Kassa oder variabel? Die richtige Wahl bei Wertpapierorders

Liebe Leserinnen und Leser von Bankkunden-vertraulich,

Was ist der Unterschied zwischen „Kassa“ und „variabel?“ – so lautete kürzlich eine Leseranfrage.

Denn zwischen diesen beiden Orderzusätzen haben Sie üblicherweise die Wahl, wenn Sie ein Wertpapier kaufen wollen. Die wenigsten Anleger wissen, welche Bewandtnis es damit hat.

Zur Erklärung: Der „Kassa-Kurs“, auch „Einheitskurs“ genannt, ist gewissermaßen ein Relikt aus Zeiten, als Wertpapierorders in geringer Stückzahl noch ein Problem darstellten.

Man sammelte alle Orders, die an einem Tag aufliefen, ermittelte 1-mal am Tag (i. d. R. mittags) einen Durchschnittspreis und führte die bis dahin aufgelaufenen Orders dann zu diesem Kurs aus.

Diese einheitliche Kursfeststellung gibt es auch heute noch. Sie nennt sich an den Präsenzbörsen „Kassa-Handel“. Auf dem elektronischen Handelsplatz Xetra heißt es „Auktions-Handel“.

Dieser findet meist sogar 2-mal pro Börsentag statt, 1-mal als Eröffnungsauktion um 9:00 Uhr und 1-mal als Schlussauktion gegen 17:30 Uhr. „Kassa-Handel“ ist noch gebräuchlich,

  • wenn der Kunde dies ausdrücklich wünscht,
  • bei Aktien, die nicht zum variablen Handel zugelassen sind,
  • bei wenig liquiden Aktien, bei denen eine fortlaufende Notierung aufgrund geringer Börsenumsätze nicht ohne Weiteres möglich ist oder
  • bei sehr geringen Stückzahlen (obwohl heute dank computergestützter Handelssysteme selbst die Stückzahl 1 kein Problem mehr ist).

Der Gegensatz zu „Kassa“ lautet „variable -“ oder „fortlaufende Kursfeststellung“.

Hier werden die Kurse immer wieder neu während des gesamten Handelstages festgestellt; also nach den laufend eingehenden Kauf- und Verkaufsaufträgen, die miteinander abgeglichen werden und dann zum jeweils aktuell ermittelten Kurs ausgeführt werden.

Wenn Sie also künftig die Wahl haben zwischen „Kassa“ und variabel, wissen Sie: Mit „variabel“ liegen Sie in aller Regel richtig.

Wozu ein Stopp-Buy-Limit gut ist

Dass ein Stopp-Loss-Limit nötig ist, leuchtet Ihnen als Anleger sicher ein: Mit diesem Limit sorgen Sie dafür, dass automatisch verkauft wird, sobald eine vorher von Ihnen definierte Marke berührt oder unterschritten wird.

Wozu aber soll ein Stopp-Buy-Limit gut sein?

Stopp-Buy-Limits funktionieren genau spiegelbildlich zum Stopp-Loss-Limit: Hier wird ein Wertpapier erst gekauft, wenn die Stopp-Buy-Marke berührt oder überschritten wird.

Die Begründung für eine solche Stopp-Buy-Marke liegt in der Chart-Technik: Oft gibt es psychologische Hürden, über die hinaus ein Kurs lange Zeit nicht ansteigt.

Es ist, als schreckten die Investoren stets davor zurück, langfristig in das betreffende Wertpapier zu investieren. Die Chart-Techniker nennen das „Widerstand“ oder „Widerstandslinie“.

So ist in diesem Sommer beispielsweise der Dax nicht nennenswert über die 8000er-Marke hinausgekommen. Immer wenn er knapp darunter oder darüber war, setzten Gewinnmitnahmen ein.

Würde der DAX diese Marke nun deutlich nach oben durchbrechen, würden viele Chart-Techniker darin ein klares Kaufsignal sehen. Das nämlich wäre ein Zeichen dafür, dass die Investoren wieder Vertrauen in den Markt fassen und beherzt zukaufen.

Wenn sie keine Lust haben, das Wertpapier Ihrer Wahl ständig zu beobachten um den Zeitpunkt abzupassen, wenn der Kurs die Widerstandslinie durchbricht, sind Stopp-Buy-Marken hilfreich:

Setzt nach längeren Seitwärtsbewegung plötzlich ein klarer Aufwärtstrend ein, wird eine Aktie, ein Optionsschein, ein Zertifikat oder ein Indexfonds automatisch gekauft. Den Stopp-Buy-Limit setzen Sie üblicherweise etwas oberhalb der Widerstandslinie.

Vermögen auf Kinder übertragen: Legen Sie eine Nichtveranlagungs-Bescheinigung vor

Ein bürokratisches Monstrum ist das Wort „Nichtveranlagungs-Bescheinigung“. Aber dahinter verbirgt sich etwas Sinnvolles:

Mit einer solchen Bescheinigung können Sie nämlich erreichen, dass Einkünfte aus Kapitalanlagen steuerfrei bleiben, selbst wenn sie den Sparerfreibetrag und die Werbungskosten-Pauschale überschreiten.

Bekommen kann diese Bescheinigung jede Person, die voraussichtlich keine Einkommensteuer zahlen muss, also beispielsweise Kinder oder Jugendliche, die so geringe Einkünfte haben, dass sie unter dem Grundfreibetrag für die Einkommensteuer bleiben.

Wenn Sie einen Teil Ihres Vermögens beispielsweise jetzt schon auf Ihre Kinder oder Enkel übertragen wollen, dann achten Sie auch darauf, eine Nichtveranlagungsbescheinigung für sie zu bekommen.

Wenn das Kind diese der Bank vorlegt, führt das Kreditinstitut keine Zinsabschlagsteuer ans Finanzamt ab.

Beantragt wird eine Nichtveranlagungsbescheinigung stets beim zuständigen Finanzamt. Wird sie erteilt, gilt sie für maximal 3 Jahre.

Wer eine solche Bescheinigung hat, braucht sich dann auch über Freistellungsaufträge keine Gedanken mehr zu machen: Denn dann wird grundsätzlich keine Steuer direkt von der Bank ans Finanzamt mehr abgeführt.

Glossar heute: Freistellungs-Bescheinigung, Kassa-Handel und variable Kursfeststellung

Freistellungsbescheinigung: Normalerweise führt die Bank die Steuern, die auf Ihre Zinserträge entfallen, als so genannte Zinsabschlagssteuer direkt ans Finanzamt ab. 25% der Zinserträge werden einbehalten und an den Fiskus weitergeleitet.

Allerdings gilt: Einnahmen, die unter dem Sparerfreibetrag und der Werbungskostenpauschale von insgesamt 801 € pro Person und Jahr bleiben (bei Ehepaaren 1.602 €), brauchen nicht versteuert zu werden.

Damit die Bank auf diese Einkünfte erst gar keine Steuer abführt, sollten Sie eine Freistellungsbescheinigung ausfüllen. Der Betrag, den Sie darin eintragen, bleibt steuerfrei.

Kassa-Handel: Neben der fortlaufenden Kursnotierung findet an den Börsen 1- bis 2-mal am Tag eine Art Versteigerung statt, bei der einfach ein Durchschnittskurs der bis dahin aufgelaufenen Kauf- und Verkaufsorders gebildet wird.

An den Präsenzbörsen nennt sich diese Versteigerung „Kassa-Handel“, auf der elektronischen Börsenplattform Xetra spricht man vom „Auktions-Handel“.

Variable Kursnotierung: Im Gegensatz zum Kassa-Handel wird im variablen Handel der Kurs ständig neu berechnet. Er ändert sich durch Angebot und Nachfrage und wird fortlaufend notiert. Das ist heute für die meisten Wertpapiere der Regelfall.

9. November 2007

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Dr. Erhard Liemen. Über den Autor

Dr. Erhard Liemen ist Chefredakteur verschiedener, international renommierter Informationsdienste. Seit 1996 betreut er den angesehenen und erfolgreichen Dienst "Der Deutsche Wirtschaftsbrief".

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