Johnson Controls-Aktie: Mischkonzern strafft Portfolio und gibt Batteriesparte für 13 Mrd. Dollar ab

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Johnson Controls-Aktie: Mischkonzern strafft Portfolio und gibt Batteriesparte für 13 Mrd. Dollar ab (Foto: Raihana Asral / Shutterstock.com)

Einen tiefen Schnitt macht der US-Mischkonzern Johnson-Controls. Zukünftig soll sich der Fokus komplett auf die Gebäudetechnologie richten. Um den Prozess zu beschleunigen trennte sich Johnson Controls von seinem Geschäft mit Autobatterien für 13,2 Milliarden Dollar. Käufer ist ein Konsortium aus kanadischen Finanzinvestoren.

Den Aktionären gefiel die Meldung. In einem schwachen Marktumfeld konnten sich die Johnson Controls-Papiere zuletzt wieder Boden gut machen.

Johnson Controls – Traditionskonzern mit langer Firmengeschichte

Falls der Firmenname Ihnen noch kein Begriff ist: Johnson Controls ist ein richtiger Traditionskonzern. Im Jahr 1883 erhielt Warren Seymour Johnson das Patent für den ersten elektrischen Raumthermostat. Daraus entwickelte sich 1885 das Haustechnik-Unternehmen Johnson Electric Service Company. Seit 1974 ist die Firma dann unter Johnson Controls bekannt.

Das Unternehmen ist heute ein weltweit operierender irischer Mischkonzern mit den Hauptschwerpunkten Automobilzulieferung, Batterietechnik, Gebäudetechnik und Industriedienstleistungen.

Milliardenfusion mit Tyco International

Im Jahr 2016 fädelte der Konzern die Fusion mit dem irischen Brandschutzanbieter Tyco ein und verlegte seine Zentrale in das Niedrigsteuerland. Der Zusammenschluss hatte ein Volumen von 20 Milliarden Dollar und sollte das Gemeinschaftsunternehmen zu einem führenden Anbieter im Gebäudemanagement aufsteigen lassen. Vor allem Wachstumsmärkte wie das vernetzte Zuhause und vernetzte Städte sollten mit dem Deal adressiert werden.

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Fokus auf Gebäudetechnologie

Zwei Jahre nach dem Zusammenschloss folgt der nächste große Einschnitt. Für immerhin 13,2 Milliarden Dollar trennt sich der Konzern von seiner Batteriesparte. Der Geschäftsbereich erzielte zuletzt mit 15.000 Beschäftigen einen Jahresumsatz von 8 Milliarden Dollar. Das bereinigte Vorsteuerergebnis (EBITDA) lag bei 1,7 Milliarden Dollar. Der Marktanteil der Sparte ist durchaus beeindruckend. Die Starterbatterien des Segments finden Sie in jedem dritten Auto mit Verbrennungsmotor weltweit.

Nach dem Verkauf des kapitalintensiven Batteriegeschäfts soll der Fokus noch stärker auf der Gebäudetechnologie liegen. Darunter fallen Heizungs,- und Lüftungsanlagen ebenso wie Zugangskontrollsysteme und Brandschutzanlagen. Mit dem Verkauf trennt sich Johnson Controls von rund einem Viertel seiner Gesamtumsätze.

Auch deutscher Standort betroffen

Von dem Deal ist auch der deutsche Standort in Hannover, die ehemalige Varta, betroffen. Das Werk beschäftigt immerhin 1.300 Mitarbeiter. Sie müssen wissen: Varta war im Jahr 2002 von der Eigentümerfamilie Quandt aufgeteilt und verkauft worden, die Autobatteriesparte ging dabei an Johnson Controls. In Hannover sitzt die Zentrale, die das Geschäft in Europa, Afrika und dem Mittleren Osten mit insgesamt 3500 Mitarbeitern steuert, sowie eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung mit etwa 25 Mitarbeitern.

Anleger können auf Sonderausschüttung hoffen

Es wird erwartet, dass der Nettoerlös nach Steuern und transaktionsbezogenen Aufwendungen 11,4 Milliarden Dollar betragen wird. Das entspricht rund einem Drittel des aktuellen Börsenwerts der Firma. Dabei sollen zwischen 3 bis 3,5 Milliarden Dollar in die Schuldentilgung verwendet werden. Der verbleibende Erlös wird an die Aktionäre fließen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.