Jungheinrich AG – Frühstart der Insider

Insider wissen mehr als Außenstehende, das liegt schon in der Logik des Wortes. Doch manchmal starten sie einfach zu früh durch.

So jedenfalls könnte man meinen, wenn man sich den jüngsten Report über die Aktienkäufe und Verkäufe unternehmensnaher Vorstände, Aufsichtsräte und deren Familienangehörigen anschaut.

Aus dem Insider-Report, den das Handelsblattes alle zwei Wochen erstellen lässt, lassen sich alle meldepflichtigen Aktiengeschäfte der letzten Wochen ersehen.

Schaut man sich die in der aktuelle Übersicht gemeldeten Käufe an, könnte man meinen, bei den Unternehmenslenkern handele es sich nicht wirklich um Unternehmens-Insider handeln, sind sie doch zu teuer und zu früh eingestiegen. So könnte man vorschnell urteilen.

Die Insider kaufen, die Kurse fallen

Denn kaum haben die Vorstandsmitglieder der Telekom, von SAP, der H+R AG und von Alstria Office ihre Aktienpakete erworben, fallen die Kurse deutlich zurück.

Auch die Aktie der Jungheinrich AG (WKN 621993, Ticker JUN3) kam in den letzten Handelstagen unter die Räder. Die Aktie verlor in den vergangenen Handelstagen in der Spitze bis zu 12% und zählte auch gestern wieder zu den Tagesverlierern.

Und dabei hatte doch Wolff Lange,  Aufsichtsratsmitglieder der Gesellschaft und Mitglied der Eigentümerfamilie, erst jüngst 2.000 Vorzugsaktien des Unternehmens erworben.

Kein einmaliger Vorgang von besonderer Bedeutung, kaufen doch die Familien Lange und Wolf, die jeweils 50% der Stammaktien halten, seit Jahren schon immer über die Börse Vorzugsaktien ihres Unternehmens.

Hohe Kapitalrenditen für die Eigentümerfamilie

Investitionen bzw. Kapitalanlagen, die sich in den vergangenen Jahren durchaus als lohnenswert herausstellten und ihnen jährliche Kurs- und Dividendengewinne zwischen 10 und 50% erbrachten.

Doch diesmal war der Kaufzeitpunkt am 14.06. wohl leicht verfrüht. Denn mit dem Dividenden-abschlags am Vortag fiel der Aktienkurs weiter, mehr und mehr Verkäufer traten auf den Plan.

An schlechten Geschäftszahlen oder einem negativen wirtschaftlichen Umfeld kann es nicht liegen, hier kamen keine kursbewegenden Meldungen über die Ticker. Also lag es doch an der allgemein schlechten Marktstimmung.

Einfach schlechte Marktstimmung?

Zum Teil mag das die richtige Bewertung sein, aber nur zum Teil. Denn zahlreiche Aktionäre machten einfach einmal Kasse und warten auf neue Chancen, hatte der Kurs der Jungheinrich AG doch kurz vor dem Dividendenzahltag sein Allzeit-Hoch vom 29.05.2013 bei 37,90  € nicht überwinden können.

Was im Übrigen nur wenige Cent über dem alten Allzeit-Hoch aus 2007 liegt. Scheitern Durchbrüche durch Hochpunkte im ersten oder zweiten Anlauf, setzten meist Anschluss- verkäufe ein, die den Kurs dann weiter drücken.

So wie bei Jungheinrich. Der Point&Figure-Chart zeigt es, seit dem Top bei 37,90 € sinken die Kurse kräftiger.

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Mit den jüngsten Kursrückgängen notiert die Aktie nun sogar in  einem Point&Figure-Verkaufssignal (roter Kreis) mit einem vorläufigen Kursziel bei 28,50 €.

Doch soweit wird der Aktienkurs vermutlich nicht sinken. Denn Sie sehen es im Chart eingezeichnet, vorher stützt eine Aufwärtstrendlinie (grüne Linie) und die Unterstützung aus einem Zwischenhoch aus dem Januar diesen Jahres.

Ein Widerstandsbereich, der schwerlich fallen dürfte. Und den auch weitsichtige Investoren im Auge behalten sollten.

Denn hier besteht eine gute Chance günstig in die Vorzugsaktien der Jungheinrich AG einzusteigen. Und es damit besser zu machen als Wolff Lange, der zu Kursen vom 35,70 € und 35,74 € kaufte.

Wobei auch das schon wieder überholt ist. Denn die aktuellsten Insiderkäufe finden sich selbstverständlich auch auf anderen Seiten im Internet. Früher, als die vom Handelsblatt veröffentlichten.

Und nach diesen verlässlichen Quellen hat Wolff Lange noch mal zugeschlagen. Zu Preisen von 35,00 € und 34,50 € hat er gesamt erneut 2.000 Aktien erworben.

ich bin überzeugt, er weiß, was er tut. Denn er hatte bei seinen Kaufentscheidungen doch wohl eher den nachstehenden Point&Figure-Chart vor Augen, der ihm das „Zwischenrauschen“ der vergangenen Wochen einfach ausblendet und mit dem grün markierten Point&Figure-Kaufsignal unverdrossen zum Kauf rät.

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Schauen wir also mal wohin die Kurse gehen. Und ob der Insider zu früh bzw. mit gewisser Weitsicht gerade rechtzeitig gekauft hat.

25. Juni 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.

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