Kann ein Land die Euro-Zone überhaupt verlassen?

Liebe Leser,
in den vergangenen Tagen hat es auch von deutschen Politikern wieder verstärkt die Forderung gegeben, dass Griechenland den Euro doch verlassen soll.Auch ist wieder zu hören, dass ein Ausscheiden Deutschlands eine Option sei, die Euro-Krise zu lösen. Was ist von solchen Positionen zu halten?

Genau zu diesem Thema haben die Analysten der Schweizer Bank UBS in dieser Woche einen bemerkenswerten Report veröffentlicht. Der Titel gibt schon die Richtung vor: Euro Break-Up – The Consequences. Also die Konsequenzen eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone.
Allein der erste Satz ist schon ein Schlag ins Kontor: „Eigentlich sollte der Euro nicht existieren.“ Kurz danach heißt es noch: „Warum wird das Auseinanderbrechen überhaupt aktuell in Betracht gezogen? Das passiert doch nur, weil der Euro in seiner aktuellen Form nicht funktioniert.“
Viele Staaten – und dazu zähle ich auf jeden Fall auch uns in Deutschland – wären viel besser dran, wenn sie der europäischen Währungsunion überhaupt nicht beigetreten wären, so die UBS-Experten weiter.
Aus der sicheren Position einer Schweizer Bank kann man sicherlich anders argumentieren als von Frankfurt aus, dem Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB). Aber was Stephane Deo und seine Kollegen hier bieten, ist ein Lehrstück und meiner Einschätzung nach eine Pflichtlektüre für alle relevanten Politiker in Europa.
Grundsätzlich halten es die UBS-Experten juristisch für unmöglich unter den aktuell geltenden Regelungen, dass ein Land entweder freiwillig oder unter Druck die Währungsunion verlässt. Diese Option wurde von den Gründungsvätern der Währungsunion wohl bewusst ausgeschlossen.
Alle EU-Staaten müssten über Austritt verhandeln
Selbst wenn es aber zu Verhandlungen über den Austritt kommen sollte, müsste ein solches Land nicht nur mit der Euro-Zone sondern auch mit der gesamten EU – also allen 27 Mitgliedsstaaten –verhandeln.Allein an diesem Punkt wird klar: Das wäre ein Ding der Unmöglichkeit.

Im weiteren Verlauf schieben die UBS-Experten die rechtlichen Bedenken beiseite und listen exemplarisch die Folgen und auch die Kosten für einen Austritt eines schwachen Landes aus der Euro-Zone auf. Die Berechnungen bezeichnen sie selbst als konservativ und das sehe ich auch so.
Bei der Annahme eines teilweisen Zahlungsausfalls, eines zu erwartenden Sturms auf die Banken und massiver Einschränkungen des Handels berechnen die UBS-Experten einmalige Kosten für den Euro-Austritt zwischen 9.500 und 11.000 Euro pro Bürger.Dazu kommen dann noch weitere jährliche Kosten zwischen 3.000 und 4.000 Euro bis zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit des Landes auf Basis der neuen nationalen Währung.

Allein schon an dieser kurzen Auflistung sehen Sie, welche enormen Kosten ein Austritt eines Landes aus der Euro-Zone hätte. Diesem Thema werde ich mich in den nächsten Wochen noch weiter widmen, denn bei den hohen Wellen, die derzeit die Euro-Krise schlägt ist der Austritt immer wieder eine diskutierte Option.Vor allem wie sähe es denn aus, wenn ein starkes Land wie Deutschland die Euro-Zone verlassen würde? Auch auf diese Frage gibt es aktuelle Antworten.

Herzlichst Ihr
Günter Hannich

9. September 2011

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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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