Kapsch-Aktie: Telematik-Konzern kappt Gewinnziel

Vielen von Ihnen ist die Kapsch-Aktie wahrscheinlich noch kein Begriff.

Bei dem österreichischen Familien-Unternehmen handelt es sich aber um einen führenden Telematik-Spezialisten, der einen beeindruckenden Turnaround hingelegt hat.

Immerhin kletterten die Erlöse in den letzten 10 Jahren um gut 350% auf 526,1 Mio. €. Nach 3 Jahren mit durchwachsenen Margen schnellte auch die Gewinnrendite zuletzt auf 5,91% in die Höhe.

Kein Wunder also, dass sich auch die Aktie in den letzten 2 Jahren mehr als verdoppelt hat. Doch jetzt kam die Aufwärts-Bewegung ins Stocken.

Für Verunsicherung sorgte auch das reduzierte Gewinnziel der Konzern-Führung. Was es damit auf sich hat und wie die langfristigen Perspektiven des Konzerns aussehen, erfahren Sie hier.

Kapsch im Porträt

Die Kapsch TrafficCom AG ist ein Anbieter von Verkehrstelematik-Lösungen.

Das Unternehmen entwickelt vorrangig elektronische Mautsysteme und bietet den technischen und kommerziellen Betrieb dieser Systeme an.

Außerdem bietet die Firma Verkehrsmanagement-Lösungen an mit den Schwerpunkten:

  • Verkehrssicherheit und Verkehrssteuerung,
  • elektronische Zutrittskontrollsysteme,
  • vollautomatische Videodetektion
  • und Systeme zur Parkraum-Bewirtschaftung.

Viel mehr als nur Mautsysteme

Die Entwicklung der österreichischen Firma ist dabei durchaus beeindruckend:

Zu Beginn hat sich der Konzern als Lieferant für Mautsysteme für Autobahnen positioniert.

Später wurde das Produkt-Portfolio um Verkehrs-Leitsysteme für Autobahnen, Tunnels und Brücken ergänzt.

Weil Mautsystem und Verkehrs-Management immer stärker zusammenwachsen, ist es logisch, dass mittlerweile auch Lösungen für intelligente Mobilität in der Stadt angeboten werden.

Seit 2007 beschäftigen sich Kapsch mit der Kommunikation zwischen Fahrzeugen sowie zwischen Fahrzeug und Infrastruktur.

Hohe wiederkehrende Erlöse

Der Charme in dem Geschäftsmodell von Kapsch liegt in der guten Planbarkeit der Erlöse.

Denn wenn ein Mautsystem erst installiert ist, dann rollen jedes Jahr Erlöse für den Betrieb und die Wartung der Systeme in die Kassen der Österreicher.

So wurden in den vergangenen Jahren z. T. mehr als 70% der Umsätze mit wiederkehrenden Erlösen erzielt.

Schneider-Deal belastet Gewinnrendite

Um sich stärker in den Städten zu positionieren, übernahm Kapsch im Frühjahr dieses Jahres die Transportation-Sparte von Schneider Electric.

Mit dem Zukauf haben die Österreicher jetzt die passenden Produkte, um den Verkehr durchzulotsen – sei es über die Steuerung von Ampel-Systemen, Verkehrsinformations-Zentralen oder über intelligente Parksuch-Hilfen.

Durch den Schneider-Deal sind bei dem börsennotierten Mautsystem-Anbieter rund 900 Mitarbeiter und 110 Mio. € Umsatz hinzugekommen.

Allerdings liegt die Rendite des übernommenen Geschäfts noch unter den Margen der Kapsch-Gruppe.

Damit ist klar, dass der Zukauf des ehemaligen Schneider-Geschäfts, nicht zuletzt auch wegen der hohen Integrations-Kosten, vorrübergehend belasten wird.

Konstante Dividenden-Politik

Wie hoch die Gewinne ausfallen werden, ist noch unklar, da die Konzern-Führung keine konkrete Prognose gegeben hat. Auf lange Sicht sehen die Aussichten aber unverändert gut aus.

Ende November hat das Unternehmen den neuerlichen Zuschlag für das österreichische Mautsystem erhalten. Weitere Ausschreibungen stehen in den Startlöchern.

Unterdessen kündigte Kapsch an, an seiner Dividenden-Politik festzuhalten; mindestens 1/3 des Gewinns soll in Form von Dividenden an die Aktionäre fließen.

Dabei wird eine Basis-Dividende von 1 € je Papier angepeilt. Damit ergibt sich auf dem aktuellen Kursniveau eine Dividendenrendite von knapp 2,8%.

28. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

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