Johnson & Johnson kündigt milliardenschweren Biotech-Deal an

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Johnson & Johnson will Autoimmunspezialist Momenta für 6,5 Milliarden Dollar schlucken: Zweiter Autoimmun-Deal in einer Woche (Foto: Raihana Asral / Shutterstock.com)

Das Übernahmekarussell auf dem Pharmamarkt dreht sich schon seit geraumer Zeit mit beeindruckend hoher Geschwindigkeit. Vor allem auf wachstumsträchtige Biotechnologieunternehmen haben es die Pharmagiganten abgesehen. In genau diese Kategorie fällt auch der bis dato größte Pharmadeal in diesem Jahr, der gerade über die Ticker lief.

Der amerikanische Pharmazie- und Konsumgütergigant Johnson & Johnson will für 6,5 Milliarden Dollar den Spezialisten für Autoimmunerkranungen Momenta schlucken. Brisant: Das ist gleich der zweite Milliardendeal, der auf Medikamente gegen Autoimmunerkrankungen abzielt. Vor wenigen Tagen hat Sanofi für Principia eine 3,7 Milliarden Dollar schwere Offerte auf den Tisch gelegt.

Momenta-Aktie schießt 69% in die Höhe

Für das Biotechnologieunternehmen Momenta will Johson & Johnson 52,50 Dollar je Aktie zahlen. Das entspricht einem Aufschlag von 70% auf den Kurs vor Bekanntgabe der Übernahme. Direkt nach der Meldung zogen die Papiere von Momenta bis auf 52,12 Dollar an und lagen damit nur noch minimal unter dem Niveau der Übernahmeofferte. Auf Basis des gebotenen Kaufpreises wird der Autoimmunspezialist mit 6,5 Milliarden Dollar bewertet.

In Bezug auf die bislang erzielten Ergebnisse des Konzerns ist das ein stolzer Preis. Im zurückliegenden Geschäftsjahr gingen bei Momenta gerade einmal 23,87 Millionen Dollar an Umsätzen durch die Bücher. Unter dem Strich verbuchte der Konzern einen Jahresverlust von 290 Millionen Dollar.

Aussichtsreiches Geschäft sorgt für Phantasie

Ohnehin dürften es weniger die vergangenen Ergebnisse als die Zukunftsperspektiven sein, die das Interesse von Johnson & Johnson geweckt haben. Momenta entwickelt Behandlungen für Autoimmunkrankheiten. Nipocalimab, der führende Arzneimittelkandidat des Unternehmens, befindet sich in einer entscheidenden klinischen Studie, in der er bei der warmen autoimmunen hämolytischen Anämie (WAIHA) getestet wird, die auch ein Krankheitsziel mehrerer anderer Pharmaunternehmen ist. Bei WAIHA zerstören Autoantikörper gesunde rote Blutkörperchen. Johnson & Johnson sagt, dass das Medikament von Momenta für diese Krankheit und eine Vielzahl anderer Autoimmunkrankheiten das beste von allen werden könnte.

Übernahme stärkt Position im Autoimmun-Bereich

WAIHA betrifft etwa 45.000 Patienten in den USA und birgt laut Momenta bei bis zu 8% von ihnen das Risiko eines vorzeitigen Todes. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr mit einer klinischen Phase-2/3-Studie zu dieser Erkrankung begonnen. Hauptziel der Studie ist es, eine Veränderung des Hämoglobinspiegels gegenüber dem Ausgangswert zu zeigen. Zu den sekundären Zielen gehört die Beurteilung der Zerstörung der roten Blutkörperchen sowie der Müdigkeit.

Johnson & Johnson kann mit dem Deal seine Reichweite auf Autoantikörper-getriebene Krankheiten auszudehnen.

Johnson & Johnson hofft auf Blockbuster

Der Deal umfasst die vollen globalen Rechte an Nipocalimab. Momenta erhielt im Juni positive Nachrichten für das Medikament, als das Hauptziel in einer Phase-II-Studie zur Behandlung von Myasthenia gravis, einer autoimmunen neuromuskulären Erkrankung, erreicht wurde. Erhofft wird ein Umsatz von 1 Milliarde Dollar. Die Finalisierung der Übernahme erwartet der Konzern noch in der zweiten Jahreshälfte.

Trotz der geplanten Übernahme bestätigte Johnson & Johnson das Ziel für den bereinigten Gewinn je Aktie für 2020. Demnach soll der bereinigte Gewinn je Aktie bei 7,75 bis 7,95 Dollar landen. 2021 würden mit dem Momenta-Zukauf aber zusätzliche Forschungskosten anfallen, die den Gewinn je Aktie mit etwa 10 bis 15 Cent drücken dürften.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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