Kion-Aktie: Gabelstapelhersteller nach Zukauf weiter auf Erholungskurs

Gabelstapelspezialist profitiert von zunehmender Automatisierung. Warum der China-Deal gut für die Anleger ist. Aktie marschiert Richtung Allzeithoch. (Foto: Andrei Mayatnik / Shutterstock.com)

Noch im vergangenen Herbst musste die Aktie des Gabelstaplerherstellers Kion nach einer Prognosesenkung herbe Kursverluste einstecken. Wenige Wochen später hat sich das Bild schon wieder deutlich aufgehellt. Nach Kurszuwächsen von rund 20% seit Ende November marschieren die Kion-Papiere wieder stramm Richtung Allzeithoch. Für positive Stimmung unter den Anlegern sorgten auch der gerade bekanntgegebene China-Deal, den der Wiesbadener Konzern gerade eingetütet hat.

Kion im Porträt – in Europa die Nummer Eins

Bevor ich auf die aktuellen Nachrichten eingehe, möchte ich Ihnen den deutschen Konzern erst einmal näher vorstellen. Kion ist mit mehr als 100 Standorten weltweit der zweitgrößte Anbieter von  Flurförderzeugen,  Lager-  und  Materialflusstechnik. In Europa, Brasilien und China ist Kion sogar die Nummer Eins. Der Fokus lag bislang auf dem europäischen Markt, auf dem über 80% der Erlöse erzielt werden. Dies dürfte sich durch die Übernahme des US-Konzerns Dematic zukünftig aber spürbar ändern.

Dabei wird der Mehrmarkenauftritt (u.a. Linde, Still) gekoppelt mit einer Modul- und Plattformstrategie für Skaleneffekte genutzt.  Ziel der Strategie 2020 ist, zum Weltmarktführer (Toyota) aufzuschließen und eine dauerhafte Vorsteuermarge von 12% zu erzielen. Der wesentliche Treiber des Geschäfts ist die voranschreitende Automatisierung von Logistikprozessen. Das Neugeschäft  (55%  vom  Umsatz)  wird  durch  Dienstleistungen  wie  Reparatur/Service  (26%),  Mietgeräte  (10%)  oder Gebrauchtgeräten (5%) ergänzt.

Übernahme baut Geschäft in China deutlich aus

Jetzt haben die Wiesbadener mit dem Einstieg beim chinesischen Hersteller EP Equipment einen wichtigen Schritt in ihrer Expansionsstrategie gemacht. Kion geht mit dem Hersteller von leichten Lagertechnikgeräten eine exklusive und weltweite strategische Partnerschaft ein. Sie müssen wissen: Der Markt für Lagertechnik läuft im Moment auf Hochtouren. Mit dem Einstieg bauen die Wiesbadener ihre Produktpalette gezielt aus.

Für Kion ist China besonders wichtig. Immerhin handelt es sich um den weltweit größten und wichtigsten Markt für Flurförderzeuge. Alleine in den ersten neun Monaten 2017 ist der Markt im Reich der Mitte um satte 40% gewachsen. Ein kräftiger Anstieg, der vor allem auf leichte Lagertechnikgeräte im Einstiegssegment zurückzuführen war.

Zugleich verfügt der chinesische Partner mit seinen mehr als 1.000 Mitarbeiter auch über eine starke Position in den USA.

Kion setzt auf Automatisierungstrend

Spätestens seit der Dematic-Übernahme im Herbst 2016 ist klar, dass die Zeichen bei Kion auf Expansion stehen. Immerhin legte Kion damals gut 1,85 Milliarden Euro für das Unternehmen auf den Tisch. Dematic ist Spezialist für Automatisierung und Lieferketten-Optimierung und gilt heute als weltweit führend in der Logistik-Automatisierung. Für Kion war der Deal der Aufbruch in eine neue Dimension.

Mit dem Zukauf hat sich der Gabelstaplerspezialist in Trendthemen wie Industrie 4.0, E-Commerce und Digitalisierung ein gutes Stück nach vorne geschoben. Positiver Nebeneffekt der Übernahme: Dematic ist dort stark, wo Kion schwach ist, nämlich in den USA. Dort erzielt Dematic rund zwei Drittel der Erlöse. Überschneidungen gibt es daher weder von der Produktseite noch von den Regionen.

Dematic mit Anlaufschwierigkeiten

Allerdings war Dematic auch für die Gewinnwarnung im vergangenen Herbst verantwortlich. Projektverzögerungen und ein schwacher Auftragseingang sorgten für Gegenwind. Kion peilt 2017 nun Erlöse zwischen 7,4 und 7,7 Milliarden Euro an statt 7,5 bis 7,95 Milliarden. Beim bereinigten operativen Gewinn (Ebit) werden 715 bis 765 Millionen Euro angestrebt statt 740 bis 800 Millionen.

Fazit: Die Erweiterung des Geschäftsmodells um Automatisierungssysteme für Lager-Logistik ist naheliegend. Ebenso sinnvoll erscheint der strategische Einstieg in China, der langfristig für zusätzliches Wachstum sorgen dürfte. Jetzt muss der Konzern aber erst einmal zeigen, dass sich die Milliardenübernahme von Dematic auch rechnet.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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