Kinetic-Übernahme: Private-Equity Unternehmen setzten auf Medizintechnik

Führende Beteiligungsgesellschaften haben dem Medizintechniker Kinetic ein Übernahme-Angebot unterbreitet. Für 5 Mrd. Dollar will ein Konsortium um das Private-Equity Unternehmen Apax Partners das Unternehmen aus San Antonio, Kalifornien übernehmen.

Abgesehen vom großen Volumen, das inkl. Schulden sogar bei 6,3 Mrd. Dollar liegt, gibt es eine weitere Besonderheit: Der Deal ist die größte fremdfinanzierte Übernahme seit dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers.

Deal-Volumen der Beteiligungsgesellschaften steigt rasant

Die Übernahme zeigt, dass Beteiligungsgesellschaften wieder mehr Mut gefasst haben. Sie nutzen die günstigen Kreditkonditionen am Kapitalmarkt und kaufen damit Unternehmen, die an der Börse noch günstig zu haben sind. Bei größeren Deals – wie diesem – werden andere Gesellschaften mit ins Boot genommen, um die Übernahme zu stemmen.

Auf Jahressicht ist das Deal-Volumen der Beteiligungsgesellschaften um 42% gestiegen. Sowohl in den Industrienationen, als auch in den Schwellenländern mischen die Private-Equity Unternehmen verstärkt mit. Häufig nehmen die Gesellschaften das Unternehmen von der Börse, verbessern die Strategie und verkaufen es wenige Jahre später mit hohem Gewinn.

Das Gewinnpotenzial bei Kinetic wird auf 5-Jahressicht mit 40% beziffert.

Übernahme-Angebot mit Go-Shop-Klausel

Apax ist bereit 68,50 Dollar je Aktie zu zahlen und findet mit der Offerte die Unterstützung des Kinetic-Managements. Ein Deal ist erwartet worden, so dass die Übernahme-Prämie mit 6,2% eher bescheiden ist. Wer jedoch bei Bekanntwerden der Gerüchte Anfang Juli eingestiegen ist, konnte immerhin noch einen Gewinn von 17% in 10 Tagen einstreichen.

Der Preis muss noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Kinetic hat 40 Tage Zeit bekommen, um sich im Markt nach besseren Offerten umzuschauen (go-shop). Falls es zu einer höheren Offerte kommt, wird erwartet, dass auch dann Beteiligungsgesellschaften und nicht etwa Konkurrenten zuschlagen werden.

Branchengrößen schlagen zu

Mit dem Deal setzen die Käufer auf wachsende Ausgaben in der Medizintechnik-Branche und eine steigende Zahl krankenversicherter Amerikaner. Erste Erfolge sind zwar schon zu sehen, doch die Rechnung wird nur voll aufgehen, wenn die US-Wirtschaft wieder deutlicher Fahrt aufnimmt und die Arbeitslosenrate sinkt.

Appax ist mit der positiven Einschätzung jedoch nicht allein. Viele andere Private-Equity Gesellschaften setzen seit einigen Monaten auf die gleiche Karte und haben ihrerseits Milliarden investiert.

TPG Capital kaufte für 2 Mrd. Dollar das Diagnostik-Unternehmen Immucor. Zusammen mit Carlyle kaufte TPG für 1,7 Mrd. Dollar die australische Krankenhaus-Kette Healthscope und  auch Branchengröße KKR setzt auf den Trend. Für 2,4 Mrd. Dollar erwarb KKR eine Tochter des Pfizer-Konzerns. Von den ganz großen Private-Equity-Unternehmen fehlt nur noch Blackstone – aber vielleicht haben die auch schon einen Kandidaten ausgemacht.

13. Juli 2011

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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