JD Sport setzt Einkaufstour in Polen fort

Beautiful  United Kingdom waving flag and behind the famous Big Ben.

Der britische Sportartikelhändler JD Sport hat wieder zugeschlagen. Er übernimmt 60% der Anteile am polnischen Mitbewerber MID. (Foto: Alexander Sánchez / Adobe Stock)

Der britische Sportbekleidungskonzern JD Sport Fashion plc (public limited company – britische Form der Aktiengesellschaft) gab am Freitag bekannt, dass er 60% der polnischen Marketing Investment Group S.A. (MIG) mit Sitz in Krakau erworben hat. Der für seine zahlreichen Akquisitionen bekannte Einzelhandelsriese aus dem Großraum Manchester steckt damit seine Fühler Richtung Osteuropa aus.

JD Sport Fashion plc ist einer der weltweit führenden Einzelhändler für Sport-, Mode- und Outdoor-Marken. Das Unternehmen betreibt weltweit 2.448 Geschäfte und beschäftigt fast 35.000 Mitarbeiter. In 2020 erzielte JD einen Umsatz von 6.1 Mrd. Britischen Pfund (GBP – etwa 7,1 Mrd. Euro) und einen Erlös vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 623,6 Mio. GBP (728,1 Mio. Euro).

Stillschweigen über Kaufpreis vereinbart

Was die Briten für die Mehrheitsbeteiligung am polnischen Mitbewerber auf den Tisch blättern mussten, ist nicht bekannt. In wessen Taschen der Kaufpreis gelandet ist hingegen schon: MIG ist mehrheitlich im Besitz der Brüder Andrzej und Zbigniew Grząka.

Die Finanzierung der Übernahme ist für die Briten kein Problem. JD hatte im Februar durch eine Aktienemission 464 Mio. GBP (etwa 540 Mio. Euro) aufgebracht und bereits im Vorfeld der Neuemission angekündigt, dieses Geld für Akquisitionen nutzen zu wollen.

JD will nach Osteuropa expandieren

Der Grund für die Übernahme der polnischen MIG-Gruppe liegt auf der Hand: JD will auch auf den ost- und mitteleuropäischen Sportartikelmärkten mitmischen. Dies betont auch der CEO von JD Sports, Peter Cowgill:

„Dies ist eine aufregende Akquisition für JD, die auf dem Erfolg unserer internationalen Entwicklungsstrategie aufbaut und unsere Aktivitäten nach Zentral- und Osteuropa ausweitet.

Wir haben die Entwicklung von MIG über eine Reihe von Jahren beobachtet und bewundert und sind zuversichtlich, dass die Kombination des sehr erfahrenen und sachkundigen Management-Teams zusammen mit der Expertise des JD-Führungsteams der Gruppe ein starkes Fundament bieten wird, von dem aus sie die Möglichkeiten in der Region erfolgreich optimieren kann.“

MIG betreibt mehr als 400 Sportartikelläden

Die Brüder Grząka haben den Sportartikelhandel MIG im Jahre 1989 gegründet und seitdem einen steilen Wachstumskurs hingelegt. Heute betreibt der polnische Konzern 410 Einzelhandelsgeschäfte und dazugehörige Online-Shops in neun Ländern Mittel- und Osteuropas.

So besitzt der polnische Sportartikelhändler Geschäfte in Polen, den baltischen Staaten, Rumänien und Ungarn. Auch in Deutschland ist MIG mit 9 Läden seiner Kette Sizeer vertreten, 4 davon in Berlin.

Zur MIG-Group gehören aktuell über 170 Geschäfte der Marke Sizeer, 19 der Marke Timberland, über 150 Läden des Labels 50style, 9 des Labels Umbro und 17 des Labels Symbiosis. Neben den eigenen Einzelhandelsgeschäften betreibt MIG auch ein weites Netz an Großhandels- und Franchisemärkten.

In dem am 31. Januar 2020 endenden Geschäftsjahr erwirtschaftete MIG einen Umsatz von ca. 200 Mio. GBP (etwa 233 Mio. Euro). Der Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) belief sich in diesem Zeitraum auf 10 Mio. GBP (etwa 11,7 Mio. Euro) und die EBITDA-Marge auf solide 5%.

Weitere Akquisitionen in Deutschland oder Niederlande geplant

JD ist ein Unternehmen, dass durch zahlreiche Übernahmen weltweit expandiert. In den letzten Monaten haben die Briten vornehmlich in den USA eingekauft. So übernahm JD im Dezember 2019 die kalifornische Shoe Palace-Kette für 325 Mio. US-Dollar (USD – etwa 272 Mio. Euro) und im Februar die in Baltimore ansässige DTLR Villa LLC für 495 Mio. USD.

Im vergangenen Monat gab der CEO von JD, Peter Cowgill, bekannt, dass die Gruppe auch ein Distributionszentrum innerhalb der Europäischen Union übernehmen wolle, um die seit dem Brexit fälligen Zölle zu vermeiden. Sie müssen wissen: Seit Jahresbeginn erhebt die EU Zölle auf Artikel, die nicht in Großbritannien hergestellt wurden und in EU-Länder importiert werden.

Der jetzt bekannt gegebene MIG-Deal biete aber nicht genügend Lagerkapazität, um dieses Problem zu lösen, so ein Sprecher von JD. Daher sucht das Unternehmen nach einem neuen Logistik-Standort, der entweder in den Niederlanden oder in Deutschland ansässig sein soll.

JD-Aktie legt nach der Übernahme deutlich zu

Nach dem Corona-bedingten Kurseinbruch vor einem Jahr haben sich die JD-Aktien bereits kräftig erholen können. Die Bekanntgabe der Übernahme des polnischen Mitbewerbers hatte zur Folge, dass die JD-Papiere am Freitag noch einmal kräftig zu legten.

So gingen die Papiere bei Eröffnung der Londoner Börse mit 823 Pence in den Handelstag. Beim Erklingen der Schlussglocke lagen sie bei 836 Pence, was einem Anstieg von 1,6% entspricht. Die Anleger sind offensichtlich davon überzeugt, dass die Übernahme einen positiven Effekt auf die Geschäfte von JD haben wird.

Das Closing der Übernahme unterliegt den üblichen Abschlussbedingungen einschließlich der Genehmigung durch die Wettbewerbsbehörden in Polen. JD und MIG gehen davon aus, die Akquisition vor Ende Mai 2021 abschließen zu können.

infineon

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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