JD. Sports: Wettbewerbshüter lassen Footasylum-Deal gegen die Wand laufen

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JD Sports: Wettbewerbsbehörde schiebt Footasylum-Deal den Riegel vor. Strategische Übernahme hätte wichtigen Rivalen eliminiert. Behörde sieht mögliche Nachteile für die Kunden. (Foto: Lenscap Photography / Shutterstock.com)

Wahrlich nichts für schwache Nerven ist die Aktie des Sportkonzerns JD Sports: Von 2015 bis März 2020 legten die Papiere mehr als das sechsfache an Wert zu. Während der Corona-Turbulenzen stürzte die Aktie dann um zwei Drittel in den Keller, nur um seither wieder um 90% nach oben zu klettern. Der jüngste Kursschub kam, obwohl gerade die Übernahme des Rivalen Footasylum durch die Wettbewerbsbehörden untersagt wurde. Dabei sollte der Deal der große Wurf werden. Mit dem Zusammenschluss hätte JD Sports einen seiner größten Konkurrenten aus dem Rennen genommen.

JD Sports – Wachstum durch Übernahmen

JD Sports Fashion ist einer der größten Einzelhändler von Sport- und Freizeitkleidung. Die Buchstaben JD in JD Sports stehen für die Initialen der Gründer des Unternehmens, John & David. Das Unternehmen wurde 1981 von John Wardle und David Makin gegründet, die von einem einzigen Geschäft in Bury aus ihren Handel betrieben. 1983 eröffnete das Unternehmen ein Geschäft im Arndale Centre in Manchester. 1989 eröffnete das erste Londoner Geschäft in der Oxford Street, London. Im Dezember 2001 erwarb sie mit der Übernahme von First Sports von der Blacks Leisure Group fast 200 weitere Filialen. Im Oktober 2005 kaufte sie 70 Geschäfte von den Verwaltern von Allsports

Inzwischen verfügt die Gruppe über mehr als 1200 Filialen, in denen Sportmode sowie Outdoor-Artikel bekannter Labels wie Nike, Adidas oder The North Face, aber auch Eigenmarken wie McKenzie oder Carbrini verkauft werden.

Fokus auf hochpreisiges Segment

Die frühe Entscheidung von JD Sports, sich auf das obere Marktsegment zu konzentrieren, hat zu starken Beziehungen zu den dominanten Marken wie Nike & Adidas geführt, die ihnen eine beträchtliche Menge an exklusiven Produkten und den Zugang zu neuen Produkten vor anderen Einzelhändlern bieten. Dadurch ist JD Sports zur ersten Adresse für Kunden geworden, die hochmodische Sportschuhe und -bekleidung suchen. Vor allem aber leidet JD Sports aufgrund seiner Premium-Positionierung nicht unter aggressiven Rabatten von Massenmarktbetreibern, insbesondere Sports Direct, oder Online-Discountern, die eine sehr unterschiedliche Produktpalette anbieten

Satte Zuwachsraten in den letzten Jahren

Mit seiner Positionierung erzielte der britische Einzelhändler in den zurückliegenden Jahren beeindruckende Zuwachsraten. Seit 2014 kletterten die Erlöse von 1,21 auf 4,72 Milliarden Pfund. Allein im letzten Geschäftsjahr kletterten die Erlöse um 49%. Mehr als 91% der Umsätze (4,3 Mrd. Pfund) erlöste die Sparte Sports Fashion. Das Outdoor-Geschäft generierte 412,4 Mio. Euro. Der Vorsteuergewinn erhöhte sich unterdessen im abgelaufenen Geschäftsjahr um 15,4% auf 339,9 Millionen Pfund.

Footasylum-Übernahme sollte Marktposition weiter stärken

Mit der Übernahme von Footasylum für 90 Millionen Pfund (rund 105 Millionen Euro) wollte der Sportkonzern seine Marktposition weiter ausbauen. JD Sports hatte im Februar letzten Jahres zunächst 18,7% der Anteile an Footasylum erworben. Im Anschluss sollte die komplette Übernahme durchgeführt werden. Das Footasylum-Angebot hätte das JD Sports-Portfolio gut ergänzt. Footasylum hat sich auf die Zielgruppe der 16- bis 24-Jährigen spezialisiert und betreibt 69 Stores in Großbritannien. Außerdem ist Footasylum im Wholesale aktiv, so wird etwa das Label Kings Will Dream auch bei Asos verkauft.

Wettbewerbsaufsicht untersagt Übernahme

Doch jetzt schiebt die britische Wettbewerbsaufsicht der Übernahmen einen Riegel vor. Die Aufsicht befürchtet durch einen Zusammenschluss Nachteile für die Kunden. In ihrem abschließenden Prüfbericht untersagten die Wettbewerbshüter nun die inzwischen vollzogene Übernahme und ordnete den Verkauf der Handelskette an. JD Sports kritisierte die Entscheidung scharf und kündigte an, einen Einspruch gegen den Beschluss zu prüfen. Der Konzern führte die Entscheidung der Behörde auf eine mangelhafte und veraltete Analyse der Wettbewerbslandschaft im britischen Sportartikelhandel sowie überholten und fehlerhaften Verbraucherstudien zurück.

Fest steht, dass es für Footasylum ohne einen Deal nicht einfacher werden wird. Allein im März 2020 verzeichneten die Einzelhandelsumsätze im Vereinigten Königreich den größten monatlichen Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen vor über 30 Jahren. Die Nachfrage nach Bekleidung ging mit einem Absatzeinbruch um 35% am stärksten zurück. Dieser Abwärtstrend ist besonders relevant für Footasylum, dass sich zum Zeitpunkt der Übernahme in einer geschwächten finanziellen Lage befand. Der Konzern ist stark von den Verkäufen aus seinem physischen Lagerbestand abhängig ist und könnte ohne die finanzielle Unterstützung von JD möglicherweise gezwungen sein, sich aus dem Markt zurückzuziehen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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