Jetzt beginnt das Endspiel um Europa

Die Finanzmärkte sind schockiert. Die Aktienkurse fallen ins Bodenlose.

Der Tag der Bekanntganbe der Ergebnisse des Brexit-Votums wird als weiterer Schwarzer Freitag in die Geschichte eingehen.

Die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen, hat gewaltige Folgen – v. a., weil dies letztlich doch so überraschend kam.

Brexit: Alle Warnungen waren vergebens

Lange Zeit hatte es im Vorfeld der Abstimmung doch so ausgesehen, dass der Brexit keine Chance haben würde.

Gerade die vielen Warnungen der großen Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) oder der Weltbank über die großen negativen Auswirkungen sollten die Briten davon abhalten, dieses Referendum zu unterstützen.

Doch daraus ist nichts geworden – und nun steht die EU an einem Wendepunkt.

Denn schon seit vielen Jahren ist für mich klar: Wenn ein Land die Gemeinschaft verlässt, ist der Fortbestand der gesamten EU gefährdet. Davor habe ich sogar schon in meinem Euro-Buch im Jahr 2001 gewarnt.

EU und Euro hängen aber extrem eng zusammen. Wenn also nun mit Großbritannien ein Land die EU verlässt, ist damit das Ende dieser Gemeinschaft eingeläutet.

Auch der Euro wird dann nicht ewig halten können – auch wenn Großbritannien ja ohnehin gar nicht Mitglied der Währungs-Gemeinschaft ist.

Weitere Länder werden britischem Beispiel folgen

Ich rechne aber schon bald mit weiteren EU-Ländern, die mit einem Referendum den Austritt aus der EU vollziehen möchten.

Ganz klar im Fokus steht hier Frankreich. Sollten dort im Jahr 2017 die Rechten vom Front National die Wahl gewinnen, hat Marine Le Pen schon angekündigt, die EU verlassen zu wollen.

Insofern ist die Gefahr für die EU mitsamt dem Euro aktuell extrem groß. Das hat ohne Frage auch das Potenzial die Börsen und Finanzmärkte auch mittelfristig zu belasten.

Hinzu kommt außerdem, dass derzeit nicht viel nach einer schnellen Ablösung Großbritanniens aussieht. Die Politiker auf der Insel spielen erst einmal auf Zeit – noch müssen Sie sich von dem Schock erholen.

Wie geht es nun weiter?

In Brüssel ist man aber schon weiter. Dort werden schon Stimmen laut, wonach es jetzt schnell gehen müsse mit dem Brexit. Ich bin gespannt, wie stark der Druck aus Brüssel wirklich wird.

Persönlich rechne ich erst einmal mit einer längeren Hängepartie. Die Gefahr für weitere Korrekturen an den Finanzmärkten bleibt somit hoch.

27. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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