Kaufalarm im DAX?

Der DAX hat am Donnerstag den Abwärtstrend seit Januar durchbrochen: Ist die Zeit reif für einen Einstieg? (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Etwas überraschend ignoriert der DAX zum Wochenauftakt die schlechte Freitagsvorgabe der Wall Street: Die US-Indizes hatten im Schnitt rund -2% abgegeben.

In den Marktkommentaren können Sie heute lesen, dass der DAX-Anstieg auf nachlassende Sorgen vor einem Handelskrieg mit den USA zurückzuführen sei. In der vergangenen Woche wurden Kursrückgänge an den Aktienmärkten mit dem Handelsstreit zwischen China und den USA begründet.

Und wenn alle Stricke reißen funktionieren beide Argumente auch exakt umgekehrt. So geht das nun schon seit Wochen.

Vergessen Sie diese Marktkommentare! Sie helfen Ihnen bei der Einschätzung der Marktlage nicht für 5 Cent weiter!

Schauen Sie stattdessen lieber gemeinsam mit mir auf die Charttechnik: Wir werden heute die Ausgangslage für den DAX analysieren.

Danach wissen Sie, was Sie von dem Hin und Her der vergangenen Wochen halten können.

Immer gut: Der Blick aus der Vogelperspektive

Beginnen wir – wie Sie das von mir nicht anders gewohnt sind – mit einem Blick aus der Vogelperspektive: Es ist immer von Vorteil, das „große Bild“ zu kennen.

DAX langfristig: 14-Monats-Relative Stärke Index in einem Verkaufssignal

In der Grafik sehen Sie den DAX zurück bis ins Jahr 2000. Darunter habe ich Ihnen einen der von mir favorisierten Indikatoren eingeblendet: Den Relative Stärke Index (RSI).

Der RSI ist für meine Analysearbeit deshalb so wertvoll, weil ich ihn auf eine ungebräuchliche Art und Weise verwende: Der Indikator bildet nämlich – wie im Chart mit Hilfe der eingezeichneten Linien deutlich gemacht – Trends aus. Ganz so, wie es alle Märkte tun.

Entsprechend werden Kauf- oder Verkaufssignale erzeugt, wenn diese Trendlinien vom RSI durchbrochen werden.

Und wie Sie weiterhin anhand des gelben Kreises erkennen, wurde der jüngste, im Februar 2016 gestartete, Aufwärtstrend signifikant durchschlagen. Das gilt im Übrigen auch für den DAX selbst in dem genannten Zeitraum.

Der Aufwärtstrend seit 2009 ist in Gefahr

Die gestrichelte grüne Linie im Index-Verlauf gibt Ihnen aber noch eine weitere wichtige Information: Trotz des Anstiegs der letzten Tage notiert der DAX in der Nähe des seit dem Jahr 2009 gültigen Aufwärtstrends!

Ich überlasse es Ihrem gesunden Menschenverstand, die daraus notwendigen Schlüsse zu ziehen.

Das mittelfristige DAX-Bild

Schauen wir zum Abschluss noch auf einen mittelfristigen Zeitabschnitt:

DAX mittelfristig: Jüngstes Kaufsignal wird nicht vom Momentum bestätigt

Der gelbe Kreis in diesem Tages-Chart markiert den DAX-Verlauf seit dem vergangenen Donnerstag: Der Leitindex hat es demnach geschafft, den seit Januar dieses Jahres bestehenden Abwärtstrend (rote Linie, blauer Ring) nach oben zu durchbrechen.

Also gute Nachrichten? Denn das ist doch ein Kaufsignal, oder? Mitnichten.

Zunächst einmal stößt der deutsche Leitindex nun an ein breites Widerstands-Band (grün unterlegt). Das dürfte einen weiteren Anstieg erschweren.

Zudem ist der genannte Trendbruch dazu prädestiniert, sich ebenso als Bullenfalle zu entpuppen, wie der vorhergehende (blaue Trendlinie):

Der vertikale blaue Balken verdeutlicht Ihnen nämlich, dass auch der Trendbruch von Anfang März NICHT von einem Trendbruch im 50-Tage-Momentum bestätigt wurde (gelber Kreis)!

Dieser Indikator gibt Ihnen bekanntlich Aufschluss über Schwung und Dynamik eines Marktes. Und im DAX zeigt Ihnen das Momentum:

Der Indikator bewegt sich – trotz des jüngsten Anstiegs – tief im Minus-Bereich und ist zuvor sogar noch auf neue Tiefs abgesunken. Das bestätigt zum einen den bestehenden Abwärtstrend und zum anderen baut der DAX (ein sich nur mäßig verringerndes) negatives Momentum auf.

Fazit

In meinem Beitrag am letzten Mittwoch (Thema: MACD-Kaufsignale) hatte ich Ihnen bereits gezeigt, dass die deutschen Aktien, die sich derzeit auf der Monats-Zeitebene in einem Verkaufssignal befinden, die Mehrheit übernommen haben.

Stand Ende vergangener Woche hat sich der Wert übrigens noch weiter verschlechtert – wiederum TROTZ der Erholung am Donnerstag und Freitag. Nach 46,3% am 4. April befinden sich nun nur noch 45,5% aller deutschen Aktien in einem langfristigen MACD-Kaufsignal!

Meine heutige Chartanalyse bestätigt diese Erkenntnisse auch anhand der Charttechnik für den DAX: Der 14-Monats-Relative Stärke Index befindet sich derzeit in einem Verkaufssignal!

Auch wenn der Handelsstreit zwischen den USA und dem „Rest der Welt“ aktuell mal wieder als Argument für den DAX-Anstieg herhalten muss: Der jüngste Trendbruch im Index-Verlauf wird nicht vom 50-Tage-Momentum bestätigt (gelber Kreis).

Die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Bullenfalle und bald wieder sinkende DAX-Notierungen ist derzeit sehr hoch!

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.