JD.com: Einstiegschance bei chinesischer Amazon dank Donald Trump

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Chinesischer E-Commerce-Marktführer im Aufwind - Aktienbewertung bei einem Sechstel von Amazon. (Foto: rawf8 / shutterstock.com)

Der 1998 gegründete chinesische Online-Händler JD.com (WKN: A112ST, ISIN: US47215P1066) ist umsatzmäßig Chinas größter Direktverkäufer und der einzig ernstzunehmende Konkurrent von Alibaba.com, der allerdings eher eine Verkaufsplattform offeriert. Eine solche betreibt JD.com mit rund 220.000 angeschlossenen Händlern zwar auch, trotzdem werden die meisten Produkte selbst verkauft. Ursprünglich mit Elektroprodukten gestartet, bietet man heute ein vergleichbares breites Angebot wie der US Internetriese Amazon.com.

Vorbild Amazon.com

Das Unternehmen, dessen Marktkapitalisierung bei einem Aktienkurs von 28 USD ca. 41 Mrd. USD beträgt, vertreibt wie Amazon ein weites Spektrum an Produkten via Internet und Smartphones an mittlerweile 310 Mio. Kunden. Um flächendeckend eine rasche Auslieferung zu gewährleisten wurden chinaweit mehr als 550 Lagerhäuser in Betrieb genommen. Zur Kundenbindung für seine Verkaufsplattform setzt JD.com – wie Amazon – auf Cloud-Services, Künstliche Intelligenz und datengestützte Werbeunterstützung.

Technologisch vorn: Erste Drohnenauslieferung bereits 2016

Mit dem US-Einzelhandelsriesen Walmart wurde vor rund drei Jahren eine umfangreiche Kooperation für den asiatischen Markt beschlossen. Im Zuge dieser Partnerschaft verkaufte Walmart seine Online-Handelsplattform Yihaodian gegen 5% des Aktienkapitals an JD.com. Im selben Jahr (2016) wurden dann – übrigens noch vor Amazon.com – von JD.com erstmals Waren per Drohnen ausgeliefert.

2017 folgte der Einstieg in den Markt für hochpreisige Luxusgüter, sowie in den Lebensmitteleinzelhandel. Mit der Handelskette 7Fresh waren die Chinesen erneut einen Tick schneller als der US-Konkurrent, der erst Mitte des Jahres mit der Übernahme von Wholefoods in das Geschäft einstieg.

In den letzten drei Jahren stieg der Umsatz im Durchschnitt um +35 %, die Gewinne sogar um +99 %. Fürs erste Quartal 2019 meldete JD.com einen Umsatzanstieg um +21 % auf 18 Mrd. USD. Der Gewinn wurde überproportional um +200 % auf 0,33 USD je Aktie gesteigert. Die Erwartungen der Analysten von 0,12 USD Gewinn je Aktie wurden damit deutlich geschlagen. In den vergangenen drei Quartalen stieg der Gewinn im Schnitt um +64 %. Fürs Gesamtjahr 2019 rechnen Analysten mit einem Gewinnwachstum von +102 % im Vergleich zum Vorjahr.

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Aktienbewertung bei einem Sechstel von Amazon

JD.com hat im vergangenen Jahr investitionsbedingt einen Umsatz von satten 67 Mrd. USD erzielt und dabei noch einen relativ kleinen Verlust von 381 Mio. USD eingefahren. Schon kleine Veränderungen bei den Gewinnmargen haben in der Umsatz-Größenordnung einen enormen Hebel auf das Ergebnis je Aktie. Gemessen am Kurs-Umsatz-Verhältnis ist die Amazon-Aktie rund sechs Mal so hoch bewertet wie die Aktie von JD.com. Deshalb hat der Wert Potenzial für deutliche Kurssteigerungen.

Die Aktie von JD.com konnte sich seit Dezember bereits deutlich von den Kursverlusten des Jahres 2018 erholen und bildete einen neuen Aufwärtstrend aus. Im Bereich 32 USD befindet sich ein wichtiger charttechnischer Widerstand. Sobald die Aktie darüber klettert, dürfte das Papier einen deutlichen Schub nach oben machen.

Trumps neue Eskalation des Handelskrieg sorgt für mittel- bis langfristige Einstiegschance

JD.com ist im Aufwind: Wie bei Amazon nahm das Unternehmen lange Jahre geringe Gewinnmargen in Kauf um sich durch Investitionen die Position als Marktführer zu sichern. Bei vielen technologischen Entwicklungen ist der Konzern vorn dabei und manchmal sogar Amazon eine Nasenlänge voraus. Nun, da JD.com der mit Abstand größte Onlinehändler (nicht Marktplatz wie Alibaba) ist, gilt es die hohen Umsätze auch in Gewinne umzumünzen.

Wenn es gelingt, die Gewinnmargen zu erhöhen, dürfte sich der Bewertungsabschlag auf Amazon deutlich verringern. Durch den von US-Präsident Donald Trump abermals eskalierten Handelskrieg und den anschließenden Kursrückgang bietet sich möglicherweise eine günstige Einstiegsgelegenheit für mittel- bis langfristige Käufe.


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Von: Maximilian Ritter. Über den Autor

Schon seit seiner Jugend interessiert sich Maximilian Ritter für das Börsengeschehen. In seinem Dienst "Aktien-Timing-System" setzt er auf eine verfeinerte CANSLIM-Methode, mit der sich eine 30%ige Rendite im Jahr erwirtschaften lässt.