Jetzt bekommt Erdoğan die Quittung

Die türkische Währung stürzt immer weiter ab. Besonders in den vergangenen Wochen hat die Lira im Vergleich zum Euro stark an Wert verloren. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Die türkische Währung stürzt immer weiter ab; besonders in den vergangenen Wochen hat die Lira im Vergleich zum Euro massiv an Wert verloren.

Die einzige Hoffnung für die Türken bleibt die Widerstands-Zone im aktuellen Bereich um 4,15 €/TRY.

Erdoğan richtet extremen wirtschaftlichen Schaden an

Da hilft dann irgendwann auch kein noch so prunkvoller Palast mehr, wenn das eigene Land immer weniger Kaufkraft hat und sich um die eigene Wirtschaft Sorgen machen muss.

Damals, als Griechenland noch unter dem Euro litt und die Türkei einen Touristen-Boom erlebte, war alles in bester Ordnung:

Viele ausländische Besucher brachten Geld ins Land und konnten für ihre Verhältnisse richtig günstig Urlaub machen.

Ich habe den direkten Vergleich bei einem Urlaub in Bodrum erlebt:

Auf der türkischen Seite gab es alles sehr günstig. Bei einem Tagestrip auf die griechische Insel Kos hätte der Währungs-Schock nicht größer sein können:

Derselbe Krimskrams, den die Türken für umgerechnet wenige Cent verkauften, war auf Kos plötzlich mehrere Euro wert.

Insofern ist es auf jeden Fall verständlich, dass die Touristen die Türkei bevorzugten.

Dafür sind die Unterschiede zwischen einem Urlaub in Griechenland und der Türkei einfach zu klein, als dass die Masse trotz teurem Euro lieber Ouzo anstatt Raki zahlt.

Doch die aktuelle Situation in der Türkei schreckt die Besucher dermaßen ab, dass inzwischen schon wieder Spanien zu den beliebtesten Reisezielen zählt.

Der Grund ist leicht erklärt: In den vergangenen 2 Jahren sind die Touristenströme in der Türkei um jeweils rund 50% eingebrochen.

Euro gegen Türkische Lira im Chart

Im Jahres-Chart ist deutlich zu sehen, wie sehr Erdoğan der türkischen Währung schadet.

Das ist natürlich wenig verwunderlich, allerdings wiederum auch schön zu sehen, wie leicht heute eine fehlgeleitete Politik per Chart bewiesen werden kann.

Der Jahres-Chart zeigt einen starken Abverkauf seit Juli 2016. Damals wurde laut offiziellen Angaben ein Putschversuch gegen Erdoğan unternommen, der aber fehlschlug.

Inwieweit Erdoğan selbst an der Planung beteiligt war, werden wir wohl nie erfahren.

Fakt ist indes: Es hat ihm nicht geschadet – im Gegenteil: Sein energisches Durchgreifen in der Folge beförderte viele Regierungs-Gegner in die Gefängnisse.

Das Ausland sah dem Treiben des NATO-Partners tatenlos zu.

Lediglich am Währungsmarkt hat der türkische Präsident, der die Demokratie so sehr liebt, Konsequenzen zu spüren bekommen:

Im Eilmarsch wurden nicht nur seine Gegner von Posten enthoben und regierungskritische Lehrer entlassen – im selben Tempo wurde auch die Türkische Lira entwertet.

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Dieser Ausverkauf endete erst auf dem Niveau kurz unter 4,20. Eine Gegenbewegung folgte, und aktuell sind wir erneut in diesem Bereich angekommen.

Aus Sicht der Charttechnik spricht vieles dafür, dass dieser vermeintliche Widerstand in Bälde Vergangenheit sein wird.

Mit anderen Worten: Urlaube in der Türkei werden noch billiger und vermutlich noch seltener.

Lira traden für Optionen-Händler

Sicherlich ist ein Verkauf der Lira eine mögliche Trading-Idee. Doch halten Sie den Ball noch flach! Sie können auch erst einsteigen, wenn der Widerstand durchbrochen ist.

Langfristig gesehen gibt es wenig Gründe, die für eine stärkere türkische Wirtschaft sprechen. Aber gerade in solchen Ländern kann sich innerhalb von 24 Std. viel ändern.

Deshalb investieren Sie lieber in Währungen, die Sie besser einschätzen können und die weniger volatil sind.

Wenn Ihr Depot nämlich genauso schwankt, wie die Stimmungslage von Erdoğan, können Sie nicht mehr entspannt traden…

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.

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