Kapsch-Aktie: Mautspezialist setzt Erholungskurs fort

Bei Kapsch soll Abhängigkeit von Großprojekten reduziert werden - der Firmenchef stellt eine Trendwende in Aussicht. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Satz mit X, das war wohl nichts. Kaum passender könnte ein Satz zu treffen. Denn wer zu Jahresbeginn bei der Aktie des Mautspezialisten Kapsch aus Österreich eingestiegen ist, braucht starke Nerven. Immerhin sackten die Papiere von knapp 50 Euro bis auf zwischenzeitlich 36 Euro in den Keller. Doch mittlerweile hat sich die Aktie wieder stabilisiert und gehörte mit einem Tagesplus von über 6% am vergangenen Donnerstag zu einem der stärksten Werte am österreichischen Aktienmarkt.

Die Anleger scheinen jetzt wieder verstärkt auf die langfristigen Perspektiven des Konzerns zu schauen. Denn das Familienunternehmen profitiert auf Grund seiner beherrschenden Stellung im Markt für die elektronische Maut-Erhebung von dem steigenden Verkehrsvolumen. Zugleich baut die Firma ihre Position in den Bereichen für intelligente Transport-Systeme kontinuierlich aus.

Kapsch im Portrait

Auch wenn vielen Anleger in Deutschland der Firmenname Kapsch TrafficCom wenig sagen wird: Es handelt sich bei der Firma um einen gut positionierten Spezialisten. Kapsch ist nämlich ein weltweit führender Anbieter für Straßen-Telematik. Was bedeutet das konkret?

Kapsch ist ein Anbieter von Verkehrs-Telematik-Lösungen. Das Unternehmen entwickelt vorrangig elektronische Mautsysteme und bietet den technischen und kommerziellen Betrieb dieser Systeme an. Außerdem bietet die Firma Verkehrs-Management-Lösungen mit den Schwerpunkten Verkehrs-Sicherheit und Verkehrs-Steuerung, elektronische Zutritts-Kontrollsysteme, vollautomatische Video-Detektion und Systeme zur Parkraum-Bewirtschaftung an.

Das Unternehmen hat seinen Sitz in Wien und verfügt über Tochter-Gesellschaften und Repräsentanzen in 33 Ländern.

Gewinnrückgang drückt auf Aktienkurs

Auch wenn Kapsch von strukturellem Wachstum profitiert – die Gewinnentwicklung ließ zuletzt zu wünschen übrig. Denn trotz gestiegener Umsätze konnten die Gewinne nicht Schritt halten. Während sich im vergangenen Jahr unter dem Strich die Umsätze auf 693,3 Millionen Euro erhöhten (+6,9% zum Vorjahr), brach der Gewinn deutlich auf 28,7 Millionen Euro ein. Das entspricht immerhin einem Rückgang von gut einem Drittel.

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Als Gründe für den Ergebniseinbruch führte Kapsch einen positiven Einmaleffekt an, der das Ergebnis im Vorjahr künstlich nach oben getrieben hat. Zudem hätten Wechselkurseinbußen das aktuelle Ergebnis gedrückt.

Großauftrag in Tschechien geht wahrscheinlich flöten

Die Geschäftsentwicklung und der wahrscheinliche Verlust des Betriebs des elektronischen Mautsystems in Tschechien drückten zuletzt auf die Stimmung. Auch in Polen läuft ein Auftrag für Kapsch mit November aus. Das dortige Mautsystem wird dann verstaatlicht. Ob Kapsch hierbei noch eine Rolle spielen wird, muss sich erst noch zeigen.

Kleinere Aufträge und geringe Schwankungen

Mit vielen kleineren Aufträgen sollen die Verluste kompensiert und zukünftig die Schwankungen deutlich reduziert werden. Hoffnungen setzt Kapsch insbesondere in Afrika und die USA, zwei besonders dynamisch wachsende Märkte. Einiges haben die Österreicher bereits in trockenen Tüchern. So konnte Kapsch in Sambia die landesweite Konzession für Verkehrssicherheit und Verkehrsmanagement mit 17 Jahren Laufzeit gewinnen. Dieses Projekt sollte in den ersten drei Jahren einen Umsatz von 90 bis 110 Millionen Euro abwerfen.

Trendwende eingeläutet

Trotz all der Widrigkeiten stellt Firmenchef Georg Kapsch für dieses Jahr die Trendwende in Aussicht. Geht es nach Kapsch, so sollen in diesem Jahr sowohl der Umsatz als auch das Vorsteuerergebnis EBIT um rund 10% steigen. Mittelfristig peilt der Konzern wieder eine EBIT-Marge von 10% an. Für Sie zum Vergleich: Im zurückliegenden Geschäftsjahr ist die Vorsteuermarge von 9,3 auf 7,2% zusammengeschmolzen.

Unterdessen können sich die Anleger über eine konstante Dividendenpolitik freuen. Trotz des Gewinneinbruchs wird Kapsch eine Dividende von 1,5 Euro je Aktie zahlen. Auf dem aktuellen Kurs ist das immerhin eine Dividendenrendite von 3,6%.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.