Jungheinrich-Aktie: Logistik-Spezialist legt sich Roboter-Start-Up ins Portfolio

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Der Logistikspezialist Jungheinrich verstärkt sich mit einer Robotik-Übernahme - und die zunehmende Automatisierung sorgt für Rückenwind für die Aktie. (Foto: romaset/AdobeStock)

Rasant aufwärts ging es seit der kräftigen Kurskorrektur mit der Aktie des Logistik-Unternehmens Jungheinrich. Konnten Schnäppchenjäger die Aktie im März für knapp über 10 Euro kaufen, müssen Investoren inzwischen wieder mehr als 27 Euro für einen Anteilsschein auf den Tisch legen. Der Gewinneinbruch im ersten Halbjahr wurde von den Anlegern offenbar schnell ad acta gelegt. Im Fokus stehen jetzt vielmehr die langfristigen Perspektiven, die sich vor allem rund um den boomenden Online-Handel drehen.

Ist die Kursrally fundamental gerechtfertigt? Wie steht es um die Perspektiven des Konzerns und was sagen die Analysten zur Aktie?

Jungheinrich im Portrait

Bevor ich auf die jüngste Gewinnwarnung eingehe, möchte ich Ihnen den Konzern noch näher vorstellen. Jungheinrich, gegründet im Jahr 1953, zählt zu den weltweit führenden Lösungsanbietern für die Intralogistik. Mit einem umfassenden Portfolio an Flurförderzeugen, Logistiksystemen sowie Dienstleistungen bietet Jungheinrich seinen Kunden passgenaue Lösungen für die Herausforderungen der Industrie 4.0.

Die Konzernstrategie ist auf nachhaltiges, profitables Wachstum und damit auf die Steigerung des Unternehmenswertes ausgerichtet. Ziel ist es, die Nummer-1-Marke der Intralogistik in allen europäischen Märkten zu werden und langfristig zu den Top 3 der globalen Anbieter zu gehören.

Gewinneinbruch im ersten Halbjahr

Im ersten Halbjahr bekam der Konzern den Gegenwind durch die Corona-Pandemie mit voller Wucht zu spüren. Während sich der Konzernumsatz von 2 auf 1,8 Milliarden Dollar reduzierte, brach der Gewinn deutlich stärker um 28,9% auf 59,7 Millionen Euro ein. Je Aktie blieben damit 0,60 Euro an Gewinn übrig. Für Sie zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum waren es noch 0,83 Euro je Anteilsschein.

Rückläufiger Umsatz im Gesamtjahr erwartet

Auch der Blick auf das Gesamtjahr zeigt sich noch gedämpft. Danach rechnet Jungheinrich mit einem Umsatz innerhalb einer Bandbreite von 3,4 bis 3,6 Milliarden Euro nach 4,07 Milliarden Euro im Vorjahr. Das Ergebnis vor Finanzergebnis und Ertragsteuern (EBIT) sollte 2020 nach aktueller Einschätzung zwischen 130 und 180 Millionen Euro liegen. Entsprechend wird eine EBIT-Marge zwischen 3,8 und 5,0% erwartet.

Robotik-Deal soll Wachstum sichern

Langfristig stehen die Chancen auf eine Rückkehr auf den Wachstumspfad aber ausgesprochen gut. Dafür dürfte auch die zunehmende Automatisierung in der Intralogistikbranche sorgen. Auf Grund des boomenden Online-Handels müssen immer mehr E-Commerce-Firmen ihre Logistik mit Automatisierungslösungen verbessern. Zugleich stellt die Unternehmen der Mangel an Facharbeitern vor Schwierigkeiten. Hier kommt Jungheinrich mit seinen Lösungen ins Spiel.

Um zukünftig noch stärker die „Online-Welle“ zu reiten, hat sich der Hamburger Logistik-Riese gerade mit einer Übernahme verstärkt und das Münchener Robotik-Unternehmen Magazino geschluckt. Die Firma führte 2014 einen mobilen Kommissionier-Roboter ein, der in Lagern intelligent navigieren und präzise die richtigen Kartons greifen kann. Online-Händler und Logistikdienstleister nutzen das System.

Analysten sehen nur begrenztes Kurspotenzial

Nach der beeindruckenden Kursrally seit März (+170%) sind die Analysten derzeit eher zurückhaltend. Von 14 Experten, die sich mit der Aktie beschäftigen, raten lediglich 5 zum Kauf der Papiere. Weitere 6 Banker stufen den Titel als Halteposition ein, während drei Analysten sogar eine Verkaufsempfehlung aussprechen. Das durchschnittliche Preisziel aller Analysten liegt 26,39 Euro leicht unter dem aktuellen Kursniveau.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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