Kapitalerhöhung bei Nordex benachteiligt die Kleinanleger

An und für sich ist so eine Kapitalerhöhung ja eine gute Sache. Anleger und Aktionäre erhalten die Möglichkeit, sich zu meist günstigen Konditionen an einem Unternehmen zu beteiligen und dem Unternehmen selbst fließt frisches Kapital zu, das als Eigenkapital zur Verfügung steht.

Mit dem frischen Geld können Schulden zurückgezahlt werden oder kann investiert werden, ohne dass man neue Kredite aufnehmen muss. Eigenkapital ist einfach günstig, aus Sicht der Controller muss man den Aktionären schlimmstenfalls dafür eine Dividende zahlen.

Auch die Altaktionäre profitieren von einer Kapitalerhöhung, wird ihnen doch meist ein ihrem bisherigen Aktienbesitz entsprechendes Bezugsverhältnis eingeräumt, dessen Wert den Kaufpreis für die neuen Aktien drückt und als Anreiz dient, erneut Kapital bereit zu stellen..

Soweit, so gut, dieser einfache Exkurs in das weitreichende Thema „Kapitalerhöhung“ soll genügen. Als Fazit nur so viel: Eine gut durchdachte und durchgeführte Kapitalerhöhung kennt nur Gewinner.

Nordex verärgert die Kleinanleger

Wie man es, ohne Ärger zu provozieren, nicht machen sollte, zeigt uns heute die Nordex SE aus Hamburg. Der Windkraftanlagenbauer gab gestern nach Börsenschluss bekannt, dass er sein Eigenkapital durch die Ausgabe von bis zu 7,3 Mio. neuer Aktien erhöhen werde.

Die neuen Aktien sollen in einem beschleunigten Platzierungsverfahren ausschließlich institutionellen Anlegern wie Banken, Fonds, Versicherungen und anderen Großanlegern angeboten werden bzw. wurden dort bereits in Vorgesprächen platziert.

Auch die beiden bisherigen Großaktionäre Ventus Venture Fund und Momentum Capital, die der BMW-Großaktionärin Susanne Klatten zuzuordnen sind,  ziehen mit und stocken ihre Anteile weiter auf. Das Ganze soll bereits heute zu Handelsschluss abgeschlossen sein.

Auf der Strecke bleiben die Kleinaktionäre. Obgleich die Zahl der frei handelbaren Aktien bei knapp 70% liegt, bleiben sie unberücksichtigt. Sie sind von der Kapitalerhöhung ausgeklammert, ja werden quasi noch dadurch bestraft, dass ihr Anteil am Unternehmen sinkt, während sich die Anteile der Großaktionäre erhöhen. Eine gewollte Verschiebung der Mehrheitsverhältnisse ohne Rücksprache oder Einflussmöglichkeit durch die Betroffenen.

Tagesverlierer im TecDAX – Aktie fällt unter 10,00 € zurück

Die Art und Weise der Durchführung ist zweifelhaft und daher verwundert es nicht, dass die Nordex-Kapitalerhöhung eher schlecht in der Wirtschaftspresse wegkommt. Von perfektem Timing ist die Rede, allerdings meint man damit, dass Nordex wohl den derzeit hohen Aktienkurs noch rasch ausnutzen möchte, bevor es mit diesem wieder bergab geht.

Denn, so die logische Folgerung, würden Vorstand wie Aufsichtsrat an eine Nachhaltigkeit des Börsenkurses über 11,00 € oder gar über dem Jahreshoch bei 14,00 € glauben, hätte man ja durchaus noch warten können. Weshalb also diese Eile, diese Hektik?

Auch wenn das Unternehmen dies strikt von sich weist, dieser Gedankengang findet durchaus Anhänger. Das Resultat zeigt sich heute Morgen zur Börseneröffnung im Aktienkurs. Er fällt um knappe -7% auf aktuell 10,15 €, damit führt die Nordex-Aktie die heutige Liste der Verlierer im TecDAX sehr deutlich an.

Der heutige Kurssturz hat auch Konsequenzen für die charttechnische Situation aus Sicht des Point&Figure-Trading. Sie sehen es im tagesaktuellen Point&Figure-Chart, der Absturz unter 10,00 € heute Morgen hat ein neues Point&Figure-Verkaufssignal ausgebildet. Bereits das zweite in diesem Monat, die beiden roten Kreise zeigen die jeweiligen Signale.

Nordex-Chart 27-11-2013

(anklicken zum Vergrößern)

Für den weiteren Kursverlauf der Aktien heißt das nichts Gutes, die abwärts gerichteten Kursziele der nahen Zukunft liegen  bei 9,00 € und 8,00 €, danach drohen 4,50 € und 3,00 €. Ein heftiger Absturz, der der Nordex-Aktie da bevorstehen könnte. Doch ob gerade die beiden letzten Stationen  angelaufen werden, daran darf man zweifeln.

Denn, Sie sehen es im Chart, bei derzeit 7,50 € liegt die nach wie vor intakte Aufwärtstrendlinie, die sog. Bullish-Support-Linie (grüne Linie). Hier sollte die Talfahrt spätestens stoppen und der Aufwärtstrend der vergangenen Monate wieder  aufgenommen werden.

Fazit: Vorerst sehen wir noch weiter nachgebende Kurse bei der Nordex-Aktie, aber auch bald wieder neue Kaufchancen. Wer den richtigen Einstiegszeitpunkt wissen und ihn nicht verpassen möchte, sollte Leser des Point&Figure-Tradier sein.

27. November 2013

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Von: René Neukirch. Über den Autor

René Neukirch, Jahrgang 1963, ist Händler. Parketthändler. Zumindest nannte man es damals, vor über 26 Jahre so. Mit nur 22 Jahren hatte er sich schon vom einfachen Bankkaufmann hochgearbeitet zum Parketthändler und ist seitdem der Leidenschaft Börse verfallen.

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