Johnson & Johnson-Aktie: Gericht verdonnert Pharmakonzern zu milliardenschwerer Strafzahlung

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Gericht verdonnert Johnson & Johnson zu milliardenschwerer Schadenersatzzahlung. Die Klagewelle setzt sich damit ungebrochen fort (Foto: Raihana Asral / Shutterstock.com)

Die Meldung kam wie ein Paukenschlag. Der US Konsumgüter- und Pharmariesen Johnson & Johnson ist zu einer milliardenschweren Strafzahlung verdonnert worden. Der Grund: Männern wuchsen durch ein Medikament Brüste. Auch wenn eine Schadensersatzzahlung erwartet worden, die Höhe der Zahlung hat einige Marktteilnehmer wohl doch überrascht.

Den Anlegern hat die Nachricht verständlicherweise nicht geschmeckt und in einem ansonsten positiven Aktienumfeld gaben die Papiere knapp 2% an Wert ab.

Johnson & Johnson im Portrait

Bevor ich auf die aktuelle Nachrichtenlage eingehe, möchte ich Ihnen das Geschäftsmodells des Konzerns erst noch näher vorstellen. Johnson & Johnson ist ein international tätiger Hersteller und Anbieter von Health-Care-Produkten. Zum Portfolio gehören sowohl verschreibungspflichtige wie auch frei erhältliche Präparate, darunter Wirkstoffe gegen Pilzinfektionen, Wundsalben, Kosmetika, Augentropfen, Schmerzmittel und Kontaktlinsen.

Über Akquisitionen ist das Unternehmen auch verstärkt in den Bereichen Orthopädie, Diabetesforschung oder Kardiologie tätig und vertreibt außerdem Wirkstoffe gegen Krankheiten wie Schuppenflechte oder Rheuma. Die umfangreiche Produktpalette wird unter bekannten Marken wie Johnson’s, Neutrogena, Band Aid, Listerine oder Carefree vertrieben.

Medikament mit ungewollten Nebenwirkungen…..

Jetzt hat eine Geschworenenjury einem Kläger in Philadelphia Schadensersatz von 8 Milliarden Dollar (umgerechnet 7,3 Mrd. Euro) zugesprochen. Johnson & Johnson wird vorgeworfen, die Nebenwirkungen des Antipsychotikums Risperdal verschwiegen zu haben, die angeblich zu unerwünschten Brustvergrößerungen bei männlichen Patienten führt.

Das Brisante an dem Fall: Vor vier Jahren hatte eine Jury in Philadelphia demselben Kläger wegen Risperdal bereits Schadenersatz in Höhe von 1,75 Millionen Dollar zugesprochen, den ein Gericht im Anschluss aber auf 680. 000 Dollar reduzierte. In der Berufung wurde die Entscheidung aufgehoben, was den Weg frei für den Strafschadensprozess frei machte. Bedenken Sie: Bis es rechtswirksame Entscheidungen gibt, nach denen wirklich gezahlt werden muss, vergehen meist Jahre.

……verursacht Strafzahlung in Rekordhöhe

Die im Raum stehende Schadenersatzzahlung ist in seiner Höhe absolut beeindruckend und die höchste Summe, die bisher aufgerufen wurde. Dabei steht der Kläger nicht allein da. Insgesamt liegen über 13 000 Klagen gegen den Konzern vor, in denen behauptet wird, dass die Nebenwirkungen von Risperdal nicht ausreichend offengelegt wurden.

Die Kläger gehen davon aus, dass der Konzern zwar der Nebenwirkung bewusst war, aber das Risiko unterschätzt hat. Die Auswirkungen sind immens: Immerhin war Risperdal, das Schizophrenie, bipolare Störungen und Reizbarkeit im Zusammenhang mit Autismus behandelt, eines der meistverkauften Produkte des Konzerns bevor im Jahr 2008 der US-Patentschutz auslief.

Johnson & Johnson kämpft an mehreren Fronten

Dabei ist Risperdal nicht das Einzige Medikament, mit dem der Pharmariese zu kämpfen hat. Johnson & Johnson ist auch in einer Klage gegen Firmen wegen süchtig machender Schmerzmittel und zahlreichen Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken eines Pflegemittels involviert. Im vorigen Jahr entschied ein Gericht, dass der Konzern 22 Frauen und ihren Familien, die Eierstockkrebsfälle auf die Verwendung eines Babypuders zurückführten, 4,69 Milliarden Dollar Schadenersatz zahlen soll.

Der Konzern weist die Vorwürfe entschieden zurück und versucht, bei den Fällen in Berufung zu gehen oder sich wie im jüngsten Fall der süchtig machenden Opiate für günstigere Konditionen freizukaufen.

Analysten sind sich uneins

Die Analysten zeigen sich aktuell eher uneinheitlich. Von 18 Experten, die sich mit der Aktie beschäftigen, raten 10 zum Kauf der Papiere. Sieben Banker sprechen eine Halteempfehlung aus und ein Analyst stuft die Aktie als Verkauf ein. Das durchschnittliche Kursziel liegt nach dem jüngsten Kursrückgang mit 149,56 Dollar allerdings deutlich über dem aktuellen Kursniveau (129 Dollar).

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

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