JP Morgan mit starken Zahlen: Von Krise keine Spur

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JP Morgan wischt die Corona-Krise beiseite: Denn das starke Investmentbanking und der Wertpapierhandel sorgen für ein sattes Gewinnplus. (Foto: Bjorn Bakstad / shutterstock.com)

Der Start in die Berichtssaison in den USA ist gerade erfolgt: Zum Auftakt der Bilanzsaison für das dritte Quartal öffneten die amerikanischen Großbanken J.P. Morgan und Citigroup ihre Bücher für die Investoren. Vor allem JP Morgan zeigte sich bei der Geschäftsentwicklung deutlich stabiler als die Konkurrenz und konnte mitten in der Corona-Pandemie sogar mit einer Gewinnsteigerung glänzen.

Die Reaktionen auf die an sich starken Zahlen fielen trotzdem gemischt aus. Zum Börsenschluss verzeichnete die JP Morgan-Aktie sogar einen kleinen Kursrückgang. Auch die längerfristige Entwicklung enttäuscht: Wer zum Jahreswechsel zu knapp 140 Dollar je Aktie einstieg, sitzt momentan auf Verlusten von beinahe 30%.

JP Morgan – profitabler Platzhirsch unter den US-Banken

Bevor wir auf die Zahlen im Detail eingehen, möchte ich Ihnen den US-Konzern gerne noch näher vorstellen: JP Morgan Chase & Co. ist eines der größten amerikanischen Finanzdienst-leistungsunternehmen. Weltweit bietet die in New York ansässige Unternehmensgruppe eine breite Palette von Bankdienstleistungen an. Die Gesellschaft ist tätig in den Bereichen Investment Banking und Private Banking sowie im Beteiligungsgeschäft.

Zum Angebot gehören außerdem Vermögensverwaltung, Depot- und Transaktions-Service, Finanzdienstleistungen für Konsumenten und Commercial Banking. Das institutionelle Geschäft des Konzerns operiert unter der Marke JPMorgan. Die Marke Chase wird regional in den USA verwendet und umfasst das Retail-Geschäft.

Großbank fährt Quartalsgewinn von 9,4 Milliarden Dollar ein

Die Anleger hatten mit Argusaugen auf die Quartalszahlen geblickt und eigentlich einen deutlichen Gewinnrückgang erwartet. Doch es kam komplett anders: Der Branchenführer J.P. Morgan Chase überraschte mit Gewinnsteigerung um 4 % zum vergleichbaren Vorjahresquartal. Unter dem Strich blieb ein beeindruckender Gewinn von 9,4 Milliarden Dollar hängen.

Damit wurde die Corona-Krise vorerst kräftig abgeschüttelt. Sie müssen wissen: Im ersten Halbjahr litt der Konzern noch, wie alle anderen US-Großbanken auch, unter schrumpfenden Gewinnen, da die Risikovorsorge für Kreditausfälle massiv nach oben gefahren wurde. Offenbar waren die Prognosen hinsichtlich dieser Ausfälle aber zu pessimistisch, wie die jetzigen Zahlen zeigen.

Florierendes Wertpapiergeschäft sorgt für Rückenwind

Besonders stark zeigte sich im dritten Quartal der Wertpapierhandel und das Investmentbanking. So kletterten die Umsätze aus dem Handelsgeschäft um 30% auf 6,6 Milliarden Dollar in die Höhe. Damit wurde die interne Prognose, die noch im September ausgegeben wurde, um 10 Prozentpunkte übertroffen. Die Einnahmen im Investmentbanking erhöhten sich um insgesamt 21 % auf 11,5 Milliarden Dollar. Das Geschäft mit der Emission von Aktien und Anleihen florierte, wobei die Gebühren für Fusionsberatung nachgaben.

Privatkundengeschäft aber rückläufig

Weniger rosig verlief es hingegen im Privatkundengeschäft, in dem die Erträge im Vorjahresvergleich um 9% auf 12,8 Milliarden Dollar zusammenschrumpften. Dennoch konnten sich die Gesamtergebnisse sehen lassen. Für künftige Kreditausfälle legte die Großbank nur 611 Millionen Dollar  zurück, was die Zuversicht des Konzerns zum Ausdruck bringt.

Für Sie zum Vergleich: Zum Höhepunkt der Pandemie lagen die Rückstellungen noch bei 10,5 Milliarden Dollar. Unter dem Strich erreichte JP Morgan mit einer Eigenkapitalrentabilität von 15% wieder das Vorkrisenniveau.

Fazit: JP Morgan zeigte im dritten Quartal eine überraschend starke Geschäftsentwicklung. Das schwächelnde Privatkundengeschäft wurde durch eine enorm positive Entwicklung im Investmentbanking und Wertpapierhandel mehr als wettgemacht. Zudem machte sich die drastisch reduzierte Risikovorsorge in den Bilanzen bemerkbar. Allerdings sind die Anleger weiter skeptisch und scheinen dem Braten noch nicht recht zu trauen. Wie sich die Corona-Pandemie in den kommenden Quartalen auf die Kreditausfälle wirklich auswirken wird, bleibt vorerst abzuwarten.

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Warum Sie keiner Bank mehr trauen solltenDas Pulverfass kann jederzeit hochgehen. Das Gemisch aus ungelöster Flüchtlings-Krise, nicht bewältigter Finanz- und Banken-Krise, die mit exorbitanter Staats- und Banken-Verschuldung einhergeht, desaströser Mini-Zins-Politik der Notenbanken, schmelzender Lebensversicherungs-Beiträge, ungesicherter Altersversorgung,… › mehr lesen


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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