Michael Kors in der Offensive: Jimmy-Choo-Übernahme erst der Anfang

In der Modebranche nimmt die Schlagzahl an Milliarden-schweren Übernahmen zu:

Erst vor 2 Wochen schloss die Handtaschen-Kette Coach die 2,2 Mrd. € schwere Übernahme des New Yorker Lifestyle-Labels Kate Spade ab.

Und heute schafft es mit Rivale Michael Kors bereits  der Nächste mit einer Milliarden-Übernahme in die Schlagzeilen:

Für 1,2 Mrd. € (inkl. Schulden) übernimmt Michael Kors den Damenschuh-Hersteller Jimmy Choo. Die naheliegende Idee der Übernahme wäre die folgende:

dass in den Filialen Damenschuhe und Handtaschen gleichzeitig verkauft werden und damit hohe Kosten- und Umsatz-Synergien gehoben werden.

Doch Michael Kors verfolgt einen anderen Plan:

Gutes Jimmy Choo-Image soll auf Michael Kors abfärben

Jimmy Choo ist ein Luxusschuh-Hersteller, der für seine 1.000 $ + X teuren Stilettos und Pumps bekannt ist.

Prinzessin Diana, Michelle Obama und etliche Hollywood-Größen tragen die Schuhe des britischen Konzerns mit malaysischem Star-Designer bei festlichen Anlässen.

Michael Kors bezeichnet sich als Modelabel, das man sich leisten kann und ist für seine Handtaschen bekannt.

Zuletzt hatte das Unternehmen allerdings enttäuschende Ergebnisse vorgelegt. Besonders jüngere Kunden kehrten ihm schließlich den Rücken zu.

Jetzt hofft Michael Kors über Jimmy Choo bei dieser Kundengruppe wieder attraktiver werden zu können.

Michael Kors die nächste LVMH?

Das Unternehmen teilte mit, dass man Jimmy Choo weitestgehend eigenständig lassen möchte und dass das bisherige Management im Amt bleibe.

Die Schuhe werden nicht in Michael-Kors-Filialen vertrieben. Jimmy Choo soll als Marke neben Michael Kors stehen und auch expandieren.

Der heutigen Übernahme sollen weitere Luxus-Deals folgen. Offenbar plant Michael Kors ein Luxus-Konglomerat wie LVMH oder Kering zu werden.

Übernahme teuer – Aber mit Blick auf schwaches Kerngeschäft strategisch nachvollziehbar

Michael Kors musste nach der Übernahme von Kate Spade durch Coach reagieren.

Der Markt für Handtaschen ist seit 3 Jahren sehr schwierig und wird auch schwierig bleiben. Betrug das globale Wachstum im Jahr 2012 noch fast 20%, sind es jetzt nur noch 2%.

Abseits des Handtaschen-Geschäfts eine Umsatzquelle zu erschließen ist daher nachvollziehbar – zumal Jimmy Choo die Verkäufe im Vorjahr um 15% steigern konnte.

Dennoch muss auch gesehen werden, dass Michael Kors für Choo einen stattlichen Preis zahlt: Die Übernahme-Prämie liegt bei 37%.

Und der Übernahme-Multiplikator, gemessen am operativen Gewinn, liegt bei über 15 – bei gleichzeitig minimalen Kosten-Synergien und hartem Wettbewerb.

Hop oder top? – Jimmy Choo ist eine Wette

Die Michael-Kors-Investoren reagierten mit Verkäufen auf die Deal-Ankündigung und die Aussicht auf weitere Übernahmen.

In einem leicht festeren Gesamtmarkt verliert die Aktie 2,5% und notiert nicht einmal mehr 10% über dem Mehrjahres-Tief bei 32,38 Dollar.

Die Investoren-Vorsicht ist verständlich, denn immerhin trägt die Übernahme sichtbare Risiken und zieht weitere Kosten nach sich.

Michael Kors hofft jedoch die Umsätze auf 1 Mrd. Dollar verdoppeln zu können und hat mit der eigenen Expansions-Strategie lange Zeit viel Erfolg gehabt.

Geht der Plan bei Jimmy Choo auf, dann ist die Aktie heute ein echtes Schnäppchen.

Und warum soll Michael Kors letztlich nicht auch ein erfolgreiches Luxus-Konglomerat wie Kering oder LVMH werden können?

Zeigt sich aber, dass der Erfolg einer Expansions-Strategie nicht wie erwartet eintritt, dann werden die Investoren das Weite suchen und die Aktie noch tiefer in den Keller schicken.

Es wäre sicher nicht die 1. Filial-Expansion, bei der Geld versenkt wird. Der Plan ist jedenfalls nicht die überraschende Super-Idee für eine bessere Kors-Zukunft.

Wem kann es egal sein? – den Aktionären des Übernahme-Kandidaten! Die nehmen die 37%-Prämie nach knapp 4 Monaten mit und überlassen das Investitions-Risiko dem Käufer.


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25. Juli 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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