.

Was gerne übersehen wird: Wenn der Finanzinvestor nicht einsteigt und das Unternehmen als ganzes Bankrott gehen, muss die komplette Belegschaft sich nach neuer Arbeit umschauen.

Grohe hat vom Einstieg der Finanzinvestoren profitiert. Seit dem damaligen Einstieg konnte Grohe den Umsatz Jahr für Jahr steigern und neue Wachstumsquellen in Fernost erschließen.

Dem entsprechend positiv fällt auch das Fazit des Grohe-Chefs David Haines aus. „Dank der Finanzinvestoren geht’s Grohe besser.“

Für die damals entlassenden Mitarbeiter ist das kein Trost – wohl aber für die, die bleiben konnten.

Auslandsgeschäft beschert Grohe Umsatzanstieg

Das sauerländische Unternehmen Grohe hat inzwischen weltweit mehr als 9000 Angestellte. Davon arbeiten gut ein Drittel bei der Tochter-Firma Joyou.

Im Jahr 2012 machte die Grohe Group einen Umsatz von rund 1,5 Mrd. €. Rund 15 % davon kommen aus dem Deutschland-Geschäft und die restlichen 85% aus dem Auslands-Geschäft.

Da ein wichtiger Teil des Auslandsgeschäfts außerhalb Europas erwirtschaftet wird, konnte Grohe die europäische Wirtschaftskrise gut umschiffen.

An insgesamt neun Produktionsstätten fertigt Grohe seine Produkte an. Drei davon befinden sich in Deutschland und sechs im Ausland (Portugal, Thailand, Kanada und drei in China).

LIXIL wird nach Übernahme Marktführer

Der japanische Konzern Lixil befasst sich hauptsächlich mit dem Verkauf von Baustoffen und Wohngebäudeausstattung. Allein im aktuellen Geschäftsjahr machte der Konzern umgerechnet 10,8 Mrd. € Umsatz.

Die Japaner bekommen bei der Übernahme nicht nur Grohe, sondern auch die Grohe-Tochter Joyou.

Grohe hält momentan fast 73% an Joyou. Das Tochter-Unternehmen ist in der gleichen Branche tätig, konzentriert sich aber auf den chinesischen Markt, wo die Tochter es zum Marktführer schaffte.

Grohe-Vorstandschef Haines sagte zum LIXIL-Angebot: „LIXIL ist für Grohe und Joyou der perfekte Partner.“

Komplett-Verkauf anstelle eines Börsengangs

Credit Suisse und der Finanz-Investor TPG haben nach aufkommen des LIXIL-Interesses auch noch einen Börsengang durchgespielt, der unter Umständen lukrativer gewesen wäre. Insidern zu Folge wollten TPG und Credit Suisse fast 4 Mrd. € erlösen.

Es wird spekuliert, dass der hohe kalkulatorische Erlös jedoch in Spiel gebracht wurde, um Druck auszuüben.

Analysten sagen, dass 4 Mrd. € aktuell nicht wirklich zu erlösen gewesen wären. Zwar wird der größte Konkurrent Geberit höher bewertet, doch im Vergleich zum Rest der Konkurrenten ist der Preis absolut fair.

Letzendlich hat Lixil für gut 3 Mrd. Euro den Zuschlag erhalten. Dies hat den Vorteil, dass die beiden Eigentümer sofort Cash bekommen und damit nicht von der Marktstimmung und anderen Faktoren abhängig sind.

Unter dem Strich scheinen beide Seiten zufrieden. Lixil-Investoren sorgen nach der Deal-Ankündigung in einem schwachen Marktumfeld für einen Kursanstieg von 3,5%.

30. September 2013

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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