Just Eat: Überraschendes Gegenangebot heizt Bieterwettkampf um Essensbestelldienst an

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Just Eat-Aktie: Prosus legt überraschende Gegenofferte für Lieferdienst auf den Tisch und lässt Aktienkurs haussieren (Foto: Ascannio / shutterstock.com)

Wie spannend der Markt für Übernahmen und Fusionen sein kann, sehen Sie gerade eindrucksvoll am Fall des britischen Online-Essensbestelldienst Just Eat, um den gerade ein Bieterwettkampf entbrannt ist. Nach dem vorliegenden Angebot von Takeaway.com hat am Dienstag die Internetholding Prosus mit einer Offerte nachgelegt und die Aktie in den Haussemodus versetzt. Die Papiere reagierten deutlich positiv und gingen mit einem Plus von 25% aus der Handelssitzung.

Am Anfang war das Takeaway.com-Angebot

Vor wenigen Wochen hatte der holländische Online-Essenbestelldienst Takeaway.com eine Offerte für Just Eat auf den Tisch gelegt. Das Übernahmeangebot von 731 Pence je Aktie bewertet Just Eat mit 4,9 Pfund (umgerechnet rund 5,7 Milliarden Euro). Allerdings will Takeaway.com den Deal im Rahmen eines Aktientausches über die Bühne bringen.

Zusammenschluss schafft neuen Marktführer

Durch die Fusion soll ein globales Unternehmen entstehen, dass mit Uber Eats konkurrieren kann. Die fusionierte Gruppe, die Just Eat Takeaway.com heißen soll, wäre Marktführer in Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden und Kanada. In dem schnell wachsenden 100-Milliarden-US-Dollar-Markt der Essens-Lieferung ist die Skalierung von entscheidender Bedeutung. Denn die Konkurrenz ist hoch. Der Rivale Deliveroo hat zudem Amazon als Investor im Hintergrund.

Dank der Zusammenlegung wollen die beiden Unternehmen innerhalb der nächsten vier Jahre 20 Millionen Euro einsparen. Bereits die Hälfte dieser Einsparungen erwartet Just Eat Takeaway.com im ersten Jahr. Der Deal soll bis Ende 2019 abgeschlossen werden.

Hedgefonds pochen auf besseres Angebot….

Allerdings zeigten sich einige Großaktionäre unzufrieden mit der Offerte. Mit Eminence Capital machte einer der 10 größten Aktionäre des Konzerns Stimmung gegen den Deal. Bereits vorher hat auch der Großaktionär Aberdeen Investment die Bewertung bereits in Frage gestellt. An Just Eat hält Eminence Capital mit seinem Fonds 4,4% aller Stimmrechte und hat den Deal öffentlich kritisiert. Der Investor bezeichnete die Prämie von 15% als sehr opportunistisch und nur vorteilhaft für die Takeaway-Aktionäre. Entsprechend kündigte er bereits an, gegen den Deal zu stimmen.

…..und werden mit der Prosus-Offerte belohnt

Jetzt wurden die Großanleger mit Ihrer Geduld belohnt. Denn die Internetholding Prosus, die zum südafrikanischen Medienriesen Naspers gehört, hat ein Gegenangebot präsentiert. Der Preis von 710 Pence pro Aktie ist nur auf den ersten Blick niedriger, da es sich um ein reines Barangebot handelt. Im Vergleich zum Schlusskurs bietet das Angebot eine Prämie von 20%.

Prosus investiert massiv in Lieferdienste

Prosus verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, das weltweit führende Essensliefergeschäft aufzubauen. Die Holding hält 23 % an der im MDax vertretenen Delivery Hero und ist auch bei iFood aus Brasilien und Swiggy aus Indien investiert. Delivery Hero hatte gegen Ende vergangenen Jahres das Deutschlandgeschäft an Takeaway verkauft. Infolgedessen halten die Berliner jetzt 14,9 % an dem Konkurrenten.

Das am Montag veröffentlichte Update zum dritten Quartal zeigt, dass sich das Wachstum von Just Eat spürbar abgeschwächt hat. Das Umsatzwachstum schwächte sich von 30% im Vorjahreszeitraum auf 25 % ab. Am Ausblick für das laufende Jahr hält der britische Konzern aber fest. Er erwartet enen Umsatz zwischen 1 und 1,1 Milliarde Pfund. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) soll zwischen 185 und 205 Millionen Pfund liegen.

Aktionäre setzen auf Bieterwettkampf

Während das Management von Just Eat noch zurückhaltend reagiert, reiben sich die Anleger schon einmal die Hände. Der Just Eat-Aktienkurs kletterte gestern bis auf 744 Pence und lag damit bereits deutlich über dem Preis der Übernahmeofferte. Die Investoren spekulieren also darauf, dass wir das Ende des Bieterwettstreits noch nicht gesehen haben.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.