Je kürzer Sie traden, desto selbständiger müssen Sie sein

Handelssysteme, Trading-Tipps per Whatsapp und Börsenbriefe. Welche Form der Vorlage ist sinnvoll und bringt Ihrem Depot wirklich einen Zugewinn? (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Haben Sie die Zeit jeden Tag 12 Stunden vor dem PC zu sitzen und Charts zu studieren? Nach Lust frage ich erst gar nicht. Natürlich ist es extrem angenehm, wenn Sie einen Profi an der Seite haben, der das für Sie erledigt. Sie müssen schließlich heutzutage nicht alles selber machen.

Putzen? Dafür gibt es die Putzfrau. Reifenwechseln? Dafür gibt es die Autowerkstatt (oder Allwetter-Reifen, um es komplett zu vermeiden). Genauso, wie Sie heute nicht mehr den Brockhaus im Wohnzimmer stehen haben, denn zum Nachschlagen gibt es jetzt das Smartphone oder Tablet und Google.

Die Zeiten ändern sich. Sie müssen auch keine 50 Mark mehr pro Order an der Börse zahlen und die Kurse per kostenpflichtiger Hotline am Telefon abrufen. Wir werden schneller und effektiver. Aber die Konkurrenz an der Börse leider auch.

Börsenbriefe sind die Abkürzung zum Erfolg

Allerdings unter Vorbehalt. Wenn Sie langfristig Buy & Hold spielen, ist es logischerweise ideal, wenn jemand für Sie die Schwerstarbeit leistet und Hunderte Aktiengesellschaften durchleuchtet. Dann müssen Sie nur noch die Gewinner kaufen, Dekaden warten und hoffen, dass der Experte am Ende auch Recht hatte.

Mittelfristig investieren geht auch noch nach Vorbild. So wie beispielsweise bei Michael Sturm und seinen beiden Börsenbriefen. Dort ist die Haltezeit meist mehrere Wochen bis Monate. Auch hier haben Sie einen eindeutigen Vorteil, wenn der Experte für Sie die besten Optionen-Kombinationen aussucht.

Forex

Wer hier intraday seine Währungspaare handeln möchte, ist oft nur wenige Stunden oder sogar nur Minuten investiert. Hier gilt es ein paar Stücke des gigantischen Kuchens mitzunehmen und froh zu sein. Das erfordert aber Schnelligkeit und vor allem viel Geduld, Wissen und Kenntnisse über die Chartanalyse.

Möchten Sie hier einen Börsenbrief kopieren, ist das fast utopisch. Deshalb sind solche Anbieter inzwischen auf Apps ausgewichen. Dort bekommen Sie dann per Smartphone eine Benachrichtigung, wenn es ein Signal gibt. Idealerweise gleich mit Stop Loss und Take Profit. Doch selbst hier müssen Sie am besten schon immer eingeloggt sein, damit Sie die Idee auch schnell selber traden können. Das geht auch per App. Es wird ja alles schneller.

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Doch lohnt sich das wirklich? Es gibt Apps gratis, einige mit Bezahlmodell und eine Mischung aus beiden Varianten. Dort bekommen Sie Gratis-Tipps, aber es werden auch kostenpflichtige Services angeboten. Oder Sie erhalten nur eine Woche Gratis-Tipps und müssen danach zahlen.

Das kann funktionieren. Das müssen Sie selber testen. Eine Sache gibt es auf jeden Fall, die Sie nie machen sollten. Wer sich in Forex- oder Trading-Gruppen auf Facebook herumtreibt, wird dort sensationelle Angebote sehen. Wie so oft, wenn etwas zu gut wirkt, ist dort meist auch der Hund begraben.

Dort bieten dann Facebook-User aus Indien oder Afrika an, dass Sie Ihnen Signale schicken. Meist für einen geringen Betrag im Monat – um die 10 Euro sogar. Dafür brauchen Sie diesen Signalgebern nur Ihre Handynummer geben und schon werden Sie zu einer Whatsapp-Gruppe hinzugefügt. Dort sind dann beliebig viele Gleichgesinnte, die auch darauf hoffen, dass dort die richtigen Handelssignale gegeben werden.

Heute habe ich dazu solch ein Beispiel gesehen. Dazu wurde ein Screenshot gepostet, mit der Info: „Einer meiner Schüler hat seinen Trading-Account von 1.000 US-Dollar auf 3.000 US-Dollar in einem Monat gesteigert. Alles mit meinen Signalen.“ Klingt gut? Ist es auch. Wenn es wahr wäre. Wenn Sie sich im Forex so gut auskennen, dass jemand der Ihren Signalen folgt, sein Kapital in einem Monat verdreifacht – warum genau brauchen Sie jetzt die 10 Euro von zukünftigen Abonnenten?

Also, wer Forex traden will, sollte sich mit dem Thema selbst befassen. Dann können Sie auch erfolgreiche Trades abwickeln und in wenigen Minuten Ihren normalen Stundenlohn verdienen. Doch dazu braucht es Disziplin und Know-How. Auf Youtube gibt es ganz viele Forex-Kurse kostenlos. Dort können Sie sich das Basiswissen aneignen und in den Kommentaren erkennen Sie meist schon, ob das Video tatsächlich nützlich ist.

Und am Ende gibt es auch ganz viele Onlinebroker die Ihnen ein kostenloses Demokonto anbieten. Dort können Sie üben, bevor Sie echtes Geld investieren. Falls Ihnen doch jemand kurzfristige Handelssignale verkaufen will, fragen Sie ihn nach seinem langfristigem Beweis für sein System. Profis tracken all ihre Trades und können beweisen, dass Sie erfolgreich sind. Diese bieten wiederum Ihr Wissen selten für 10 Euro im Monat an.


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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.