JD. Sports: Wettbewerbshüter grätschen bei Footasylum-Deal dazwischen

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JD Sports: Wettbewerbsbehörden machen Sportkonzern einen Strich durch die Rechnung. Footasylum-Deal zieht sich ungeplant in die Länge (Foto: chrisdorney)

JD. Sports hat sich in den zurückliegenden Jahren zu einem regelrechten Liebling der Anleger entwickelt. Der Sporthändler zeigte satte Wachstumsraten, was sich auch im Aktienpreis widerspiegelte. Konnten sich Anleger vor fünf Jahren noch für 83 Pence einen Anteilschein ins Portfolio legen, müssen sie heute beinahe 700 Pence berappen. Allein seit dem Jahreswechsel haben sich die Papiere verdoppelt.

Dabei ging ein Großteil des Wachstums auf das Konto von zahlreichen Übernahmen. Doch mit seinem letzten Deal (Übernahme von Footasylum) stößt der Konzern auf Widerstand der Wettbewerbshüter.

JD Sports – Wachstum durch Übernahmen

JD Sports Fashion ist einer der größten Einzelhändler von Sport- und Freizeitkleidung. Die Buchstaben JD in JD Sports stehen für die Initialen der Gründer des Unternehmens, John & David. Das Unternehmen wurde 1981 von John Wardle und David Makin gegründet, die von einem einzigen Geschäft in Bury aus ihren Handel betrieben. 1983 eröffnete das Unternehmen ein Geschäft im Arndale Centre in Manchester. 1989 eröffnete das erste Londoner Geschäft in der Oxford Street, London. Im Dezember 2001 erwarb sie mit der Übernahme von First Sports von der Blacks Leisure Group fast 200 weitere Filialen. Im Oktober 2005 kaufte sie 70 Geschäfte von den Verwaltern von Allsports

Inzwischen verfügt die Gruppe über mehr als 1200 Filialen, in denen Sportmode sowie Outdoor-Artikel bekannter Labels wie Nike, adidas oder The North Face, aber auch Eigenmarken wie McKenzie oder Carbrini verkauft werden.

Fokus auf hochpreisiges Segment

Die frühe Entscheidung von JD Sports, sich auf das obere Marktsegment zu konzentrieren, hat zu starken Beziehungen zu den dominanten Marken wie Nike & Adidas geführt, die ihnen eine beträchtliche Menge an exklusiven Produkten und den Zugang zu neuen Produkten vor anderen Einzelhändlern bieten. Dadurch ist JD Sports zur ersten Adresse für Kunden geworden, die hochmodische Sportschuhe und -bekleidung suchen. Vor allem aber leidet JD Sports aufgrund seiner Premium-Positionierung nicht unter aggressiven Rabatten von Massenmarktbetreibern, insbesondere Sports Direct, oder Online-Discountern, die eine sehr unterschiedliche Produktpalette anbieten

Satte Zuwachsraten in den letzten Jahren

Mit seiner Positionierung erzielte der britische Einzelhändler beeindruckende Zuwachsraten. Seit 2014 kletterten die Erlöse von 1,21 auf 4,72 Milliarden Pfund. Allein im letzten Geschäftsjahr kletterten die Erlöse um 49%. Mehr als 91% der Umsätze (4,3 Mrd. Pfund) erlöste die Sparte Sports Fashion. Das Outdoor-Geschäft generierte 412,4 Mio. Euro. Der Vorsteuergewinn erhöhte sich unterdessen im abgelaufenen Geschäftsjahr um 15,4% auf 339,9 Millionen Pfund.

Footasylum-Übernahme soll Marktposition weiter stärken

Seiner Strategie mit Zukäufen zu wachsen bleibt JD Sports weiter treu. Zuletzt kündigte der Konzern die Übernahme von Footasylum für 90 Millionen Pfund (rund 105 Millionen Euro) an. JD Sports hatte im Februar zunächst 18,7% der Anteile an Footasylum erworben. Nun sollte die komplette Übernahme folgen. Mit dem Angebot ergänzt Footasylum das JD Sports-Portfolio. Footasylum hat sich auf die Zielgruppe der 16- bis 24-Jährigen spezialisiert und betreibt 69 Stores in Großbritannien. Außerdem ist Footasylum im Wholesale aktiv, so wird etwa das Label Kings Will Dream auch bei Asos verkauft.

Wettbewerbsaufsicht ist skeptisch

Doch jetzt meldet die britische Wettbewerbsaufsicht ihre Bedenken an. Die Aufsicht erklärte nun, der Zusammenschluss könnte zu Preiserhöhungen, einer geringeren Auswahl in den Geschäften oder einem schlechteren Service führen. Durch den Zusammenschluss verliere JD einen seiner größten Rivalen. Entsprechend kündigte die Behörde eine vertiefte Prüfung des Deals an. Damit wird sich der Deal ungeplant in die Länge ziehen. Sicher ist aber, dass auch zukünftig Zukäufe in der Unternehmensstrategie des Sportkonzerns einen festen Platz einnehmen werden.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.