Johnson & Johnson: Die nächste Impfstoff-Hoffnung

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Die Impfkampagne nimmt Fahrt auf, schon bald könnte ein weiteres Vakzin verfügbar sein. Deutschland hadert derweil mit seiner Bürokratie. (Foto: rangizzz / Adobe Stock)

Rund 2 Millionen Menschen wurden in Deutschland mittlerweile gegen Covid-19 geimpft seit Beginn der Impfkampagne Ende Dezember. Rund 2 Millionen Menschen werden auch in den USA geimpft – pro Tag.

Effizienz sieht anders aus

So vorbildlich Deutschland noch vor einem Jahr agiert hat, als schnell und unbürokratisch der erste Lockdown verhängt wurde und die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus erfolgreich eingedämmt werden konnte, so deutlich treten inzwischen die erheblichen Effizienzprobleme der Republik zutage.

Da wird lieber herumdiskutiert und über Zuständigkeiten gestritten, anstatt anzupacken und Probleme zu lösen: Wie viele Schulen wurden in den Sommermonaten mit Luftfilteranlagen oder funktionierender digitaler Infrastruktur ausgestattet? Wie viele Kultusministerien haben tragfähige und durchdachte Lehrpläne für Homeschooling und Fernunterricht ausgearbeitet? Wo bleibt der Ausbau der ebenso schnellen wie zuverlässigen Internetverbindung im ländlichen Raum?

All das wurde verschlafen. Im Sommer hat man sich von den ach so anstrengenden Frühjahrswochen erholen müssen und am Strand die Füße hochgelegt, anstatt sich auf die absehbar schwierigen Wintermonate vorzubereiten. Und als im Herbst die zweite Welle über das Land rollte, wurde wochenlang im sogenannten Lockdown Light lamentiert und um Ausnahmen gerungen, anstatt die anstehende Impfkampagne durchzuplanen.

Bürokratie bremst Impfkampagne aus

Nun liegen die Impfdosen herum und können vielfach nicht verabreicht werden, die Gründe sind vielfältig und haben allzu häufig mit dem berüchtigten Bürokratiemonster in deutschen Amtsstuben zu tun. Da kann mit dem Impfen der Priorisierungsgruppe 2 nicht begonnen werden, solange sich nicht auch die allerletzten Personen aus Gruppe 1 zu ihrer Impfabsicht geäußert haben, anstatt überlappende Prozesse zuzulassen. Da können Impfwillige keine ihnen zustehenden Termine im Impfzentrum vereinbaren, weil sämtliche Registrierungswege völlig überlastet sind.

Überhaupt, die Impfzentren. Deren Einrichtung war richtig, als anfangs nur der Tiefkühl-Impfstoff von Biontech/Pfizer zur Verfügung stand, der von Hausärzten kaum gelagert werden kann, und zugleich der Schutz der besonders gefährdeten Altersgruppen Vorrang haben musste. Inzwischen aber sind die über-80-Jährigen weitgehend durchgeimpft, in weiten Teilen des Landes beginnt dieser Tage die Impfung der zweiten Priorisierungsgruppe. Zudem steht mit AstraZeneca ein weitaus leichter zu handhabender Impfstoff zur Verfügung, sodass man längst auch Hausarztpraxen hätte einbeziehen können, ja, einbeziehen müssen.

Typisch deutsche Diskussionen

Die Vereinigten Staaten verabreichen Impfungen inzwischen per Drive-in-Schalter in rekordverdächtigem Tempo. Hierzulande haben Impfzentren nicht nur bürokratische Terminvergabe, sondern auch bürokratische Öffnungszeiten und es wird, typisch deutsch, penibel darauf geachtet, dass sich auch bloß niemand „vordrängelt“ bei der Impfreihenfolge. Selbst über hohe Geldbußen für „Impfdrängler“ wurde erst kürzlich diskutiert, dabei sollte die Gesellschaft froh sein über jeden einzelnen, der per Impfung das Risiko für sich und andere minimiert.

Nicht nur die Impfkampagne, auch die Teststrategie der Bundesregierung lässt zu wünschen übrig. Während die versprochenen wöchentlichen kostenlosen Tests noch auf sich warten lassen, sind Selbsttests in Filialen von Discountern und Drogeriemärkten jetzt grundsätzlich verfügbar, wenn auch aufgrund hoher Nachfrage noch meist vergriffen. Was die Politik nach einem Jahr Pandemieerfahrung nicht in den Griff bekommt, regeln Wirtschaft und Verbraucher jetzt selbst.

Johnson & Johnson: 4. Impfstoff schon im März verfügbar?

Neue Hoffnung auf eine Normalisierung des Lebens in absehbarer Zeit macht neben den umfangreicheren Impfstofflieferungen, die für das zweite Quartal in Aussicht gestellt sind, auch ein weiteres Präparat. Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson hat einen Wirkstoff entwickelt, bei dem eine einzige Impfdosis ausreicht, um die volle Schutzwirkung zu erreichen.

Die bisher verfügbaren Impfstoffe müssen demgegenüber zweimal verabreicht werden, um die maximale Wirksamkeit sicherzustellen, wobei auch bei ihnen bereits nach der ersten Spritze die Risiken eines schweren Krankheitsverlauf erheblich gemindert werden. In den USA wurde das Vakzin von Johnson & Johnson bereits zugelassen, in der Europäischen Union läuft das Zulassungsverfahren seit Mitte Februar. Noch im März soll eine Entscheidung bekanntgegeben werden, sodass bei positivem Bescheid bereits in einigen Wochen auch in Europa der neue Wirkstoff verabreicht werden könnte.

Impfkampagne scheitert nicht an Herstellern

Es handelt sich dabei – ebenso wie bei AstraZeneca – um einen klassischen Vektorimpfstoff, wohingegen die zugelassenen Präparate von Moderna und Biontech/Pfizer auf der neuartigen mRNA-Technologie basieren. Erste Studien weisen darauf hin, dass die Schutzwirkung der mRNA-Impfstoffe etwas höher ausfällt, allerdings sind sie komplizierter zu handhaben, unter anderem wegen der erforderlichen Extrem-Tiefkühlung. Die Vektorimpfstoffe halten sich auch bei normalen Kühlschranktemperaturen bis zu 3 Monate.

Die Europäische Union hat bei Johnson & Johnson bereits 200 Millionen Impfdosen geordert und sich außerdem Optionen auf weitere 200 Stück gesichert. Bei der Produktion bekommt Johnson & Johnson zudem Unterstützung von seinem Konkurrenten Merck, der kein eigenes Vakzin im Angebot hat. Dadurch können die Kapazitäten erweitert und die Lieferungen womöglich beschleunigt werden.

In den USA rechnet man damit, bereits im zweiten Quartal allen Erwachsenen ein Impfangebot machen zu können. In Deutschland waren die Prognosen zuletzt zurückhaltender, die Kanzlerin sprach von einer bundesweiten Durchimpfung bis Ende September – pünktlich zur Bundestagswahl. Die bisherige Erfahrung mit der Umsetzung der Impfkampagne deutet darauf hin, dass dieses Ziel von Seiten der Impfstoffhersteller durchaus erreichbar ist – ein Risiko des Scheiterns liegt erneut eher in den Hürden der deutschen Bürokratie.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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