Kapitalerhöhungen: Das müssen Sie wissen

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Im Laufe Ihres Aktionärs-Lebens werden Sie immer wieder Kapitalerhöhungen erleben. Daher sollten Sie wissen, was es damit auf sich hat! (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

In den vergangenen Tagen haben mit Nanogate und Allgeier gleich zwei deutsche Unternehmen aus dem Nebenwerte-Sektor eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Eine solche Maßnahme betrifft wahrscheinlich jeden aktiven Aktionär im Laufe seines Aktionärs-Lebens alle 2 bis 3 Jahre.

Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, dieses doch recht komplexe Thema heute und morgen hier im Schlussgong für Sie so einfach wie möglich und so ausführlich wie nötig für Sie aufzubereiten.

Was sind Kapitalerhöhungen

Unter Kapitalerhöhung werden sämtliche Kapitalmaßnahmen verstanden, die auf eine Erhöhung des Eigenkapitals von Unternehmen abzielen und sowohl als Innenfinanzierung (durch einbehaltene Gewinne) als auch im Wege der Außenfinanzierung (durch externe Mittel; z.B. durch neue Aktien) durchgeführt werden können. Das Gegenteil einer Kapitalerhöhung ist die Kapitalherabsetzung.

Kapitalerhöhungen beruhen zumeist auf betriebswirtschaftlichen Ursachen und betreffen überwiegend Kapitalgesellschaften, weil deren Kapitalbedarf hoch ist und deren Haftungsmasse im Regelfall auf das Vermögen der Gesellschaft beschränkt ist.

Das Aktiengesetz (AktG) befasst sich in den §§ 182 bis 206 AktG sehr ausführlich mit den verschiedenen Arten der Kapitalerhöhung. Generell wird dabei zwischen der effektiven und der nominellen Kapitalerhöhung unterschieden.

Effektive Kapitalerhöhungen (und die sind für Sie entscheidend) führen zu einer betragsmäßigen Erhöhung des Eigenkapitals.

Nominelle Kapitalerhöhungen bedeuten eine Verschiebung zu Lasten der Rücklagen und zu Gunsten des Grundkapitals. Solche Kapitalerhöhungen sind aus Sicht der Aktionäre zu vernachlässigen, da es sich dabei um eine Form der Innenfinanzierung handelt.

Das bedeutet, dass keine Verwässerung Ihres Anteils am Unternehmen stattfindet. Was ich mit Verwässerung meine, werde ich Ihnen gleich noch erklären. Allen Kapitalerhöhungen ist gemeinsam, dass sie vorher durch die Hauptversammlung zu beschließen sind und erst rechtswirksam werden, wenn sie in das Handelsregister eingetragen worden sind.

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Mögliche Gründe für Kapitalerhöhungen

Bei der Umwandlung irgendeiner Rechtsform in eine Aktiengesellschaft kommt es oft zu Kapitalerhöhungen, weil die AG als kapitalintensivste Rechtsform gilt und deshalb rechtsformbedingter Nachholbedarf gesehen wird.

Kapitalerhöhungen sind aus betriebswirtschaftlichen Gründen erforderlich, wenn Investitionen geplant sind (Sachinvestitionen oder Beteiligungserwerb) und deren bisherige Deckungsquote durch Eigenkapital erhalten bleiben soll.

Ohne besondere Investitionspläne kommt es zu Erhöhungen des Eigenkapitals, wenn aus Bonitätsgründen (hier zur Steigerung der Kreditwürdigkeit) eine Steigerung der Eigenkapitalquote zur Verbesserung der Bilanzstruktur erforderlich ist, oder der Anteil des Fremdkapitals gesenkt werden soll, um die Zinsbelastungen zu reduzieren.

Die effektive Kapitalerhöhung

Hier unterscheidet das Gesetz zwischen ordentlicher, bedingter und genehmigter Kapitalerhöhung. Diese Formen stellen Außenfinanzierung dar, weil der Mittelzufluss von Quellen außerhalb der Gesellschaft erfolgt (z.B. durch Ausgabe von Aktien).

Der Regelfall ist der Zufluss von neuem Kapital durch eine ordentliche Kapitalerhöhung. Diese wird in den §§ 182 bis 191 AktG geregelt.

Sie setzt einen satzungsändernden Beschluss der Hauptversammlung voraus (§ 182 AktG) und wird durch Ausgabe junger Aktien zu einem festgelegten Emissionspreis (Ausgabepreis), der nicht unter dem Nennwert liegen darf (§ 9 AktG), umgesetzt.

Morgen erfahren Sie in einer Fortsetzung, welche Formen der effektiven Kapitalerhöhung es gibt und wie Sie als Aktionär sich bei Kapitalerhöhungen verhalten können bzw. sollten.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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