Japans Wirtschaft leidet unter Handelsstreit

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Der Handelsstreit zwischen Washington und Peking belastet die japanische Handelsbilanz. Und das ist erst der Anfang. (Foto: FreshStock / shutterstock.com)

Wenn zwei sich streiten, leiden auch Dritte – zumindest, wenn es sich bei den beiden Streithähnen um die größten Volkswirtschaften der Welt handelt.

Der Handelskonflikt zwischen China und den USA belastet längst nicht mehr nur deren Konjunktur. In einer Wirtschaftswelt, die von eng verflochtenen, globalen Handelsnetzen profitiert, hat jede kleine Störung das Potenzial, sich zur Laufmasche zu entwickeln: Die hohen Zölle der Vereinigten Staaten auf chinesische Güter belasten dort das Import-Export-Geschäft und letztlich die Konjunktur.

Das schwächelnde Wirtschaftswachstum wiederum dämpft die Nachfrage – und schlägt sich somit nieder auf andere Handelspartner Chinas. Besonders deutlich ist das zurzeit an Japan zu beobachten. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt leidet unter rückläufigem Handel mit China. Das schlägt sich nun auch in harten Zahlen nieder.

Japans Industrie schwächelt

So ist Japans Industrie im Februar leicht geschrumpft – zum ersten Mal seit mehr als zweieinhalb Jahren. Der entsprechende Markit/Nikkei-Einkaufsmanagerindex fiel von 50,3 Zählern im Januar zurück auf nun nur noch 48,5 Punkte. Ein Wert unterhalb von 50 Punkten markiert einen Rückgang.

Bereits im Januar gingen die Exporte im Vergleich zum Vorjahresmonat um satte 8,4 Prozent zurück und damit deutlicher als erwartet: Experten hatten im Schnitt lediglich mit einem Rückgang um 5,7 Prozent gerechnet. Wie groß der Anteil des schwächelnden China-Geschäfts hierbei ist, zeigt sich daran, dass der Rückgang der Ausfuhren ins Reich der Mitte im Januar sogar bei 17 Prozent lag.

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Zugleich konnten sich die Importe etwas besser halten als gedacht: Sie gingen im Januar um 0,6 Prozent zurück auf ein Volumen von 7 Billionen Yen. Beobachter waren von einem Minus von 3,5 Prozent ausgegangen.

Der kräftige Exporteinbruch bei gleichzeitig halbwegs stabilen Importzahlen ließ das Handelsbilanzdefizit in die Höhe schnellen: Nach einem Minus von rund 57 Milliarden Yen im Dezember stieg es nun auf 1,4 Billionen Yen im Januar und somit den höchsten Wert seit 2014.

Trump holt zum nächsten Schlag aus

Doch nicht nur Chinas Wirtschaftsschwäche schlägt sich in der japanischen Handelsbilanz nieder. Das Land selbst steht ebenfalls auf der Liste derjenigen Länder, die von US-Präsident Donald Trump eher als Handelsgegner denn als Partner eingestuft werden.

Der Vorwurf aus Washington ist nicht neu: Etliche Staaten exportieren weit mehr ihrer Güter in die USA als sie von dort importieren. Zwar haben die US-Amerikaner im Bereich Online- und Technologieunternehmen die Nase vorn: Den Größen aus dem Silicon Valley kann zurzeit niemand das Wasser reichen. Aber in Sachen Industriegüter haben sich Firmen aus anderen Ländern erfolgreicher positioniert.

Zurzeit verhandelt eine US-Delegation mit Vertretern aus China über eine Annäherung im Handelsstreit, eine Frist läuft Ende der Woche aus. Parallel dazu hat Trump jedoch seine Drohungen gegenüber anderen Handelspartnern noch einmal verschärft – auch in Richtung EU und hier insbesondere mit Blick auf die Automobilindustrie, die neuerdings als Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA eingestuft wird.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.