KGV Dow Jones und DAX: Überbewertet und überhitzt?

Derzeit blickt die Börsenwelt mit einer guten Portion Be- und Verwunderung auf die Entwicklung an den Aktienmärkten.

Nicht wenige Markttechnik-Experten mahnen, sie wären (massiv) überkauft.

Einige Börsenanalysten sagen sogar: überbewertet.

Und einige Pessimisten (oder sind es Realisten?) behaupten sogar, dass wir vor eine riesigen ‘Bullenfalle’ stünden.

Wir wollen heute und am kommenden Montag die Aspekte Überbewertung und Überhitzung für den DAX und den Dow Jones Industrial Average (den US-Leitindex) einmal genauer betrachten und daraus unsere eigenen Schlüsse ziehen.

Schauen wir daher zunächst einmal auf das KGV des Dow Jones und DAX an.

 

Kleiner Exkurs zum KGV

Das KGV oder Kurs-Gewinn-Verhältnis (englisch: Price-Earnings-Ratio oder PER) ist eines der meistgenutzten und einfachsten Verfahren, um festzustellen, ob eine Aktie teuer oder preiswert ist.

Mit Hilfe dieses Instruments wird zumeist der erwartete Gewinn eines Unternehmens in Beziehung zu seinem Aktienkurs gesetzt.

Anhand dieser Relation lässt sich dann beurteilen, ob eine Aktie an der Börse zurzeit gerade attraktiv bewertet oder (zu) teuer bezahlt wird.

Grundsätzlich gilt: Je höher das KGV, desto teurer ist eine Aktie, je niedriger, desto preiswerter.

Wesentlich aussagekräftiger sind KGVs, wenn Sie auf einen Aktienkorb (wie beispielsweise den DAX oder Dow Jones) berechnet werden, da dann ein Durchschnittswert aus vielen Einzelbewertungen gebildet wird.

So wie Gleitende Durchschnitte die täglichen Kursfluktuationen eliminieren, glättet ein KGV-Durchschnitt Ausreißer in der einen oder anderen Aktie.

KGV Dow Jones & DAX: Es geht hoch her

Doch nun zu den Fakten: Aktuell wird der DAX mit einem KGV von 23,1 bewertet, der Dow Jones mit einem KGV von 25,6. Zugrundegelegt wurden die für 2009 erwarteten Gewinne der 30 DAX- und Dow Jones-Titel.

Sie sehen schon: Ohne Vergleichswerte haben diese Zahlen an sich wenig Aussagekraft.

Wenn ich Ihnen allerdings sage, dass das Hoch und Tief im DAX zwischen 2000 und 2009 bei 33,5 (März 2002) und 9,2 (Januar 2009) und im Dow Jones bei 28,3 (Dezember 2001) und 8,6 (November 2008) gelegen hat, können Sie diese Werte besser einordnen.

Ein weiterer Vergleich: Im Trendwendejahr 2003 lag für den DAX das KGV im Tief bei 10,7 (März) und erreichte im Dezember ein Top von 19,4.

Anfang Juni 2003, nach ebenfalls rund 40% Kursgewinn in 9 Wochen, lag es bei 14,2! Im Dow Jones lag das Jahrestief im März 2003 bei 13,7 und stieg auf ein Hoch von 17,6 im September. Anfang Juni wurde der Dow Jones mit einem KGV von 16,1 bewertet.

Aus Sicht der Kurs-Gewinn-Verhältnisse müssen wir also konstatieren: Deutsche und US-Aktien sind wirklich nicht mehr preiswert.

KGV Dow Jones und DAX 2003 und 2009: Der wesentliche Unterschied

Langfristige Bullenmärkte erheben sich in aller Regel aus niedrigen KGVs. Das war auch 2003 so und 2009 schien es sich ähnlich zu entwickeln.

Mit steigenden Indexständen nehmen dann aber auch die erwarteten Unternehmensgewinne zu (wodurch sich gleichzeitig die KGV-Steigerungen wieder relativieren), da sich die Konjunkturaussichten immer weiter verbessern.

Die anziehenden Gewinnerwartungen untermauern sozusagen die vorausgegangenen Kurssteigerungen.

Das passt in diesem Jahr bislang jedoch überhaupt nicht. Während sich 2003 die DAX-Gewinnerwartungen für die Unternehmen von Januar bis Anfang Juni um rund 17% verbessert hatten, haben sich die Gewinnerwartungen in diesem Jahr seit Januar mehr als halbiert!

Anders gesagt: 2003 waren die Kurssteigerungen von März bis Juni halbwegs gerechtfertigt – davon kann in diesem Jahr nicht die Rede sein.

Am kommenden Montag werden wir anhand von technischen Indikatoren den ‘Hitzegrad’ von DAX & Dow untersuchen.


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15. Juni 2009

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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