Japans Premier Shinzu Abe bricht Rekord

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Japans Aktienmarkt ist wieder attraktiv. Daher nehmen wir ihn heute und in den nächsten Tagen genauer unter die Lupe. (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Ein Rekord, der in Deutschland leicht übersehen wird, aber weltpolitisch und auch für die Börse durchaus wichtig ist: Kein anderer japanischer Premier war so lange im Amt wie Amtsinhaber Shinzu Abe. Insgesamt ist er nun knapp 8 Jahre im Amt. Damit überholte der nationalkonservative Politiker den bisherigen Rekordhalter Eisaku Sato, seinen Großonkel.

Seit 1989 gab es in Japan insgesamt sage und schreibe 17 Premierminister. Ein Zeichen, das klar die schwierige Umbruchphase Japans nach dem Aufstieg zur weltweit zweitgrößten Wirtschaftsmacht verdeutlicht (aktuell ist Japan weltweit noch die Nr. 3). Unter Abe erlebte Japan auch den zweitlängsten Konjunkturaufschwung in der Nachkriegszeit.

Hinzu kommt der Abschluss wichtiger Freihandelsverträge. So haben sich beispielsweise die EU und Japan nach langjährigen Verhandlungen im Februar dieses Jahres auf ein Freihandelsabkommen geeinigt. Seither gibt es einen gemeinsamen Wirtschaftsraum für über 600 Mio. Menschen.

In diesem Wirtschaftsraum wird mehr als ein Viertel des globalen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. Das neue Abkommen erleichtert den Austausch von Waren, Dienstleistungen und Investitionen.

Zusätzlich haben sich die EU und Japan auf Regeln geeinigt, die einen fairen Wettbewerb, den Schutz des geistigen Eigentums, Arbeitsstandards und Umweltschutz garantieren sollen. Ein Beispiel für die Wirkung: Unterschiedliche technische Vorschriften und Normen haben in der Vergangenheit EU-Exporte in einigen Bereichen um bis zu 30% verteuert. Dieser Kostenblock wird deutlich reduziert.

Unterschätzter Aktienmarkt erlebt sein Comeback

Japanische Aktien sind, anders als in den 80er-Jahren, heute kaum noch in deutschen Depots vertreten. Diese Vernachlässigung der japanischen Aktien war lange Zeit auch gerechtfertigt. Der japanische Leitindex, der Nikkei 225, der im Jahr 1989 aufgrund einer gigantischen Spekulationsblase auf fast 40.000 Punkte geklettert war, stürzte danach dramatisch ab und pendelte sogar noch in den Jahren 2008 bis 2012 nur um die 10.000-Punkte-Marke.

Doch dann wurde der japanische Aktienmarkt wachgeküsst. Der Nikkei marschierte Richtung 25.000 Punkte, wurde aber im sehr schwachen Börsenjahr 2018 wieder auf 20.000 Punkte zurückgedrängt. Ein neues Allzeithoch erwarte ich in den kommenden Jahren nicht, aber 25.000 Punkte sollten auf Sicht von 2 Jahren erreichbar sein.

Stärken und Schwächen der japanischen Wirtschaft

Wirtschaft: Japan ist eines der führenden Industrieländer in der Welt. Auf 4,97 Billionen US-Dollar belief sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2018. Damit ist Japan mit seinen 126 Mio. Einwohnern weltweit die Nr. 3 hinter den USA und China.

Technologisch ist Japan hoch entwickelt, das innovationsfreundliche Klima wirkt sich positiv auf die Wirtschaft aus. Japans Maschinenbau-, Automobil-, Chemie- und Elektronikkonzerne gehören zu den weltweit führenden Unternehmen.

Rohstoffe und Energie: Eine große Schwäche ist die Abhängigkeit von Rohstoffimporten. Als rohstoffarmes Land ist Japan auf Energieträger und Rohstoffe aus dem Ausland angewiesen.

Außenhandel: Traditionell ist Japan eine Exportnation. Die Schwächung der japanischen Währung steht im Fokus der politischen Bemühungen, um den Export weiter anzukurbeln.

Fiskalpolitik: Japans Verschuldung beträgt knapp 240% seines Bruttoinlandsprodukts. Allerdings sind es mehrheitlich die Japaner selbst, die die Staatsanleihen ihres Landes halten.

Das ist auch der Grund, warum die extrem hohe Verschuldung bisher kaum beachtet wurde. Japan ist, anders als zum Beispiel Italien oder Griechenland, nicht vom internationalen Kapitalmarkt abhängig. Um die eigene Bevölkerung nicht zu enttäuschen, muss Japan den Staatshaushalt aber konsolidieren.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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