Jetzt noch bei Allergan einsteigen? Eine Wette gegen die US-Politik ist zu riskant

Es könnte die drittgrößte Übernahme aller Zeiten, der größte Deal in der Pharma-Branche, der größte Deal 2015 und der größte „Steuerspar-Deal“ aller Zeiten werden: Viagra-Hersteller Pfizer will den Botox-Hersteller Allergan für 152 Mrd. Dollar übernehmen.

Nach langen Verhandlungen einigten sich beide Unternehmen gestern auf die Übernahme-Bedingungen. Die Verwaltungsräte haben den Plänen zugestimmt und den Aktionären des Übernahme-Kandidaten wird die Annahme des Angebots empfohlen.

Übernahme würde Pfizers Steuerlast von 25% auf 17% drücken

Am Markt wurde erwartet, dass Pfizer-Chef Ian Read seinen Verwaltungsrat überzeugen kann, dass die Allergan-Übernahme mit dem Ziel die Steuerbelastung zu reduzieren, der nächste richtige strategische Schritt ist.

Der Chef hat bereits im Vorjahr gesagt, dass die im internationalen höhere Besteuerung ein Nachteil für die US-amerikanischen Pharma-Unternehmen ist. Man kämpfe „mit einer Hand am Rücken festgebunden gegen die Konkurrenz“.

Durch die Allergan-Übernahme mit anschließender Umsiedlung des Sitzes nach Irland, soll deswegen die Steuerlast reduziert werden.

Der Plan ist nicht neu – verschiedene andere Pharma-Konzerne haben das 2013 und bis zum Herbst 2014 reihenweise gemacht – doch nach einer Änderung des Steuergesetzes wurden die sogenannten Inversion-Deals seltener.

Mitte vergangener Woche kündigte das US-Finanzministerium neue Schritte an, um den Wegzug aus steuerlichen Gründen weiter zu erschweren.

Reverse Takeover kaum zu verhindern

Steuerexperten haben sich intensiv mit der Gesetzeslage auseinander gesetzt und erklärten, dass der Deal dennoch nicht zu stoppen ist. So soll ein Trick angewendet werden, bei dem der eigentliche Übernahme-Kandidat als Käufer auftritt und dann quasi mit dem eigentlichen Bieter „aufgefüllt“ wird.

Das sind formale Tricks, mit denen bereits Pharma-Riese Valeant den steuerfreundlichen Wegzug nach Kanada schaffte. Pfizer, Allergan und deren Berater setzen darauf, dass mit dem Trick die bestehende Regelung den Deal nicht verhindern kann und erwarten, dass neue Regelungen, mit denen das möglich wäre, nicht mehr rechtzeitig durch den Kongress kommen.

Deal bleibt unsicher: Aktie 20% unter Angebotspreis

Der Trick hört sich vielversprechend an, scheint allerdings bei den Investoren nicht dazu geführt zu haben, dass jetzt ein Deal-Abschluss erwartet wird. Trotz Übernahme-Ankündigung gibt die Allergan-Aktie mehr als 3% nach.

Pfizer bietet den Allergan-Aktionären 11,3 eigene Aktien. Das Angebot hat einen rechnerischen Gegenwert von gut 360 Dollar. Dennoch notiert die Aktie rund 20% unter dem Angebotspreis.

Sie können an der sehr großen Lücke zum Übernahme-Angebotspreis erkennen, dass einige Anleger große Bauchschmerzen haben, ob der Deal klappt. Das Risiko, dass am Ende eine Übernahme ausbleibt ist nicht von der Hand zu weisen.

Manchmal ist es sinnvoller, Chancen liegen lassen

Zwar erwartet auch das Finanzministerium, dass man den Deal nicht stoppen kann – wohl aber die Politik bzw. der Kongress. Dort ist man sich in Zeiten des Wahlkampfes einig, dass solche Deals dringend unterbunden werden müssen.

Das Thema ist bereits in den Medien weit verbreitet und der Gegenwind dürfte weiter zunehmen. Schon jetzt reicht die Kritik von unpatriotisch bis abstoßend. In Internet-Foren sind auch derbere Ausdrücke üblich. Ausgerechnet der größte Deal seit 15 Jahren soll ein Steuerflucht-Deal werden, den man versucht zu verhindern.

Das stößt natürlich auf Kritik und Unverständnis. Schon jetzt haben diese Inversions-Deals dem Staat mehrere Milliarden gekostet. Wieder einmal „zahlt der Kleine Mann die Zeche, weil die Großen ins Ausland abhauen“.

Der Übernahme-Sensor hat weiterhin sehr große Skepsis, dass der Deal durch geht und würde nicht gegen die US-Politik in Wahlkampfzeiten wetten – selbst dann nicht, wenn die Spanne zum Angebotspreis 30% betragen würde. Denn fällt der Deal auseinander, fällt auch der Allergan-Aktienkurs schnell wieder.


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24. November 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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