Jungheinrich-Aktie: Kursrückgang nach Kion-Gewinn-Warnung

Eine sehr sportliche Bewertung macht die Aktie des Hamburger Jungheinrich-Konzerns anfällig für Rückschläge. Hier lesen Sie alles Weitere: (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Unter dem Strich wird sich wohl kaum einer der langfristig orientierten Anleger beschweren:

Wer vor 5 Jahren auf die Jungheinrich-Aktie setzte und sich damit frühzeitig im stark wachsenden Markt für Logistik für den Online-Handel positionierte, wird sich jetzt die Hände reiben.

Denn die Papiere stiegen in diesem Zeitraum um mehr als 330%. Daran kann auch die jüngste Korrektur nach der Gewinn-Warnung des Konkurrenten Kion wenig ausrichten.

Jungheinrich – die Nr. 3 weltweit

Ich werde gleich auf die Gründe der Gewinn-Warnung des Rivalen eingehe und analysiere, ob sich hieraus negative Rückschlüsse auf Jungheinrich ziehen lassen.

Doch zuvor möchte ich Ihnen den Hamburger Konzern näher vorstellen:

Jungheinrich ist ein weltweit tätiger Anbieter von Flurförderzeugen, Lager- und Materialfluss-Technik mit dem Schwerpunkt auf Europa (ca. 90% der Umsätze).

Hinter Toyota und Kion sind die Hamburger weltweit die Nr. 3.

Weniger volatil als der Wettbewerb

Im Vergleich zu seinen direkten Konkurrenten ist Jungheinrichs Geschäft aus diesen Gründen weniger schwankungsanfällig:

  • Zum einen machen Handels-Kunden inklusive Nahrungsmittel 48% vom Umsatz aus.
  • Zum anderen besteht keine Abhängigkeit von Großkunden. Kein einzelner Kunde steht für mehr als 3% der Gesamt-Erlöse.

Zugleich umfasst das Produkt-Portfolio des Konzerns eine balancierte Mischung aus Neugeschäft, Leasing, Mietgeräten, Service und dem Verkauf von Gebraucht-Geräten.

Steigendes Leasing-Geschäft sorgt für „Margen-Potenzial“

In den vergangenen Jahren ist der Anteil der Leasing-Fahrzeuge innerhalb der Neuverkäufe von ca. 1/3 auf gegenwärtig rund 40% angestiegen.

Dieser Anstieg bildet die Basis für zukünftige Margen-Ausweitungen auf Gruppen-Ebene, da Leasing-Verträge i. d. R. an gewinnträchtige Service-Verträge gekoppelt sind.

Gabelstapler-Hersteller reitet die Online-Welle

In den vergangenen Jahren profitierten die Hamburger von dem stark wachsenden Online-Handel.

Denn immer mehr Online-Händler müssen ihre Warenlager mit modernen und effizienten Lager-Systemen ausstatten.

Seit 2009 kletterten die Umsätze von 1,67 auf zuletzt 3,08 Mrd. € nach oben. Zugleich erzielte Jungheinrich mit einem Jahres-Gewinn von 154 Mio. € eine Gewinn-Marge von 5%.

Großauftrag im Bereich Elektromobilität

Zusätzlich konnte der Konzern auch im Bereich Elektromobilität punkten und im Sommer den größten Auftrag der Firmengeschichte gewinnen:

Über 1.000 Elektrofahrzeuge mit einem Auftragswert im hohen 1-stelligen Millionenbereich wurden von einem Kunden bestellt.

Noch nie zuvor hat ein einzelner Kunde auf einen Schlag so viele Elektro-Gabelstapler bestellt, die ihre Energie aus Lithium-Ionen-Batterien beziehen.

Kion-Warnung nur bedingt relevant

Zuletzt sorgte die Gewinn-Warnung von Kion für Verunsicherung und brachte die Jungheinrich-Aktie unter Druck:

Im 3. Quartal litt der Rivale unter verspäteten Projekt-Platzierungen und einem allgemein zurückhaltenden Investitions-Verhalten von US-Kunden aus Branchen wie dem Warenhandel und der Bekleidungs-Industrie.

Für Jungheinrich dürfte die Warnung hingegen nur von geringer Bedeutung sein. Denn der Hamburger Konzern ist kaum im Bereich Lager-Automatisierung in den USA aktiv.

Bewertung nach Kurs-Anstieg weiterhin sportlich

Trotz des jüngsten Rücksetzers ist die Jungheinrich-Aktie alles andere als günstig bewertet:

Der Konzern rechnet für dieses Jahr mit einem Jahres-Umsatz von 3,35 – 3,45 Mrd. € und einem Vorsteuer-Ergebnis von 235 – 245 Mio. €.

Die Analysten gehen davon aus, dass je Aktie 1,71 € an Gewinn hängen bleibt. Damit ergibt sich ein aktuelles Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 22.

Das durchschnittliche Kursziel von 37 € liegt in etwa auf dem momentanen Kursniveau und dürfte primär mit dem hohen Bewertungs-Niveau der Firma zusammenhängen.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.