Kion-Group: Anlagenbauer bringt Dematic-Übernahme in trockene Tücher

Der Anlagenbauer Kion bringt die Dematic-Übernahme in trockene Tücher. Eine Kapital-Erhöhung soll dabei die Finanzierung sichern. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Kion-Aktie ist im Moment schwer zu stoppen:

Seit dem Börsengang im Sommer 2013 haben die Papiere um mehr als 170% zugelegt. Seit Jahresbeginn liegt das Plus bei satten 21%.

Dabei setzt der Wiesbadener Konzern nicht nur auf Wachstum aus eigener Kraft. Vielmehr sind Übernahmen ein wichtiger Teil der Firmen-Strategie.

Erst vor wenigen Monaten hat Kion mit der milliardenschweren Übernahme des US-Logistik-Spezialisten Dematic die Weichen für die Zukunft gestellt.

Jetzt scheint auch die Finanzierung des Megadeals in trockenen Tüchern zu sein.

Chinesischer Großaktionär zieht mit

Der Konzern hat mit dem Verkauf neuer Aktien kurzfristig rund 605 Mio. € eingesammelt.

Mit dem Geld soll die 2 Mrd. € schwere Übernahme des Logistik-Spezialisten Dematic im vergangenen Jahr teilweise refinanziert werden.

Insgesamt wurden 9,3 Mio. neue Aktien zum Stückpreis von 64,83 € verkauft.

Der chinesische Kion-Großaktionär Weichai zog mit und behält seine Aktienquote von 43,3% bei. Insgesamt müssen die Chinesen dafür 250 Mio. € zusätzlich auf den Tisch legen.

Weltweite Nr. 2

Kion ist mit mehr als 100 Standorten weltweit der zweitgrößte Anbieter von Flurförderzeugen, Lager- und Materialfluss-Technik. In Europa, Brasilien und China ist Kion Marktführer.

Der Fokus lag bislang auf dem europäischen Markt, auf dem über 80% der Erlöse erzielt werden. Dies dürfte sich durch die Übernahme des US-Konzerns Dematic zukünftig aber spürbar ändern.

Dabei  wird  ein  Mehrmarken-Auftritt  (u. a. Linde, Still) gekoppelt mit einer Modul- und Plattform-Strategie für Skalen-Effekte genutzt.

Ziel der Strategie 2020 ist es zum Weltmarktführer (Toyota) aufzuschließen und eine dauerhafte Vorsteuer-Marge von 12% zu erzielen.

Der wesentliche Treiber des Geschäfts ist die voranschreitende Automatisierung von Logistik-Prozessen.

Das Neugeschäft (55% vom Umsatz) wird durch Dienstleistungen wie Reparatur/Service (26%), Mietgeräte (10%) oder Gebrauchtgeräten (5%) ergänzt.

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Dematic-Deal als kluger Schachzug

Dematic ist Spezialist für Automatisierung und Lieferketten-Optimierung und gilt heute als weltweit führend in der Logistik-Automatisierung.

Der Kundenstamm verteilt sich auf verschiedene Industrien wie:

  • Logistik (18%),
  • Nahrungsmittel (11%),
  • Metallverarbeitung (11%),
  • Automobil (9%),
  • Chemie (8%),
  • etc.

Bei einem Jahres-Umsatz von zuletzt 1,8 Mrd. Dollar blieb ein operativer bereinigter Gewinn von 168 Mio. Dollar übrig.

Was reizt Kion an dem US-Konzern? Firmenchef Gordon Riske sieht den Zukauf als Aufbruch in eine neue Dimension.

Für Themen wie Industrie 4.0, E-Commerce und Digitalisierung will sich Kion positionieren.

Positiver Nebeneffekt: Dematic ist dort stark, wo Kion schwach ist, nämlich in den USA. Dort erzielt Dematic rund 2/3 der Erlöse.

Überschneidungen gibt es daher weder von der Produktseite noch von den Regionen.

Dennoch sollen Synergie-Effekten erzielt werden, die sich aber mit weniger als 100 Mio. € pro Jahr in Grenzen halten werden. Sie sollen v. a. durch bessere Einkaufs-Konditionen entstehen.

Marktwachstum geht weiter

Unterdessen deutet wenig darauf hin, dass sich das Wachstum abschwächt. Der Markt für Flurförderzeuge wuchs im 1. Quartal stark.

Die offiziellen Zahlen zeigen für Januar und Februar ein weltweites Wachstum von +23%.

Diese Entwicklung wurde durch ein Wachstum von >80% in China getrieben, wo die Nachfrage nach  einfachen  IC-Trucks  aufgrund  von  Infrastruktur-Investitionen stark wuchs.

Ob dies allerdings zu weiter steigenden Kursen führt, wird sich zeigen müssen.

Das aktuelle durchschnittliche Preisziel der Analysten liegt mit 68,50 € nur 5,43% über dem aktuellen Kursniveau.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.