Justizministerium klagt gegen TimeWarner-Übernahme durch AT&T

In den USA droht der 108 Mrd. Dollar schweren Übernahme des Medien-Unternehmens TimeWarner durch den Telekommunikations-Konzern AT&T das vorzeitige Aus.

Das US-Justizministerium hat gestern am Bundesgericht in Washington Klage gegen die Milliarden-Übernahme eingereicht.

Zur Begründung führt das Ministerium Wettbewerbs-Bedenken an, die zu höheren Preisen für amerikanische Familien und weniger Innovation führen würden.

A&T setze die populären TimeWarner-Programm-Inhalte als Waffe ein, um den Wettbewerb zu schädigen.

AT&T hält an Übernahme-Plan fest und will das Gericht entscheiden lassen

Die Klage kommt nicht unerwartet, und Bieter AT&T hatte bereits für diesen Fall vorgesorgt.

Der Telekom-Riese kündigte direkt nach Einreichung der Klage an, dass man dennoch an dem Deal festhalten wolle.

Die Vorwürfe des Justizministeriums seien ohne legitime Begründung.

Denn es handelt sich um eine (vertikale) Übernahme in einem Bereich, von dem kein Wettbewerber betroffen ist, sagte der AT&T-Chefanwalt David McAtee.

Man rechne mit Gleichbehandlung wie bei anderen vertikalen Übernahmen und entsprechender Freigabe durch das Gericht.

Gemeint sein könnte hierbei die 2011er-Übernahme von NBC Universal durch Comcast.

Unternehmens-Boss Randall Stephenson kann den Standpunkt des Justizministeriums ebenfalls nicht verstehen.

Und so ließ er wissen, dass er in seiner Karriere schon an etlichen Übernahme-Deals beteiligt war, doch dass die Positionen noch nie so weit auseinander gelegen hätten.

Retourkutsche für ungeliebte CNN-Berichterstattungen?

Die Übernahme ist auch politisch brisant, da zum TimeWarner-Imperium der Nachrichten-Sender CNN gehört.

Diesem hat US-Präsident Donald Trump bereits mehrfach die Verbreitung von „Fake News“ vorgeworfen.

Trump sieht sich dort wiederholt ins schlechte Licht gerückt und hatte sich schon im Wahlkampf öffentlich gegen den Deal gestellt.

Dass sich das Justizministerium nun – aus Sicht von Kritikern – mit eher allgemeinen Bedenken gegen den Deal stellt, wird als Einmischung gewertet, um CNN von TimeWarner abzuspalten.

Dass CNN im Zuge des Deals allerdings verkauft wird, wurde von AT&T kategorisch ausgeschlossen.

Investoren reagieren gelassen – Aktienkurse hatten Klage schon eingepreist

An der Börse sorgte die Klage für keine nennenswerten Kursreaktionen beim Bieter oder bei dem Übernahme-Kandidaten.

Während die AT&T-Aktie vorbörslich unverändert notiert, verliert die TimeWarner-Aktie rund 1%.

Die könnte daran liegen, dass die Klage-Absicht bereits im Vorfeld in den Medien die Runde machte.

Die Ungewissheit über den Deal-Ausgang beschäftigt Investoren allerdings schon seit längerer Zeit und hat den Papieren der beiden Unternehmen bereits zugesetzt:

So musste die TimeWarner-Aktie allein im vergangenen Monat ein Minus von 14% hinnehmen.

Mit aktuell 87,71 Dollar notiert das Papier des Übernahme-Kandidaten fast 20% unter dem von AT&T angebotenen Cash und Aktien-Übernahmepreis.

Dies ist ein Zeichen dafür, dass nicht wenige Investoren ein Scheitern des Deals erwarten.


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21. November 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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