Kepler Chevreux: Aixtron-Übernahme innerhalb von 9 Monaten

Es ist wieder soweit: Übernahme-Gerüchte beflügeln die Aixtron-Aktie. Zum gefühlt 10 Mal in den vergangenen 3 Jahren werden wieder einmal Übernahme-Gerüchte versprüht – und die Menge greift zu.

Von 3,20 Euro auf 4,50 Euro stieg das Papier in den vergangen 2 Wochen – ein sattes Plus von 40%. Glaubt man dem Analyse-Haus Kepler Chevreux wird das Unternehmen in den kommenden 9 Monaten sogar für mindestens 6 Euro übernommen werden. Also selbst nach dem Raketen-haften Kursanstieg noch immer 33% Potenzial.

Für Sie ein Grund sofort einzusteigen? Wohl eher nicht!

Aixtron nicht das erste Mal im Zentrum von Übernahme-Spekulationen

Erfahrung ist am Aktienmarkt wichtig. Meine Erfahrung sagt: Je lauter die Bullen trommeln, umso wachsamer sollte ich sein. Nirgends war dieser Gedanke wertvoller als im Falle von Aixtron.

Übernahme-Gerüchte sind nicht neu und ich bin froh, stets an der Seitenlinie geblieben zu sein. Seit 2013 schaue ich regelmäßig auf die Unternehmensentwicklung und den auftauchenden Gerüchten. Mal wird Samsung als Käufer rumgereicht, dann wieder Applied Materials oder in komplett abwegiger Form auch gleich Apple oder Qualcomm.

Im Herbst 2015 hieß es dann, chinesische Bieter haben ein Auge auf Aixtron geworfen. Die guten alten chinesischen Bieter gehören bei Übernahme-Gerüchten natürlich zum guten Ton.

Übernahme durch Veeco hat hohes Synergie-Potenzial: Was ist mit den Wettbewerbsbehörden?

Die aktuellen Gerüchte besagen, dass Aixtrons größter Konkurrent Veeco Käufer sein könnte. Genauer heißt es, dass Aixtron informelle Gespräche mit Veeco aufgenommen hat. Das ist durchaus denkbar. Nirgends wären die Synergien größer als bei einem Zusammenschluss mit Veeco, bei denen es aktuell auch nicht rund läuft.

Störend könnte aber die doch sehr große Marktmacht im MOCVD-Markt sein. Neben Veeco und Aixtron gibt es nur noch unbedeutend kleine Konkurrenten. Doch solche Probleme sind meistens kleiner als man annehmen möchte. Dass Veeco und Aixtron zusammengehen, kann nicht ausgeschlossen werden.

Langer Weg von informellen Gesprächen bis zum Deal

Laut des stets gut informierten Informationsanbieters Bloomberg hat die unbekannte Gerüchtequelle eingeschränkt, dass eine zeitnahe Einigung mit einem potenziellen Käufer unwahrscheinlich ist.

Zudem ist zu berücksichtigen, dass Aixtron hier offenbar nach Partnern sucht, weil es äußerst bescheiden läuft. Der Verlust des chinesischen Großauftrags im Dezember zeigte, dass die Produktionsanlagen offenbar nicht den Anforderungen der Käufer gerecht wurden.

Dass Aixtron aktiv auf Partnersuche geht, ist ein Zeichen der Schwäche. Dementsprechend gering ist die Verhandlungsmacht wenn es ernst wird und formelle Übernahme-Gespräche anstehen. Zudem besteht die Gefahr, dass der Aktienkurs unter Druck gerät, je länger die Suche dauert.

Außerdem sollten Sie wissen: Informelle Gespräche gibt es andauernd. Die Wahrscheinlichkeit, dass daraus am Ende ein Deal wird ist in etwa so groß, wie als wenn es ein Wirkstoffträger in die klinische Phase schafft. Bis zum Medikament (zur Übernahme) ist es ein langer Weg mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass es am Ende nichts gibt.

Gerücht merken und Investition nach Q1-Zahlen prüfen

Bezüglich einer Aixtron-Investition zu 4,50 Euro hat der Übernahme-Sensor ein höchst ungutes Gefühl. Die Gerüchte können stimmen, doch nach Kursstürzen sind Übernahme-Gerüchte nicht selten haltlos.

In diesem Fall kommt plötzlich auch noch eine Zacks-Studie zu Aixtron hinzu. Zacks wird bei deutschen Aktien  so gut wie nie erwähnt. Wird händeringend nach Pro-Argumenten gesucht? Parallel zum Übernahme-Gerücht und der Zacks-Studie blasen auch noch die Charttechniker zum Einstieg.

Da ist sehr viel „Lärm“, dass jetzt eine einmalige Einstiegschance herrschen würde. Vielleicht ist es besser erst einmal abzuwarten, bis das große Tamtam vorbei ist und Aixtron am 26.04. die Zahlen für das erste Quartal vorgelegt hat. Dann kann der ganze Fall neu beurteilt werden, vor allem mit Blick auf das Investitionsrisiko. In der Vergangenheit konnte mit so einer abwartenden Strategie ein großer Verlust verhindert werden.

1. April 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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