Kapsch: Mautspezialist will mit innovativen Lösungen bei Autofahrern punkten

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Geht es wieder aufwärts für den Mautspezialisten Kapsch? Für das Geschäftsjahr 2019/20 peilt der Konzern ein Umsatzwachstum von mindestens 5 % an. (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

Für die Aktionäre des österreichischen Verkehrstelematik-Konzerns Kapsch waren es keine guten Zeiten: Auf Sicht der letzten 12 Monate sackten die Papiere 22% in den Keller. Damit entwickelten sich die Papiere deutlich schwächer als der österreichische Aktienindex ATX, der im gleichen Zeitraum um 9% an Wert zulegen konnte. Zumindest scheinen sich die Analysten einig zu sein, was den Wert des Unternehmens angeht. Denn alle vier Experten haben mit 30 Euro das exakt gleiche Kursziel.

Kapsch im Portrait

Die Kapsch Gruppe ist ein österreichisches Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von Straßentelematik spezialisiert hat. Verwendet werden diese für Mauteinhebung, Stadtzugangsregelung, Road Safety Enforcement, Commercial Vehicle Operations, Electronic Vehicle Registration, Traffic Management und V2X Cooperative Systems. Die Produkte sind als Subsysteme kombinierbar, können aber auch als Komplettlösung erworben werden.

Die Kernkompetenz liegt bei elektronischen Mautlösungen, wo von Autobahn- und Bereichsmaut über konventionelle Mautstationen bis zu Spurenmautsystemen ein breites Spektrum an Systemen geboten wird. Das Unternehmen ist mit seinen Produkten weltweit vertreten und betreibt beispielsweise das Tschechische LKW-Mautsystem.

In 2018 gingen bei Kapsch 737 Millionen Euro an Umsatz durch die Bücher. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 47,8 Millionen Euro hängen.

App für Autofahrer kurz vor Marktstart

Dabei versucht sich der Mautdienstleister zukünftig breiter aufzustellen. Die Gesellschaft macht ihre Umsätze vor allem mit Staaten, doch jetzt soll das Geschäft mit Konsumenten dazu kommen. Geplant sind Apps für Autofahrer etwa zur Buchung von Mautgebühren. Auf US-Autobahnen hat Kapsch bereits sogenannte “Hot Lanes” implementiert, das sind Fahrspuren, “wo Sie dafür bezahlen, dass Sie dort fahren dürfen”, wie Firmenboss Georg Kapsch erklärte.

Das Besondere daran: Die Tarife passen sich permanent (Im 5-Minuten-Rhythmus), je nach Verkehrsaufkommen, an. Sind mehr Autos auf der Straße unterwegs, wird die Spur teurer als bei weniger Andrang.

Vernetzung von Fahrzeugen gewinnt zunehmend an Bedeutung

Dabei kommt die aktuelle Entwicklung nicht von ungefähr. Kapsch hat in den vergangenen Jahren Expertise sowohl bei Mobilitätsdienstleistungen als auch bei der Vernetzung von Fahrzeugen mit der Infrastruktur kräftig investiert. So wurde 2017 die Mehrheit am Wiener Qando-Erfinder Fluidtime erworben und in den USA in die Firma Traffic Technology Services (TTS) investiert. TTS kommuniziert Ampelschaltdaten in die Fahrzeuge, also ob die Ampel in drei Sekunden auf rot schaltet oder in fünf Sekunden grün wird. Kapsch erwartet, dass diese Technologie für selbstfahrende Autos von großer Bedeutung sein wird.

Kapsch bringt 100 Mio. USD-Großauftrag in trockene Tücher

Zudem konnten die Österreicher kurz vor Weihnachten einen aussichtsreichen Großauftrag in den USA eintüten. Der Konzern wird ein Mautsystems errichten. Damit dürften mehr als 100 Millionen Dollar in die Kassen gespült werden. Das Gesamtprojekt umfasst den Bau einer vierspurigen Brücke, welche die bestehende Verkehrsinfrastruktur (eine Brücke und einen Tunnel) ersetzen wird. Das Projekt soll im Januar 2020 beginnen und hat eine Gesamtlaufzeit von rund 34 Jahren: etwas über vier Jahre für die Errichtung der Brücke und 30 Jahre Betrieb und Wartung.

5% Wachstum angepeilt

Für das Geschäftsjahr 2019/20 peilt der Konzern ein Umsatzwachstum von mindestens 5 %. Das soll gelingen, obwohl damit zu rechnen ist, dass einige umsatzstarke Projekte auslaufen werden und das Projekt in Polen einen deutlich niedrigeren Umsatzbeitrag leisten wird. Der wichtigste Wachstumsmarkt in den nächsten Jahren ist Nordamerika (USA und Kanada). Unterdessen soll der operative Gewinn (EBIT) in einer ähnlichen Größenordnung zulegen.

Der mittelfristige Ausblick bleibt unverändert: Bei der EBIT-Marge wollen die Österreicher die 10% auf Gruppenebene knacken. Sollte dies gelingen, dürfte das auch der Aktie wieder nachhaltig Auftrieb verleihen.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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