Kinghero: Neuer Tiefschlag für Besitzer von China-Aktien

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Unternehmen aus China, die in Deutschland an die Börse gehen, sind extrem riskant. Jüngstes Beispiel ist Kinghero. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Der deutsche Leitindex DAX hat in dieser Handelswoche ein neues Allzeithoch erreicht. Zum ersten Mal wurde die Marke von 9.000 Punkten auch auf Schlusskursbasis überwunden.

An der Börse gibt es jedoch auch in dieser an sich positiven Marktphase nicht nur Sonnenschein. So mussten zum Beispiel die Aktionäre der Kinghero AG einen dramatischen Wochenverlust von rund 70% hinnehmen.

Damit setzt Kinghero die Negativ-Serie der China-Aktien, die an deutschen Börsen notieren, fort.

Vorstands-Boss muss gehen

Am 30. Oktober erfolgte per Ad-hoc-Meldung die Notbremsung: Der Aufsichtsrat der Kinghero AG hat beschlossen, den Vorstands-Vorsitzenden Zhang Yu mit sofortiger Wirkung abzuberufen.

Auslöser war eine Warnung der Abschlussprüfer, die den Geschäftsbericht 2012 testen sollten. Die Warth & Klein Grant Thornton AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hatte den Kinghero-Aufsichtsrat am 30. Oktober darüber informiert, dass noch immer die elementarsten Daten für das schon lange beendete Geschäftsjahr 2012 fehlen. Noch schlimmer: Die Wirtschaftsprüfer deuten relativ klar an, dass es sich um einen Betrugsfall handeln könnte.

Hier die Zusammenfassung der Vorwürfe aus der Ad-hoc-Meldung: „Der Abschlussprüfer der KINGHERO AG für das Geschäftsjahr 2012, die Warth & Klein Grant Thornton AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (‘Grant Thornton’), hat die KINGHERO AG heute darüber informiert, dass die operativen Einheiten in China bis heute keine prüfbaren Jahresabschlüsse vorgelegt haben.

Grant Thornton stellt weiterhin fest, dass die in den Jahresabschlüssen der chinesischen Tochterunternehmen ausgewiesenen Umsatzerlöse und Wareneinsätze bislang nicht nachgewiesen wurden und nach den durchgeführten Prüfungshandlungen nicht plausibel erscheinen. Dies gelte auch für die ausgewiesenen Liquiden Mittel und deren freie Verfügbarkeit. Darüber hinaus wurden angeforderte Nachweise für Gegenstände des Anlagevermögens, langfristige Vorauszahlungen und Aufwendungen für Renovierungen in den chinesischen Tochtergesellschaften nicht vorgelegt.“

Die Reaktion an der Börse auf diese Mitteilung: Der Aktienkurs brach um 70% ein. Es ist aus heutiger Sicht völlig offen, wie es mit dem Unternehmen weitergeht. War das Management „nur“ völlig unfähig? Wurden Umsätze, Gewinne und Vermögenswerte nur zum Teil erfunden? Oder war das gesamte Unternehmen ein Lügenkonstrukt?

Wenn der neue Vorstand diese Fragen beantwortet hat, werden die Aktionäre erfahren, ob sie auf eine leichte Erholung hoffen können, oder ob der Totalverlust unausweichlich ist.

Es gab genug Warnsignale

Wie dramatisch die Lage bei Kinghero ist, konnte man als Aktionär bis zum 30. Oktober nur erahnen. Es gab in den vergangenen Jahren jedoch einige Warnhinweise.

So ging schon der Börsengang im Jahr 2010 nicht glatt über die Bühne. Der chinesische Modekonzern mit der deutschen Holding konnte beim Börsengang viel weniger Aktien platzieren als ursprünglich geplant. Auch beim Preis mussten Abstriche gemacht werden.

Der Ausgabepreis von 15 Euro pro Aktie reichte jedoch, um zumindest einige Altbesitzer glücklich zu machen. So kassierte der Großaktionär Zhang Yu, der Manager, der auch bis Donnerstag den Vorstand geleitet hat, beim Börsengang knapp 2 Mio. Euro.

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Bereits 2011, 1 Jahr nach dem Börsengang, verließ der damalige Chef des Aufsichtsrats das Unternehmen. Im Jahr 2012 verabschiedete sich ein wichtiges Vorstands-Mitglied.

Im laufenden Jahr gab es immer mehr Warnsignale: Zunächst stellte im April die BankM, die den Kinghero-Börsengang mit begleitet hat, die Beobachtung (Coverage) ein. Offizielle Begründung: Es fehlen wichtige Daten, um die Kinghero-Aktie korrekt bewerten zu können. Dieser Ausstieg war aber auch eine Art Notbremsung. Das alte Rating „Kaufen“ mit dem Fair Value von 37,46 Euro pro Kinghero-Aktie war nicht mehr zu halten, da der Aktienkurs schon unter die 10-Euro-Marke gerutscht war.

Ende Juli verkündete dann Kinghero, dass die Veröffentlichung der 2012er-Bilanz noch weiter nach hinten verschoben werden muss. Grund: Probleme mit der Datenqualität der chinesischen Tochtergesellschaften.

Negativer Höhepunkt war dann die oben zitierte Ad-hoc-Meldung vom 30. Oktober 2013. Der Aktienkurs, der zu Beginn des Jahres noch bei 12 Euro lag, rauschte Richtung 1 Euro.

Chinesische Unternehmen verlieren die Glaubwürdigkeit

Probleme wie im Fall Kinghero tauchen an der Börse ab und zu auf. Das ist die Schattenseite des Aktienmarktes. Einen 100-Prozent-Schutz kann es nicht geben. Speziell dann nicht, wenn das operative Geschäft im Ausland liegt und sich Aktionäre und Analysten auf die geprüften Bilanzen verlassen müssen.

Auffällig ist aber, dass seit einigen Jahren sehr viele chinesische Unternehmen betroffen sind, die hier an deutschen Börsen Kapital eingesammelt haben. Angesichts der Verlust-Serie in einem an sich positiven Börsenumfeld fällt es schwer, an Zufälle zu glauben.

In meinem Börsendienst „Morriens Einsteiger-Depot“ habe ich bereits im Sommer 2013 auf die Risiken hingewiesen und vor den entsprechenden Unternehmen gewarnt. In der Wochenausgabe vom 3. August schrieb ich meinen Lesern:

„In dieser Woche wurde ein Bericht über Börsengänge chinesischer Unternehmen in Deutschland veröffentlicht. Das Ergebnis ist verheerend: Von 18 chinesischen Unternehmen, die in Deutschland in den vergangenen 5 Jahren den Gang an die Börse wagten, schaffte es nur ein Kandidat, mit dem Aktienkurs heute besser dazustehen, als zum Zeitpunkt des Börsengangs.

In 17 von 18 Fällen hätte Ihnen der Kauf der Aktien bis heute zum Teil herbe Verluste von bis zu 93% beschert. Daher rate ich in dem Fall, dass Sie entweder einen Markt oder ein Geschäftsmodell nicht ausreichend beurteilen können, dringend vom Kauf einzelner Aktien ab.“

Lösung: Fonds oder Unternehmen mit China-Anteil

Fazit: Das Thema „China“ begeistert viele Anleger. Leider gibt es in diesem Bereich viele Abzocker. Daher sollten Sie sehr vorsichtig sein, wenn Sie Geld in die „China-Story“ investieren.

Wer vom China-Wachstum an der Börse profitieren möchte, kann in einen breit streuenden Aktienfonds investieren, oder aber bekannte europäische oder amerikanische Unternehmen herauspicken, die hohe Umsätze und Gewinne in China erzielen. Mit diesen beiden Strategien sinkt Ihr Anlage-Risiko deutlich.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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