Jenoptik: Wie es nach der Pandemie beim thüringischen Technologiekonzern weitergeht

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Der Auftragseingang bei Jenoptik sendet Lichtblick: Der Jenaer Technologiekonzern peilt 2021 die Rückkehr auf den Wachstumspfad an. (Foto: spainter_vfx/Shutterstock)

Die letzten Monate waren für Jenoptik kein Zuckerschlecken. Vor allem die schwächelnde Automobilindustrie sorgte für deutliche Bremsspuren im Geschäft. Unterdessen versucht das Management mit Umstrukturierungen gegenzusteuern und sieht für 2021 wieder Licht am Ende des Tunnels. Der Aktienkurs verharrt im Niemandsland. Nach einem scharfen Einbruch im Frühjahr gab es jüngst zwar wieder eine deutliche Erholung. Auf Jahressicht notieren die Jenoptik-Papiere aber weiterhin „nur“ um die Nulllinie.

Jenoptik im Porträt

Bevor ich auf den aktuelle Situation eingehe, möchte ich Ihnen das Geschäftsmodell von Jenoptik erst einmal näher vorstellen. Nach dem im Jahr 2006 abgeschlossenen Verkauf des umsatzstarken aber margenschwachen Clean-Systems-Bereichs fokussiert sich Jenoptik vollständig auf das Photonik-Geschäft. Mit Produkten zur Erzeugung (Laser) und der Steuerung (Optiken) von Licht, Sensoren sowie mit kompletten Systemen deckt man die wesentlichen Bereiche entlang der Wertschöpfungskette ab.

Der Technologie-Konzern hat eine führende Position bei:

  • Präzisions-Optiken,
  • Verkehrs-Überwachung,
  • neuen Laser-Technologien,
  • Fertigungs-Messtechnik
  • und einzelnen Anwendungen in der militärischen sowie zivilen Fahr- und Flugzeug-Ausrüstung.

Wesentliche Zielkunden sind öffentliche Auftraggeber oder stammen aus:

  • der Auto- und Halbleiter-Industrie,
  • der Medizintechnik,
  • dem Verteidigungs-Sektor,
  • der zivilen Luftfahrt.

Schwacher Automarkt sorgt für Gegenwind

Auch im abgelaufenen dritten Quartal bekam Jenoptik die Auswirkungen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen schwächelnden Automobilindustrie deutlich zu spüren. Während der Umsatz um 15,3% auf 176,1 Millionen Euro absackte, brach der Nachsteuergewinn sogar um 31% auf 13,9 Millionen Euro ein.

Nach neun Monaten lag der Umsatz bei 505 Millionen Euro und damit 13,1% unter dem Vorjahresniveau. Die operative Gewinnmarge (EBIT) reduzierte sich von 10,2% auf 7,8%. Nach Steuern stand ein Gewinn von 24,4 Millionen Euro in den Büchern. Für Sie zum Vergleich: In den ersten neun Monaten 2019 war es mit 44,3 Millionen Euro deutlich mehr.

Auftragseingang sendet Lichtblick

Für das kommende Jahr zeigt sich Firmenboss Stefan Traeger aber wieder deutlich optimistischer. Vor allem der Auftragseingang, der sich im dritten Quartal wieder stabilisiert hat, stimmt den Konzernlenker zuversichtlich, dass im nächsten Jahr wieder ein Wachstum im Kerngeschäft und mit Zukäufen erreichbar ist. Zudem profitieren die Thüringer als Lieferant für Optik und Lichttechnik für die Halbleiterbranche von der zunehmenden Digitalisierung. Beim Umsatz will Jenoptik die 800 Millionen Euro-Marke wieder knacken. Zum Hintergrund: Dieses Jahr liegt die Latte der Prognose beim Umsatz mit 755 bis 775 Millionen Euro deutlich niedriger.

Zukäufe im Visier

Dabei peilt Jenoptik-Chef Traeger auch Zukäufe, vor allem im Optik-Segment, an. Regional will sich der Technologiekonzern eher in Asien als in Nordamerika verstärken. Gleichzeitig lotet Jenoptik weiter den Verkauf der Vincorion-Tochter aus. Dort ist das Rüstungsgeschäft für die schwächelnde Luftfahrtbranche konzentriert. Bislang konnte aber noch kein Käufer gefunden werden.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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