Kapsch: Talfahrt des Mautspezialisten setzt sich ungebremst fort

Abschreibung Symbolbild Münzstapel_shutterstock_549124294_Jinning Li

Kapsch-Aktie: Kurs des Telematikspezialisten nähert sich 12-Jahres-Tief. Umsatzeinbruch, Verluste und gestrichene Dividende. Anlegenerven werden spürbar strapaziert (Foto: Jinning Li)

Ein Trauerspiel ist die Kursentwicklung des österreichischen Spezialisten für Mautsysteme in diesem Jahr. Die rasante Kurserholung seit der Corona-Delle im März ging spurlos an den Papieren vorbei. Seit dem Jahreswechsel summieren sich die Verluste auf über 50%. Gerade erst hat die Aktie ein neues 12-Jahrestief erreicht.

Kapsch im Portrait

Die Kapsch Gruppe ist ein österreichisches Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von Straßentelematik spezialisiert hat. Verwendet werden diese für Mauteinhebung, Stadtzugangsregelung, Road Safety Enforcement, Commercial Vehicle Operations, Electronic Vehicle Registration, Traffic Management und V2X Cooperative Systems. Die Produkte sind als Subsysteme kombinierbar, können aber auch als Komplettlösung erworben werden.

Die Kernkompetenz liegt bei elektronischen Mautlösungen, wo von Autobahn- und Bereichsmaut über konventionelle Mautstationen bis zu Spurenmautsystemen ein breites Spektrum an Systemen geboten wird. Das Unternehmen ist mit seinen Produkten weltweit vertreten und betreibt beispielsweise das Tschechische LKW-Mautsystem.

Umsatz sackt um ein Viertel in den Keller

Im zurückliegenden Quartal rutschte das Unternehmen tief in die roten Zahlen. Der Umsatz schrumpfte um 25,6% auf 138,5 Millionen Euro zusammen. Dieser Rückgang war im Wesentlichen auf Entwicklungen in der EMEA-Region (Europa, Mittlerer Osten, Afrika) zurückzuführen. Hier schlugen sich im letzten Jahr noch Umsätze von mittlerweile beendeten Projekten zu Buche: die zwei Projekte zur deutschen Infrastrukturabgabe, der Betrieb des landesweiten Mautsystems in Tschechien sowie die Errichtung des landesweiten Mautsystems in Bulgarien.

Das alleine erklärt einen Umsatzrückgang von rund 38 Millionen Euro. Auch das nach einem EuGH-Urteil beendete Mautprojekt in Deutschland belastet das Geschäft – hier kämpft Kapsch um Schadenersatz.

Kunden in Afrika sorgen für Probleme

Zu den Sorgenkindern zählt unter anderem auch der Ableger in Sambia. Sie müssen wissen: Kapsch hält 51% an der Intelligent Mobility Solutions Limited und ist damit an einem umfangreichen Projekt für Road Safety Enforcement beteiligt.

Bereits im letzten Jahr wurden bei der Beteiligung hohe Abschreibungen (27 Mio. Euro) fällig und die Situation hat sich seither nicht verbessert. Insider berichten, dass das Riesenprojekt gefloppt sei und  der Kunde seinen Zahlungspflichten nicht nachkomme. Offenbar bricht Kapsch jetzt in dem im südlichen Afrika gelegenen Land die Zelte ab. Auch die Landesgesellschaft Kapsch Trafficcom South Africa Holding stehe kurz vor der Schließung.

Rote Zahlen im Corona-Quartal

Die schwierige Entwicklung sorgte auch bei der Gewinnentwicklung für deutliche Bremsspuren. Das Vorsteuerergebnis (EBIT) brach massiv ein. Stand im Vorjahresquartal noch ein Gewinn von 4,6 Millionen Euro in den Büchern, musste Kapsch nun ein Minus von 11,6 Millionen Euro verkraften. Unter dem Strich sackte der Nettogewinn von 2,5 Millionen Euro auf -10 Millionen Euro in den Keller. Je Aktie entspricht das einem Verlust von 0,77 Euro nach 0,19 Euro Gewinn im Vorjahr.

Kapsch lässt den Rotstift kreiseln

Aufgrund des Corona-bedingt schleppenden Geschäfte setzt Kapsch nun auf ein rigides Sparprogramm. International sollen rund 400 Arbeitsplätze gestrichen werden, davon bis zu 40 in Österreich. Auch Kündigungen solle es geben. Die österreichische Zeitung der “Standard” berichtete unter Berufung auf Insider über ein Restrukturierungsprogramm. Das Unternehmen selbst bestätigte aber keine Details.  Die Gesellschaft verwies hingegen auf das angelaufene Transformationsprogramm, das Umstrukturierungen unvermeidbar mache.

Dividende wird gestrichen

Auch für die zukünftige Entwicklung zeigt sich die Konzernführung wenig zuversichtlich. Die Auswirkungen der Krise sind weiterhin nicht absehbar und die Planbarkeit für das zweite Halbjahr gering. Daher soll der ursprüngliche Dividendenvorschlag von 0,25 Euro je Aktie auf der Hauptversammlung am 09. September gestrichen werden.

Aktienkurse – Jirapong Manustrong – shutterstock_573121573

Shareholder Value Beteiligungen AG mit guten ZahlenDie Shareholder Value Beteiligungen AG hat Zahlen vorgelegt. Nach einem Fehlbetrag im Vorjahr konnte 2019 wieder ein Jahresgewinn erzielt werden. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Rene König. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz