Kann Trump die Eskalation am Golf für sich nutzen?

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Nach Brexit und Handelsstreit 2019 zeichnen sich fürs neue Jahr bereits zwei Themen ab: US-Wahlkampf und Eskalation in der Golfregion. (Foto: Evan El-Amin / Shutterstock.com)

Der Handelsstreit zwischen den USA und China scheint auf eine Lösung zuzusteuern, der Brexit zum Monatsende ist praktisch beschlossene Sache – die beiden Großthemen des vergangenen Jahres, die die Märkte bewegt haben, könnten damit schon bald in den Hintergrund rücken.

Was im US-Wahljahr hingegen wieder ganz oben auf der Agenda stehen könnte, hat sich in den erst wenigen Tagen des neuen Jahres bereits abgezeichnet: In der Golfregion droht eine erneute Eskalation.

Wie Trump seine Verbündeten düpiert

So richtig zur Ruhe gekommen waren die meisten Länder der Region ohnehin nicht in den vergangenen Jahrzehnten. Diktatoren, Glaubenskrieger, Milizen und Anschläge sind an der Tagesordnung. Nun aber könnte es zu einem neuen heißen Krieg kommen – unter Beteiligung der USA, die Ende vergangener Woche überraschend per Militärschlag einen hochrangigen iranischen General gezielt getötet haben, auf Anweisung von US-Präsident Donald Trump.

Es ist bereits die zweite militärische Entscheidung, mit der der Präsident seine Verbündeten irritiert, nachdem er vor wenigen Wochen die US-Truppen aus Nordsyrien abziehen ließ – wo die Türkei im Anschluss umgehend einmarschierte. Die Kurdenmilizen, die in den vergangenen Jahren an der Seite der USA gegen den IS gekämpft hatten, fühlten sich im Stich gelassen. Und nun schlägt Trump den Iran vor den Kopf.

Das Verhältnis beider Länder war ohnehin angespannt, nicht zuletzt seit Trump den mühevoll ausgehandelten Atomkompromiss aufkündigte und Firmen, die Geschäfte mit dem Iran machen, mit dem Entzug von US-Aufträgen drohte. Nun aber droht eine völlige Eskalation des Konflikts und damit einhergehend eine nachhaltige Destabilisierung der gesamten Region.

Eskalation als Wahlkampfhilfe?

Die Prognosen zur Ölpreisentwicklung im neuen Jahr dürften rasch nach oben korrigiert worden sein. Zerstörte Ölanlagen, Angriffe auf Pipelines oder blockierte Seewege könnten die orchestrierte künstliche Verknappung überflüssig machen, mit der die Opec-Staaten seit einigen Jahren den Preis stabilisieren.

Eine alte Faustregel besagt, dass ein Land im Krieg seine Regierung nicht austauscht, sondern sich hinter seinem Anführer versammelt. Mit diesem Kalkül könnte Trump seinen Wahlkampf unterstützen und vom laufenden Impeachment-Verfahren ablenken. Klar ist: Der Mann braucht ein Thema, denn mit dem angestrebten Mauerbau entlang der Grenze zu Mexiko, die sich vor vier Jahren als Wahlkampfschlager im Trump-Lager erwiesen hat, wird er heute kaum noch jemanden hinter dem Ofen hervorlocken können.

Ein anderer Wahlkampfslogan von ihm lautete damals, er wolle die US-Truppen nach Hause holen und explizit auch aus der Golfregion abziehen. Im Hinblick darauf wird sich sein aktuelles Wahlkampfteam etwas Neues einfallen lassen müssen, um die Wähler zu überzeugen, Anfang November Trump ihre Stimme zu geben und ihm zu einer zweiten Amtszeit zu verhelfen.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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